Heimatpflege

Fallersleber Häuser, deren Geschichte erzählt werden sollte

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Noch ist Bärbel Weist Ortsbürgermeisterin in Fallersleben. Doch als Heimatpflegerin will sie in Zukunft die historischen Gebäude der Altstadt mitsamt ihrer Geschichte archivieren.

Noch ist Bärbel Weist Ortsbürgermeisterin in Fallersleben. Doch als Heimatpflegerin will sie in Zukunft die historischen Gebäude der Altstadt mitsamt ihrer Geschichte archivieren.

Foto: Helge Landmann / regios24

Fallersleben.  Dafür nimmt die scheidende Ortsbürgermeisterin Bärbel Weist als Heimatpflegerin die historischen Gebäude in der Altstadt ins Visier.

Kaum neigt sich ihre Amtszeit als Ortsbürgermeisterin ihrem Ende, hat Bärbel Weist ein neues Großprojekt vor der Brust. In ihrem Amt als Heimatpflegerin will sie die historischen Gebäude in der Altstadt mitsamt Details zu früherer Nutzung und Bewohnern archivieren. Die Ergebnisse sollen später in Vorträge oder spezielle Stadtführungen einfließen.

Sobald Weist Ende Oktober ihr Büro in der Verwaltungsstelle am Hofekamp geräumt hat, warten kistenweise Fotos darauf, von ihr nach Straßenzügen sortiert und archiviert zu werden. Das jeweils interessanteste Foto soll zudem gerahmt werden. Zudem schreibt sie nieder, was sie über die teils wechselvolle Geschichte jedes Hauses in Erfahrung bringen kann. „Das Projekt ist viel umfangreicher als gedacht, kostet unendlich Zeit, macht aber viel Freude“, berichtet Weist.

Möglich seien Vorträge oder Stadtführungen

Auf die Idee dazu hatte sie ein Redner gebracht, der davon sprach, dass man in Fallersleben keine Hausnummern bräuchte, weil jedes seine Geschichte habe. „Seitdem hatte ich im Hinterkopf, dass ich die häufig facettenreichen Geschichten der Häuser erzählen möchte“, erklärt Weist. „Ab November werde ich wohl richtig loslegen.“

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In welcher Form sie die Fotos und ihr Wissen darüber, was sich über Jahrhunderte hinter den Türen der rund 120 Häuser abgespielt hat, mit der Öffentlichkeit teilen wird, darüber denkt die Fallersleberin noch nach. „Aus dieser Arbeit ließen sich Vorträge sowie Stadtführungen entwickeln“, sagt sie. „Letzteres wäre

auch speziell für Kinder denkbar, denen man die spannende Geschichte bestimmter Häuser erzählen könnte.“

Weist hat schon viele Geschichten zusammengetragen

Davon hat die Fallersleberin viele zusammengetragen. Etwa von den Umweltsünden einer Färberei, die ihre Abwässer vor hunderten Jahren in den Schlossteich geleitet hatte, oder dem Pfarrwitwenhaus in der Westerstraße, in dem nie eine Pfarrwitwe wohnte. Facettenreich ist die Geschichte des ehemaligen „Freyhauses“, in dem heute die Osterloh-Apotheke residiert und in dessen Garten sich einst ein Friedhof befand.

Spannend klingt auch die Geschichte des Fachwerkhauses Marktstraße 15, das man in der Hoffmannstadt als „Engelschen Hof“ kennt. Dort war ein Bürgermeister zu Hause, der bereits mit 31 Jahren verstarb. Dessen lose Lebensführung veranlasste den Superintendenten bei der Trauerrede zu der überlieferten Feststellung: „Wie das Leben, so das Ende.“

Mal steht die Architektur, mal der Mensch im Vordergrund

Bei einem Vortrag oder einer Führung könnte Weist auch über eine starke Frau berichten, die um 1766 im „Walterschen Eckhaus“ in der Bahnhofstraße 14 zu Hause war. Elisabeth Warnecke opponierte damals

gegen den Bürgermeister und landete dafür 48 Stunden hinter Gittern. „Es gibt schon allerhand komische und viele facettenreiche Geschichten zu erzählen“, berichtet Weist.

Je nach dem was sich hinter den Mauern abgespielt hat, stellt sie in ihrer Bestandsaufnahme mal die Architektur und mal die Menschen in den Mittelpunkt. Mit greifbaren Ergebnissen wird sie sich wohl im Laufe des kommenden Jahres melden.

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