So will der VfL Wolfsburg bis 2025 klimaneutral werden

Wolfsburg.  Geschäftsführer Meeske erklärt die Pläne: E-Autos für die Profis, Erdgas statt Fernwärme fürs Stadion, Belohnungen für klimabewusstes Anreisen.

Michael Meeske, VfL-Geschäftsführer, will die Wolfsburger in eine klimaneutrale Zukunft führen.

Michael Meeske, VfL-Geschäftsführer, will die Wolfsburger in eine klimaneutrale Zukunft führen.

Foto: Susanne Hübner, Susanne Huebner via www.imago-images.de / imago images/Hübner

Die sportlichen Ziele des VfL Wolfsburg sind hoch, aber nach dem Eindruck der vergangenen Wochen realistisch. Der Bundesligist will künftig wieder ein Dauergast auf internationaler Bühne sein. Der VfL hat sich allerdings auch andere Ziele gesetzt. Denn der Klub will bis 2025 klimaneutral sein . Geschäftsführer Michael Meeske (49) erklärt, wie der VfL das erreichen will.

Der VfL Wolfsburg will bis zum Jahr 2025 eine Netto-Null bei seinen Emissionen stehen haben. Wie wird das funktionieren, Michael Meeske?

Das funktioniert auf zweierlei Art und Weise: zum einen durch Reduktion, also durch Einsparungsmöglichkeiten, die wir vor Ort angehen. Darüber hinaus wird es aber ein paar Dinge geben, die wir nicht zweckmäßig reduzieren können, bei denen die Investitionen aktuell noch unverhältnismäßig hoch wären. Daher funktioniert es zum anderen durch Kompensation. Unsere zwei Pfade lauten also: Reduktion und Kompensation.

Können Sie Beispiele nennen, um die beiden Pfade greifbarer zu machen?

Emissionen bei Dienstreisen, die für unsere Mannschaften notwendig und systemimmanent sind, werden wir beispielsweise vorerst nicht reduzieren können. Das ist ein Fall fürs Kompensieren. Da werden wir Aufforstungsprojekte finanziell unterstützen. Wir wollen im besten Fall eine Mischung herbeiführen und sowohl in regionale Projekte investieren als auch in weiter entfernte. Eins ist aber dabei klar: Auf Sicht wird man mit der Aufforstung nicht weiterkommen, das betonen auch die Klimaforscher. Irgendwann braucht man die komplette Reduktion. Aber im ersten Schritt ist die Kompensation sicherlich ein guter Weg.

Was kann und will der VfL reduzieren?

Wir haben bereits rund um Ökostrom und LED-Beleuchtung substanzielle Einsparungen erreicht, werden im nächsten Schritt die Fernwärme in der Arena auf klimafreundlicheres Erdgas umstellen. Das ist schon ein recht großer Hebel und wird unseren CO2-Fußabdruck deutlich verkleinern. Wir werden zudem die Firmenfahrzeuge auf E-Autos umstellen. Dazu werden am VfL-Center mindestens 20 Ladestationen entstehen. Danach sollen auch die Dienstwagen der Spielerinnen und Spieler auf E-Autos umgestellt werden.

Welche weiteren Hebel gibt es?

Es gibt natürlich noch viele kleinere Stellschrauben, eine könnte die Ausweitung veganer Speisen sein. Denn je mehr Menschen sich vegan ernähren, desto weniger CO2 fällt bei der Viehzucht und der Fleisch-Produktion an. Das ist global ein großer Treiber. Dazu streben wir Klimatickets an, über die Fans ihre eigene An- und Abreise CO2-neutral stellen können. Denn auch Fanmobilität ist in der CO2-Bilanz ein riesiger Punkt. Hier wollen wir eine klimafreundliche An- und Abreise fördern, zum Beispiel kann dies über besondere Park- und Lademöglichkeiten geschehen. Zudem werden wir Photovoltaik-Anlagen auf der Geschäftsstelle und dem AOK-Stadion errichten.

