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VW-Betriebsrat: Bis zu acht Listen treten gegen Cavallo an

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Zuletzt schlug Daniela Cavallo einen schärferen Ton gegenüber Vorstandschef Herbert Diess an. Ihre Kritiker sehen dennoch Defizite beim Kampf um die Zukunft des Wolfsburger Stammwerkes.

Zuletzt schlug Daniela Cavallo einen schärferen Ton gegenüber Vorstandschef Herbert Diess an. Ihre Kritiker sehen dennoch Defizite beim Kampf um die Zukunft des Wolfsburger Stammwerkes.

Foto: Betriebsrat / VW

Wolfsburg.  Das gab es noch nie in Wolfsburg: Enttäuschte Metaller bekennen Farbe und treten offen gegen die Liste der Betriebsratschefin an.

Die Betriebsratswahl bei VW im nächsten März verspricht so spannend zu werden, wie keine andere Abstimmung zuvor in der jüngeren Geschichte des Mitbestimmungs-Gremiums. Bis zu acht Listen oder Einzelkandidaten treten im Wolfsburger Stammwerk zum Kampf um die 73 Betriebsratsposten an. Fünf Tage wird die Wahl diesmal dauern, was der Coronapandemie geschuldet ist. Neben der dominierenden Liste der IG Metall um die Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Daniela Cavallo treten drei weitere Listen an, bei deren Initiatoren es sich um enttäuschte und kritische IG Metaller handelt. Der bekannteste unter ihnen ist der hohe ehemalige Metaller- und Betriebsratsfunktionär Frank Patta („Die andere Liste“). Aber auch Norbert Lem und Michael Maginski (Liste: „Wir für Euch“) waren wie Patta Mitglieder des aktuellen Betriebsrates auf der Metaller-Liste. Auch sie haben sich dazu entschlossen, nicht mehr für Cavallos Fraktion anzutreten. Patta, Lem und Maginski wurden daraufhin aus der Fraktion ausgeschlossen. Ihre Betreuungsbereiche im Wolfsburger Stammwerk wurden ihnen weggenommen.

Norbert Lem: Viele stehen hinter dem Kurs von Konzernchef Diess

Während Patta vor allem die Standortpolitik des Betriebsrates für das Stammwerk und fehlende Transparenz kritisiert hatte, haben Lem und Maginski sich anders positioniert. In einem Brief, der unter anderem an die VW-Hauptaktionäre der Familien Porsche und Piëch sowie an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) adressiert war, kritisierten sie die Betriebsratsspitze um die Vorsitzende Cavallo scharf. Man wolle die Großeigentümer „aus gegebenem Anlass“ darauf aufmerksam machen, dass man den „rufschädigenden und Aktienkurs-beeinflussenden Irrweg des aktuellen Betriebsrates nicht mehr mittragen“ könne. Dabei geht es ihnen vor allem um den Umgang mit Vorstand Herbert Diess. Es werde der Eindruck erweckt, der Betriebsrat stehe nicht hinter dem Konzernchef - das sei „in weiten Teilen negativ konstruiert“. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Lem, dass gewisse Kreise den Konzernchef so schnell wie möglich abgelöst sehen wollen. „Aber der Rückhalt für Diess ist auch bei vielen Mitarbeitern durchaus hoch, und viele finden seinen Kurs richtig“, sagte Lem. Die Kritik an Diess werde zu pauschal dargestellt. Die Gründer der Liste „Wir für Euch“ wollen bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr 2022 gegen die IG-Metall-Fraktion antreten. Bislang hat sie neun Frauen und Männer für eine Kandidatur gewonnen.

Die Wahl könnte diesmal sehr spannend werden

Frank Patta soll auf seiner Liste 15 Kandidaten und Kandidatinnen versammelt haben. Bislang stärkste Oppositionskraft im Wolfsburger Betriebsrat ist die Gruppierung MIG 18. Ihr Gründer Antonino Potalivo hatte seine Liste vor 15 Jahren aus Protest gegen die Verstrickungen der damaligen VW-Betriebsratsspitze um Klaus Volkert in den Korruptionsskandal um begünstigte Arbeitnehmervertreter gegründet. Mit der Christlichen Gewerkschaft Metall (3 Sitze) und dem Einzelkandidaten Dirk Böse gibt es derzeit insgesamt 9 Oppositionelle in dem Gremium, das von 65 Vertretern/innen der IG Metall dominiert wird. Bislang arbeiten die Oppositionsgruppen nicht zusammen. Im neuen Betriebsrat könnten sich aber Konstellationen für Koalitionen ergeben. Je nach Wahlausgang könnte es dann Vertretern der Opposition erstmals gelingen, einen der wichtigen Koordinierungsposten für einen Bereich im Werk zu ergattern. Für Cavallo ist es die erste Betriebsratswahl als Spitzenkandidatin. Sie war von den internen Gremien im Frühjahr zur Nachfolgerin von Bernd Osterloh gewählt worden, der ins Volkswagen-Management gewechselt war. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.

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