„Englisch ist für die meisten hier eine Fremdsprache“

Wolfsburg  Betriebsratschef Bernd Osterloh kritisiert die Umsetzung des Blessing-Vorschlages.

Bernd Osterloh fand deutliche Worte bezüglich des Vorschlags von Personalvorstand Blessing.

Bernd Osterloh fand deutliche Worte bezüglich des Vorschlags von Personalvorstand Blessing.

Foto: VW-BR/Delikan

Das ist mal eine Ansage von Betriebsratschef Bernd Osterloh. Auf der jüngsten Betriebsversammlung wandte er sich an den Vorstand und sagte: „Nehmen Sie zur Kenntnis, dass Englisch für die meisten hier eine Fremdsprache ist. Selbst viele Führungskräfte sind im Englischen nicht verhandlungssicher.“ Damit konterte Osterloh ziemlich deutlich die Ankündigung von Konzern-Personalvorstand Karlheinz Blessing vom Dezember 2016 . Das habe für „mehr Unruhe als Klarheit“ gesorgt, legte Osterloh nun im Informationsblatt „Mitbestimmen“ nach.

Er spricht damit wahrscheinlich viele Beschäftigten aus der Seele. Blessing hat zwar öffentlich nicht präzisiert, wer wann wo und in welchen Situationen Englisch sprechen soll. Aber die Realität führt laut Osterloh offenbar zu eher babylonischen Sprachverwirrungen. Zudem, so der harte Kern der Kritik, sei eine solche Entscheidung auch grundsätzlich mitbestimmungspflichtig, beruft der Betriebsratsvorsitzende sich auf „mehr als ein juristische Urteil“. Das habe er dem Vorstand nun auch brieflich mitgeteilt.

Osterloh zeigt klare Kante. Auch der Betriebsrat habe nichts gegen Internationalität und vielfältige Perspektiven. Aber: Besprechungen, in denen die Hälfte der Mannschaft nichts verstehe, könne man sich sparen. „Hinzu kommt, dass Volkswagen in Brasilien, Südafrika oder China Kolleginnen und Kollegen Deutschkurse hat absolvieren lassen. Und jetzt dreht man das Rad plötzlich klammheimlich weiter“, lautet ein weiterer Kritikpunkt Osterlohs.

Englisch sei für die allermeisten Beschäftigten bei Volkswagen nicht die Muttersprache, so der Betriebsratschef. Das müsse man berücksichtigen. „Es kann jedenfalls nicht Ziel sein, dass schlechtes Englisch künftig bei Volkswagen dominiert. Das ist im schlimmsten Fall auch schnell die Quelle für Ausgrenzungen und Missverständnisse, die das Unternehmen teuer zu stehen kommen könnten“, erläutert der oberste Arbeitnehmervertreter seinen Standpunkt.

Weil ein erstes Antwortschreiben des Unternehmens auf den Brief des Betriebsrates wenig aussagekräftig gewesen sei, fand Osterloh auf der Betriebsversammlung noch einmal deutliche Worte: „Wir erwarten, dass wir zu ,Englisch als Konzernsprache‘ kurzfristig klare Spielregeln vereinbaren. Und zwar bis spätestens Ende März“, heißt es in dem Beitrag in der „Mitbestimmen“.

Zu den angedrohten juristischen Mitteln muss es nun aber wohl nicht kommen. Das Unternehmen, so Osterloh, habe sich nunmehr bereiterklärt, die offenen Fragen zu diesem Thema mit dem Betriebsrat zu klären.

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