Es muss der Mix aus Kompensation und Reduktion her, weil längst nicht alles komplett abzustellen ist?

Ja, es gibt Themen wie Flugreisen zu weit entfernten Partien oder auch unsere Rasenheizung. Dinge, die für uns auf diesem Niveau betriebsnotwendig sind. Wenn man das noch infrage stellt, wird man auch den Fußball im Grundsatz infrage stellen müssen. Alle anderen größeren Sport- und Kulturthemen im Übrigen auch.

Nicht nur Volkswagen fährt eine E-Strategie, auch die Stadt ist sehr progressiv eingestellt, baut sich als Smart City um. Arbeiten Sie als VfL mit VW und Stadt zusammen?

Ja, ganz klar. Die Stadt und Volkswagen treiben das Thema schon länger voran, und wir freuen uns, dass Wechselwirkungen zwischen allen Beteiligten entstehen. Wir ergänzen uns alle drei gut und folgen der Strategie, weil wir davon überzeugt sind. Trotz der bereits erwähnten fußballspezifischen Herausforderungen – Rasenheizung, Flugreisen – macht es im Sport besonders Sinn, voranzugehen. Wir wollen zeigen, was alles auch bei nicht perfekten Rahmenbedingungen möglich ist und was man umsetzen kann.

Sie wollen als gesellschaftliches Vorbild dienen?

Der Fußball ist ein Schaufenster. Viele, viele Menschen beobachten uns. Und wenn wir die Botschaft verbreiten, dass der Klimaschutz eines der zentralen Themen der Menschheit ist, können wir hoffentlich auch viele andere Menschen überzeugen, sich möglichst nachhaltig zu verhalten.

Kritiker aus anderen Standorten könnten sagen: Klar, der VfL hat mit VW im Rücken und der Smart City Wolfsburg an der Seite einen klaren Vorteil.

Wir haben sicherlich ein anderes Momentum bei der Initiierung. Aber es sollte für keinen Fußball-Bundesligisten ein extremer finanzieller Aufwand sein, seine Geschäftsstelle mit E-Autos auszustatten. Das ist vermutlich eher ein organisatorischer als ein finanzieller Aufwand. Der Umbau der Fahrzeugflotte ist letztlich nur ein Austausch. Es wird aber auch bei uns sicherlich weiterhin Hybrid-Fahrzeuge geben. Ich denke beispielsweise an Scouts, die nachts noch 600 Kilometer nach Hause fahren müssen und für die Ladezeiten dann wirklich kritisch sein könnten.

Ist die Zeit schwierig, weil die Corona-Krise vielen Vereinen finanzielle Mittel nimmt?

Die Pandemie ist ein Faktor, keine Frage. Aber ich habe den Eindruck, dass die Corona-Krise auch einige Menschen dazu bringt, Grundlegendes infrage zu stellen. Wer in existenzieller Not ist oder elementare Probleme zu lösen hat, der wird kaum den Kopf frei haben, um sich darüber hinaus noch solch grundlegende Fragen des Lebens zu stellen. Aber meine Wahrnehmung ist, dass der Rest, der nicht so stark betroffen ist, das eigene Schaffen schon kritisch reflektiert und Dinge anpackt. Das kann etwas Positives im Negativen sein.

Was passiert, wenn Sie Ihre ambitionierten Ziele doch nicht erreichen?

Wir haben uns keinen Sanktionskatalog herausgearbeitet (lacht). Aber allein dadurch, dass wir unsere Pläne öffentlich proklamieren und davon ausgehen, dass wir spätestens 2025 daran erinnert werden, haben wir uns ein Korsett gegeben – sehr bewusst übrigens. Ich finde es gut, mit einem konkreten Ziel in die Öffentlichkeit zu gehen. Nicht nur, um sich selbst zu zwingen, sondern um auch das Bewusstsein stärker auf die Veränderungen zu lenken, die gemacht werden müssen.

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