Laagberg: Altenwohnungen verschwanden über Nacht

Die letzten Baracken am Laagberg wurden vor über 50 Jahren nach und nach abgerissen.

Die letzten Baracken am Laagberg wurden vor über 50 Jahren nach und nach abgerissen.

Foto: Romy Rohde

Wolfsburg Es kann durchaus schön sein, das Wohnen im Alter. Noch in den eigenen vier Wänden zu leben. Auf sich allein gestellt, solange es die Gesundheit zulässt. Das Laagberger Wohnungsprogramm für die alten Bürger, das erste dieser Art, begann 1964. Ein Gelände, auf dem vormals Steinbaracken standen, sich sogar ein Konzentrationslager befand.

Doch diese Altenwohnungen sucht man hier an der Breslauer Straße vergebens. Da verlief das von der Stadt unterstützte Programm, das die Wohnungsbaugesellschaft Neuland auf dem stadthistorisch bedeutsamen Boden vorlegte, im wahrsten Sinne im Sand. Dabei hatten die auch als „Bungalows für Altbürger“ bezeichneten eingeschossigen Reihenhäuser ihren unverkennbaren Charme. Die 40 Kleinwohnungen mit den engen Gärten davor, einer Terrasse mit Blick auf den nahen Wald fanden bald ihre Mieter. Klein, aber doch gemütlich. Mit einer schmucken Küche, Herd, Boiler und Spültisch versehen, einem Abstellraum mit Oberlicht. So ließ es sich in den Zwei- oder Einzimmer-Wohnungen altersgerecht wohnen.

Man staune, ganze 90 Mark Miete verlangte die Neuland für diese architektonisch recht experimentellen Objekte. Nun, der Herstellungspreis war für den Anbieter nicht ganz so günstig, wie wenig zuvor beim Bau der Altenwohnungen in der Tiergartenbreite. Hier blieben die ganz im konventionellen Baustil errichteten Häuser noch erhalten.

Der Wunsch des Reporters, der 1964 über die Laagberger Altenwohnungen berichtete, vom „Leben wie im Eigenheim“ und von der Nähe der „achtgeschossigen Hochhäuser und weiterer Miethäuser“ auf dem einstigen Barackengelände, diese Vorstellung fand keine Zukunft. Die Altensiedlung verschwand über Nacht. Der Satz „hier werden inmitten des Wohngebietes für jüngere Bürger die Alten niemals das Gefühl haben, abseits zu stehen“, erfüllte sich nicht. Das Gelände wird in unserer Zeit zum Platz der Kommunikation und des Einkaufens umgestaltet. Der Laagberg gehört zu den sich stetig entwickelnden Stadtteilen mit altersmäßig recht gemischter Bevölkerung.

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