Wie die Welt durch Digital-Archive besser wird

Wolfsburg  700 Archivare kommen zum 87. Deutschen Archivtag in den Congress-Park.

Johann Jungwirth spricht beim 87. Deutschen Archivtag über die digitale Welt.

Johann Jungwirth spricht beim 87. Deutschen Archivtag über die digitale Welt.

Foto: regios24/Helge Landmann

Die schöne, neue Welt ist digital. So sieht es Johann Jungwirth, Chief Digital Officer der Volkswagen AG. Nett ist sie auch so um 2025 oder etwas später. Denn Selfdric, das künftige selbstfahrende Auto aus dem Wolfsburger Konzern, zwinkert dem Nutzer freundlich mit dem linken Auge, äh Scheinwerfer, zu. Er wirkt nur aufgemalt, denn diese Autos müssen nicht mehr mit künstlichem Licht sehen, sie verfügen über umfangreiche Bordcomputer, sind mit allen anderen vernetzt, kennen Wege, Straßen, Sperrungen auf Straßen, die nicht mehr zugeparkt sind.

„Wir verbessern die Welt“, betont Jungwirth vor gut 700 Archivaren im Congress-Park am Mittwochabend. Er hält das Eröffnungsreferat für den 87. Deutschen Archivtag, der bis zum 30. September gehen wird unter dem Leitthema „Massenakten – Massendaten. Rationalisierung und Automatisierung im Archiv“. Da passt es, dass Jungwirth die Zukunft, „the digital company“ und ihre Aufgaben vorstellt. Mit dem Bekenntnis zur Ideenwelt der Renaissance: „Im Mittelpunkt steht der Mensch“. Obwohl er einmal Maschine sagt, damit Heiterkeit unter den Historikern auslösend.

Er weiß, was Archive wert sind. Das belegt er mit Zahlen, Daten und Fakten, quellensicher gespeicherten Dokumenten entnommen, die künftig auch unermesslich im Volumen „Clouds“ sein könnten. Bis ins Jahr 1750 reicht seine Familiengeschichte auf Matthias Jungwirth aus Linz an der Donau zurück. Auch Stammbäume lassen sich digitalisieren „und dann schnell und sicher miteinander verknüpfen“. Optimistisch, aber unsicher war die gute, alte Zeit, belegt Johann Jungwirth. 50 Prozent der Menschen waren im 19. Jahrhundert weltweit unterernährt, heute sind es 10 Prozent, 90 Prozent waren arm, heute 9 Prozent. Vor 200 Jahren konnten nur 12 Prozent der Deutschen lesen und schreiben.

Im Aufbruch befinde sich nicht nur unser Land heute. Längst seien Fotografie, Telefon, Medien, Handel, Banken, Versicherungen, Reisebüros digitalisiert, verfügten New York Times, Focus und CIA über digitale Archive, gebe es Plattformen wie Focus, die nichts produzieren. Seine Aufgabe sei es, diese zu nutzen und für „die nächste Generation“ Bewährtes zu erhalten, um Neues zu entwickeln. So werde VW Schönheit, Zuverlässigkeit, Empathie und Perfektion ins neue Zeitalter selbstfahrender Automobile mitnehmen: die seien leise und sozial, weil sie alle Leute jeden Alters befördern. Ohne Führerschein.

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