„Trennung von Dr. Grieger ist ein Skandal“

Wolfsburg  In einem offenen Brief geht der ehemalige VW-Betriebsratsvorsitzende Walter Hiller scharf ins Gericht mit dem VW-Management.

Walter Hiller.

Foto: regios24/H.L.

Walter Hiller. Foto: regios24/H.L.

Vor einer Woche trennten sich die Wege von Volkswagen und Chefhistoriker Dr. Manfred Grieger, der bis dahin die Historische Kommunikation des Unternehmens leitete. Das Thema bewegte viele Leser. Auch der Betriebsrat kritisierte die Personalie. Eine offene Debatte in der Wolfsburger Politik blieb indes aus. Nun meldet sich der ehemalige VW-Betriebsratsvorsitzende Walter Hiller mit einem offenen Brief zu Wort, den er unter anderem auch an Bernd Osterloh, den amtierenden Vorsitzenden des VW-Gesamtbetriebsrates, schickte. Wir drucken ihn an dieser Stelle ab.

„Die Trennung von Dr. Grieger und das Verhalten und Denken dieser Funktionselite des Vorstands muss in einem größeren und politischen Zusammenhang gesehen werden. Dr. Grieger war für sie ein Repräsentant einer aufgeschlossenen und transparenten Politik, die ihre Kreise stört. Scheinbar glauben sie nach dem Leitbild einer autoritären Führung handeln zu können, wie das in der frühen Zeit des Kapitalismus und insbesondere in der Zeit der Nazi-Diktatur üblich war. Wahrheit, Aufklärung, Lehren aus der Geschichte ziehen, wie das in dem wissenschaftlich unabhängigen Buch von Mommsen/Grieger aufgezeigt wird und bei der Geschichtsklitterung der „Auto Union“ nicht stattgefunden hat, muss einem renommierten Wissenschaftler wie Dr. Grieger nicht nur erlaubt sein, sondern es ist seine Pflicht und Verantwortung, im Sinne der Aufklärung und Wahrheit, unzensiert, auch für die Öffentlichkeit, deutlich zu machen, was in der damaligen Zeit wirklich geschehen ist und wer dafür verantwortlich war. Wie anders sollte man sonst aus der Geschichte lernen?

In diesem Sinne, wie zu hören war, von Nestbeschmutzung zu reden und sich in Konsequenz vom Verkünder einer Wahrheit zu trennen, haut dem Fass den Boden aus.

Die Trennung von Dr. Grieger ist ein Skandal, der nicht hingenommen werden darf. Hier gilt die allgemeingültige These: Wehret den Anfängen! Wer sich so verhält, dem ist auch zuzutrauen, dass zu einem gegebenen Zeitpunkt das Unternehmensarchiv entsorgt und dichtgemacht wird.

Dieser Vorgang ist von hoher politischer Brisanz. Deshalb sind die Mitglieder des Aufsichtsrats der IG Metall und des Landes Niedersachsen entsprechend zu informieren. Sie haben diesen Vorgang nicht nur bedauernd zur Kenntnis zu nehmen, sondern sie sind gut beraten, dafür zu sorgen, dass Herr Grieger seine hervorragende Arbeit als unabhängiger Wissenschaftler fortsetzen kann.“

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