Grizzlys-Aus und -Rettung an einem Tag

Wolfsburg  Marke VW hat dem Wolfsburger Eishockey-Klub die Nachricht vom Sponsoring-Ende schon überbracht, als der Konzern sie widerruft.

Fast wär es vorbei gewesen. VW hatte bereits das Sponsoring-Aus bekanntgegeben. Dann aber verfügte der Konzernvorstand die Fortsetzung.

Foto: R24/Simka

Fast wär es vorbei gewesen. VW hatte bereits das Sponsoring-Aus bekanntgegeben. Dann aber verfügte der Konzernvorstand die Fortsetzung. Foto: R24/Simka

An einem seidenen Faden hing die eigentlich vorerst gerettet scheinende Zukunft der Grizzlys Wolfsburg. Nicht das erste Mal in seiner Klubgeschichte stand der Eishockey-Erstligist auf dem Prüfstand von Hauptsponsor VW. Aber so knapp wie gestern entging er wohl noch nie dem Aus. Der 21. November 2016 wäre fast als Todestag des Vizemeisters in die Annalen eingegangen.

Selbst die Chronologie der Ereignisse lässt die Brisanz nur erahnen, die möglicherweise schon seit Wochen in der und ringsum die Eis-Arena geherrscht hatte. Seit der von der Abgas-Affäre krisengeplagte VW-Konzern vor Weihnachten 2015 sein Weitermachen signalisiert hatte, galten die Grizzlys als gerettet. Grundsätzlich änderte daran auch nichts die im Mai 2016 durchgesickerte Nachricht, dass VW innerhalb einer Vier-Jahres-Vereinbarung jährlich sein Sponsoring um eine sechsstellige Summe im mittleren Bereich senken werde. Sportlich startete das Team so gut wie selten zuvor, war kurzzeitig sogar Tabellenführer der DEL.

Doch parallel muss es intensive und dramatische Gespräche zwischen Sponsor und Klubgremien gegeben haben, in denen ein Aus knallhart diskutiert worden war. Gestern Morgen jedenfalls stand das nach Informationen unserer Zeitung faktisch schon fest. Wie mehrere Quellen übereinstimmend berichteten, soll auch der Klub schon intern Mitarbeiter von der VW-Entscheidung, das Sponsoring zum Saisonende einzustellen, in Kenntnis gesetzt haben. Offenbar war die Vier-Jahres-Vereinbarung kein so bindender Vertrag zwischen Klub und Marke VW, wie es zuvor den Anschein gehabt hatte.

Doch noch am Vormittag gab es eine nicht mehr für möglich gehaltene Kehrtwende. Demnach soll der VW-Konzernvorstand die bereits überbrachte Entscheidung widerrufen haben. Auch hier lässt sich über die Hintergründe nur mutmaßen. So viel ist aber sicher: Gegen den Willen des VW-Chefs Matthias Müller wäre die Kehrtwende nicht möglich gewesen.

Und Fakt ist auch: Die im Sommer zum Grizzlys-Partner bestimmte Kernmarke VW steht aufgrund der Krise unter enormem Kostendruck. Unter anderem fiel deshalb bereits der Rallyesport dem Rotstift zum Opfer. Auch die Grizzlys waren offenbar als Einsparung auserkoren und wären nach dieser Saison Vergangenheit gewesen – wenn nicht in letzter Sekunde irgendetwas oder irgendwer den Konzern zum Umdenken und Einspringen bewogen hätte. Um die Mittagszeit soll diese zweite Nachricht die Grizzlys-Geschäftsstelle in der Eis-Arena erreicht haben.

Eine offizielle Bestätigung zum Ablauf gibt es von keiner Seite. Am Abend gab die VW-Konzernkommunikation auf Anfrage unserer Zeitung immerhin ein kurzes Statement heraus. „Volkswagen Pkw beendet zum Saisonende sein Sponsoring bei den Grizzlys Wolfsburg. Hintergrund ist, dass die Automarke angesichts der großen Herausforderungen, vor denen sie aktuell steht, ihr Engagement im Sport weiter strafft. Dabei wird sie sich auf Partnerschaften konzentrieren, die sich mit der Marken- und Sponsoringstrategie des Unternehmens decken“, teilte Gerd Voss, Leiter Sportkommunikation mit.

VW hört auf, VW übernimmt. Denn weiter hieß es in der Mitteilung: „Da die Grizzlys aber einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität der Stadt Wolfsburg und somit des Standorts der Volkswagen AG leisten, übernimmt der Konzern ab der kommenden Saison die Partnerschaft.“

Im Grunde sind die Grizzlys innerhalb des VW-Konzerns nun wieder da angesiedelt, wo sie es vor dem Wechsel im Sommer viele Jahre waren. Offenbar in der aktuellen Situation ein großer Vorteil für den Klub. Detlef Wittig, selbst einst VW-Topmanager und schon seit 2004 Aufsichtsratsvorsitzender der Grizzlys, zeigte sich am Abend jedenfalls erleichtert. „Es geht weiter, das ist eine positive Entscheidung, über die wir sehr froh sind“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sieht die Zusammenarbeit sogar noch gefestigt: „Wir gehen davon aus, dass es langfristig weitergeht.“

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Sieg auf dünnem Eis

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