KZ-Baracken – Verein will Gedenkstätte

Wolfsburg  Auf den alten Fundamenten soll bald gebaut werden. Dagegen regt sich Widerstand einer Opfervereinigung.

Eine Fachfirma legt derzeit am Laagberg alte Fundamente frei, auf denen einst Baracken für Zwangsarbeiter gestanden haben sollen.

Eine Fachfirma legt derzeit am Laagberg alte Fundamente frei, auf denen einst Baracken für Zwangsarbeiter gestanden haben sollen.

Foto: regios24/Lars Landmann

Was wird aus den alten KZ-Barackenfundamenten an der Breslauer Straße? Während gerade die Ausgrabungen laufen, hat sich eine Opfervereinigung dagegen ausgesprochen, die Fundamente mit einem Supermarkt zu überbauen. Die Stadt Wolfsburg hat Anfang der Woche einen Brief bekommen. Absender: die „Amicale Internationale KZ Neuengamme (AIN)“ – die Internationale Lagergemeinschaft des Konzentrationslagers Neuengamme in Hamburg. Dort beklagt der Präsident der Vereinigung, Jean-Michel Gaussot, dass „die Planungen zur Bebauung anscheinend ohne vorige Rücksprache mit den betroffenen Institutionen und Einrichtungen durchgeführt wurden“. Die Vereinigung macht sich dafür stark, die Fundamente als Ort des Gedenkens zu erhalten. „Wir bitten Sie, kurzfristig die Möglichkeiten einer teilweisen Erhaltung oder Sichtbarmachung der Barackenfundamente zu prüfen und die Erinnerungsarbeit an diesem Ort zu gewährleisten“, so Präsident Gaussot in einem Brief an Oberbürgermeister Klaus Mohrs.

Bei der Stadt will man zunächst die Ergebnisse der Ausgrabungen abwarten. Man sei sich des historischen Kontextes des Ortes und dessen Bedeutung bewusst, so Ralf Schmidt von der Pressestelle der Stadt. „Die Stadt begleitet die Ausgrabungen und prüft anschließen, wie die Ergebnisse der Ausgrabungen für das öffentliche Gedenken genutzt werden können. So ist eine Information vor Ort über das Lager angedacht. In welcher Form diese erfolgen soll, ist noch nicht entschieden“, so Ralf Schmidt.

Im Ortsrat Mitte-West hingegen ist man schon einen Schritt weiter. In einem gemeinsamen Antrag habe sich die Fraktionen dafür ausgesprochen, dass die Verwaltung ein Konzept zum Gedenken am Ort des alten KZ Laagberg erarbeiten solle – unter Einbeziehung der Stele, die dort schon heute auf das Zwangsarbeiterlager hinweist. Ausgearbeitet wurde der Antrag von Sandra Hinz von den Linken.

Diesen Wunsch hat Adam Ciemniak, Fraktionssprecher der PUG Mitte-West, in einem Antwortbrief an den Präsidenten der Opfervereinigung bekräftig. „Auch aus unserer Sicht ist dies ein historischer Ort, bei dem man die Chance nutzen sollte, um ihn zu besichtigen.“ Die Stele, die derzeit an dem Ort stehe, reiche der PUG nicht aus, um an das ehemalige Lager zu erinnern, betonte Adam Ciemniak.

Die genaue historische Einordnung der jetzt gefundenen Fundamente dürfte spannend werden. Denn das Gelände ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder unterschiedlich genutzt worden, wie Adam Ciemniak berichtet. So sei die komplette Fläche bis vor kurzem komplett bebaut gewesen. Dort, wo bald ein Supermarkt entstehen soll, standen zuvor ebenerdige Bungalows für Senioren, die sogenannte Teppichsiedlung. Zudem seien Teile der Baracken nach dem Krieg anderweitig genutzt worden, auch die Laagberg-Schule hatte hier ihren ersten Standort. Große Teile des ehemaligen Lagers seien von den 50er bis zu den 70er Jahren mit mehrgeschossigen Wohngebäuden bebaut worden.

In der Redaktion meldeten sich nach dem ersten Artikel über die Ausgrabungen mehrere Leser, die sich nicht vorstellen können, dass die jetzt freigelegten Fundamente wirklich zu den KZ-Baracken gehören. So sei zum Beispiel auf Fotos klar zu erkennen, dass die Umrisse der Fundamente nicht zu denen der damals aufgestellten Baracken passten.

Wie lange die Untersuchung der Fundamente noch dauern, ist derzeit nicht bekannt. klr/kno

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