Löwen im Wappen

Wolfsburg gehört zu den wappenreichsten Städten

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Links das Neuhäuser Wappen (von 1953), rechts das Wappen von Reislingen (von 1978).                

Links das Neuhäuser Wappen (von 1953), rechts das Wappen von Reislingen (von 1978).                

Foto: Archiv Rohde

Die Neuhäuser führen bis heute nicht etwa den Wolf im Schilde; nein, sie haben ihr Wappenbild ganz auf den Löwen ausgerichtet.

Hinter jedem Wappenbild steckt viel Geschichtliches, ja sogar manch interessante Geschichte. Die mit dem Wolfsburger Wappentier Wolf, die kenne wir ja zur Genüge. Dass aber Wolfsburg mit seinen 20 eingemeindeten Stadt- und Ortsteilen zu den wappenreichsten Städten und Gemeinden gehört, das wissen viele gar nicht. Als Beispiel sollen hier die beiden Ortsteile Neuhaus und Reisligen stehen.

Beim Wolfsburger Wappen thront der Wolf über den Eingang des Schlosses. Auf den Schlosszinnen harrt er aus, der „blaubezungte, zurückblickende Wolf, nach rechts schreitend“. So liest man es bei den Heraldikern, den Wappenkundlern. Aber wir springen zurück in die beiden Ortsteile. Neuhaus und Reislingen sind nämlich keineswegs Wolfs-Freunde. Sie verehren ein anderes Wappentier.

Eigentlich kommt der Löwe im Wappen aus… England

Schauen wir mal in die Nachbarstadt Braunschweig. Genau, es ist der bekannte Löwe. Siehe da, die Braunschweiger, die in der Vergangenheit oft den Fehdehandschuh gegen die Wolfsburger Schlossherren ergriffen hatten, haben noch heute einen Fuß in der Wolfs-Stadt. Aber das ist eine
andere, lange „Geschichte“. Kürzen wir sie ab.

Die Braunschweiger haben in dieser Stadt schon seit dem 12. und 13. Jahrhundert manche Spuren hinterlassen. Sie haben sich sogar in Neuhaus als Burgbauer (1372) betätigt. Sozusagen als Gegenfestung gegen die Wolfsburger und Vorsfelder mit ihren Burgen. Später heimsten die Braunschweiger das Ländchen Vorsfelder Werder mitsamt dem Städtchen und weitere Orte ein. Nicht genug damit, sie waren es auch, die ihren Löwen hierher importierten.

Die Neuhäuser führen bis heute nicht etwa den Wolf im Schilde; nein, sie haben ihr Wappenbild ganz auf den Löwen ausgerichtet. Als einstiger Braunschweiger Landesteil kam das ihnen auch zu. Aber die Geschichte führt uns wieder zurück. Denn eigentlich kommt der Löwe im Wappen aus… England.

Reislingen gehörte viele Jahrhunderte zum Herzogtum Braunschweig

Das lag wiederum an Heinrich dem Löwen. Besser gesagt, an seiner englischen Frau Mathilde. Sie sprach sich für den englischen Löwen aus. So erhielt Neuhaus das braunschweigische Wappentier. Die Welfen „minderten“ einfach die drei englischen Löwen auf zwei. Drei Löwen blieben schließlich der englischen Königin vorbehalten, beschreibt es der Wappenkundler Arnold Rabbow. Rabbow hat übrigens akribisch alle Wolfsburger Wappen in einem Buch festgehalten und erklärt.

Beim Ortsteil Reislingen war es ähnlich. Hier ist der Nachkomme des englischen Löwens ein Einzelexemplar. Wie es dazu kommt? Reislingen gehörte viele Jahrhunderte zum Herzogtum Braunschweig; sozusagen ein Lehen aus dem Jahr 1239. Daran erinnert auch eine der drei Wappenrosen des Esebeckers Ritter Friedrich. Die zwei Ähren auf dem Reislinger Wappen werden als Hinweis auf die (einst) rege Landwirtschaft gedeutet.

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