VW/Wolfsburg

VW-Betriebsräte der MIG 18 stellen die Bonusfrage

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Auch die Produktion des Volumenmodells Golf 8 wurde stark von den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie beeinträchtigt.

Auch die Produktion des Volumenmodells Golf 8 wurde stark von den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie beeinträchtigt.

Foto: Kai-Uwe Knoth/Volkswagen AG

Wolfsburg.  Zwei schlechte Geschäftsjahre in Folge könnten den Anteil der Tarifbeschäftigten erheblich drücken, befürchten die Betriebsräte.

Welche Auswirkungen wird die durch Corona und den Halbleitermangel stark beeinträchtigte Produktion der Kernmarke VW auf den Jahresbonus der Tarifangestellten haben? Diese Frage wirft jetzt die Betriebsratsgruppe MIG 18 auf. Der Bonus ist an die Ergebnisse der Marke in den beiden zurückliegenden Jahren gekoppelt. Auch 2020 war bereits von den Folgen der weltweiten Pandemie und den Produktions- und Versorgungseinschränkungen geprägt. Die mit fünf Mitgliedern im Betriebsrat vertretene Liste um Antonino Potalivo befürchtet, dass der Bonus mager ausfallen wird.

Zuletzt gab es 2700 Euro

Im Frühjahr hatte es die Ausschüttung unter Betrachtung der beiden Geschäftsjahre 2019 und 2020 gegeben. Die Tarifmitarbeiter der Volkswagen AG erhielten einen Tarifbonus in Höhe von insgesamt 2700 Euro. Darin enthalten war die Novembervorauszahlung in Höhe von 1690,50 Euro. „Dass diese Erfolgsbeteiligung überhaupt fließt, ist aber ein großer Erfolg. Denn VW Pkw und VW Nutzfahrzeuge litten im vergangenen Geschäftsjahr unter massiven Gewinneinbrüchen“, hieß es dazu in einem Informationsblatt des Betriebsrates. Gemeinsam mit Personalvorstand Gunnar Killian sei es gelungen, den Restbetrag auf 1000 Euro aufzustocken. Rein rechnerisch hätte es hingegen gar keinen Spielraum für eine Aufstockung gegeben, betonte der damals noch amtierende Betriebsratschef Bernd Osterloh. Vor allem 2020 hatte sich wegen des Lockdowns im April und der nur schleppenden Erholung des Marktes bereits negativ auf das Ergebnis ausgewirkt. Dieses Jahr entwickelte sich noch negativer, da trotz hoher Bestelleingänge wegen des Chipmangels nicht annähernd so viele Golf, Tiguan und Touran gebaut werden konnten wie in normalen Jahren. Wesentlich befriedigender verlief der Absatz von Elektroautos, die derzeit in Deutschland von der Volkswagen Sachsen GmbH in Zwickau und Dresden gebaut werden.

„Wir in Wolfsburg werden uns die Augen reiben“

Das Ergebnis aus den beiden harten Coronajahren 2020 und 2021 könnte deshalb nach Ansicht der MIG 18 dafür sorgen, dass „wir uns hier in Wolfsburg im nächsten Frühjahr wieder die Augen reiben und uns wundern, wie Audi und Porsche es schaffen, höhere Boni als wir zu erwirtschaften“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dass darin eine betriebswirtschaftliche Logik liegt, leugnet die Liste nicht. „Ja, wir wissen auch, dass die Kunden von Audi und Porsche bereit sind höhere Preise zu zahlen. Und aus Sicht des Unternehmens macht diese Verteilung dann auch wirtschaftlich Sinn. Aber wir von der MIG sind nicht von der Unternehmensleitung gewählt worden, sondern von der Belegschaft. Und die Belegschaft von VW gerät hierbei ins Hintertreffen. Gerade weil der Halbleitermangel lange Schatten wirft, braucht es im Vorfeld langfristige Verabredungen, die für die Kollegen dann auch Planungssicherheit für das nächste Jahr bedeuten. Wir haben schon 2012 eine Umstellung auf mehrere Jahre als Grundlage zur Bonusberechnung gefordert. Die darauf folgende Umsetzung und Beschränkung auf zwei Jahre sorgt heute für die kläglichen Beträge, die uns jedes Jahr als Erfolg des Verhandlungsführers verkauft wurden. Aus demselben Jahr stammt unsere Forderung unseren Bonus an den der Manager und Tarifplus-Kollegen zu koppeln. Da hätte man sich als normaler Kollege ganz und gar auf den Willen zum Erfolg und die Durchsetzungskraft für einen hohen Bonus verlassen können“, heißt es in der Mitteilung.

Die Verteilung der Halbleiter ist ungerecht

MIG 18-Betriebsrat Georg Guder kritisiert: „Wenn durch die ungerechte Verteilung von Halbleitern in Wolfsburg ein Minus, bei Porsche aber ein Plus herauskommt, dann darf nicht vergessen werden, dass der Erfolg dort mit einer Entscheidung der Unternehmensleitung zusammenhängt. Die selben Entscheidungsträger müssen sich mit der Bonusfrage auseinandersetzen.“ Sein Kollege Andre Leusmann ergänzt: „Das hier ist eine besondere Situation, da bedarf es auch besonderer Maßnahmen. Die Tarifpartner, das heißt die IG Metall und die Unternehmensleitung, müssen sich sehr zeitnah an einen Tisch setzen und der dramatischen Auswirkungen auf unseren Bonus mit einer Sonderregelung für das nächste Jahr begegnen“ Matthias Witt, ebenfalls für die MIG18 im VW-Betriebsrat, konstatiert: „Unsere Kolleginnen und Kollegen verkraften hier nicht nur die Pandemie-Folgen, sie sehen sich auch täglich einer Arbeitsverdichtung und dem ohnehin schon sehr hohen Stresspegel ausgesetzt. Die in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlichen Boni weisen auf eine Gerechtigkeitslücke hin, die unbedingt geschlossen werden muss.“ red/tok

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