Gedenkstätte am Laagberg: Bürger haben konkrete Pläne

Wolfsburg  Beim ersten Workshop geben Referenten Einblicke in die Gedenkstättenpraxis. Die Vorstellungen gehen bei den Beteiligten weit auseinander.

Anita Placenti-Grau (links), IZS-Leiterin, hatte zum ersten Workshop auch Fachreferenten eingeladen.

Anita Placenti-Grau (links), IZS-Leiterin, hatte zum ersten Workshop auch Fachreferenten eingeladen.

Foto: rs24/Nehlsen

Wie soll die neue Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Laagberg aussehen? Experten sprachen Freitagabend gemeinsam mit Bürgern der Stadt bei einem ersten Workshop über die Planungen zur Gestaltung für den künftigen Lern- und Gedenkort. Eingeladen hatte das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS).

Im August hat der Rat der Stadt nach monatelangen Diskussionen beschlossen, auf dem einstigen Lagergelände am Laagberg eine Gedenk- und Bildungsstätte zu errichten. Vergangenen Monat haben die Bergungsarbeiten begonnen. Das Grundkonzept der künftigen Einrichtung möchte das IZS gemeinsam mit Bürgern, Schülern und Azubis aber auch anderen Institutionen in Workshops, einer Ideenwerkstatt und einem Arbeitstreffen erarbeiten.

Im Vorfeld einer Diskussionsrunde gab Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, interessierten Bürgern Einblicke über die jüngsten Entwicklungen in der niedersächsischen Gedenkstättenpraxis: „Im Mittelpunkt der Gedenkstätten stehen selbstverständlich die Opfer. Ich bin der Meinung, man sollte auch die Täter und Zuschauer in den Blick nehmen und ihre innere Motivation beleuchten“, plädiert Wagner.

Auch die Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Dr. Andrea Hauser nahm die Fundamentreste des ehemaligen KZ-Außenlagers Laagberg genauer in den Blick. Andreas Ehresmann, Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel, zeigte zudem, wie mit Exponaten und Zeitzeugenberichten umgegangen werden kann.

Über die Maßnahmen zur Errichtung einer Gedenkstätte haben Alfred und Mechthild Hartung von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) bereits konkrete Vorstellungen: „Ich wünsche mir, dass der ursprüngliche Lagerzaun – so wie in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme – am Laagberg sichtbar wird. Denkbar wäre hier zum Beispiel ein Edelstahl-Zaun“, sagt Mechthild Hartung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zudem ist den Hartungs wichtig, dass die ursprungliche Größe des KZ-Außenlagers in der künftigen Gedenkstätte sichtbar wird: „Wir müssen uns überlegen, wie wir das gesamte Areal miteinbeziehen. Sonst wird die Gedenkstätte der Gesamtdimension nicht gerecht“, betont Alfred Hartung. Er hofft, dass die Wolfsburger Bürger in die Planungen mit eingebunden werden. Seine Frau ergänzt: „Beispielsweise könnte man die Größe durch eine andersfarbige Pflasterung oder durch Leuchtsteine zeigen.“

Diese Ansicht teilen auch Heinz Gläser und Otto Stückemann. „Wir wollen nicht, dass nur ein kleiner Teil des Lagers aufgearbeitet wird“, sagt Stückemann. Vielmehr plädieren die Laagberger dafür, etwa auch Volkswagen in die künftige Gedenkstätte am Laagberg miteinzubeziehen. Heinz Gläser: „Der ganze Mechanismus gehört unserer Meinung nach dazu. “

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