Unfall in Wolfsburg

Schrottete Wolfsburger Polizist sein Auto bei illegalem Rennen?

Lesedauer: 3 Minuten
Vom Unfall am Dienstagabend an der VW-Arena kursiert in den sozialen Medien ein Video. Es zeigt die Hochgeschwindigkeitsfahrt und am Ende den zerstörten Sportwagen

Vom Unfall am Dienstagabend an der VW-Arena kursiert in den sozialen Medien ein Video. Es zeigt die Hochgeschwindigkeitsfahrt und am Ende den zerstörten Sportwagen

Foto: Privat

Wolfsburg.  60.000 Euro Schaden: Der 22-Jährige zerstörte seinen Sportwagen an der VW-Arena. Gegen ihn laufen nun Ermittlungen.

Wenn es Nacht wird in der Stadt, schlägt die Stunde der irren PS-Helden. Sie meinen, sie hätten ihre Boliden unter Kontrolle. Was für eine Fehleinschätzung. Erst Samstagabend crashten sich gegenseitig am Tor Ost ein Audi – am Steuer ein 19-Jähriger – und ein Passat mit einem 20-Jährigen darin. Dienstagabend setzte ein 22-Jähriger einen drauf: An der VW-Arena setzte er seinen US-Sportwagen gegen einen Baum und einen Zaun – 60.000 Euro Schaden.

Teilnahme am illegalen Rennen ist eine Straftat – der Polizist setzte damit wohl seinen Job aufs Spiel

Und nun die Krönung: Der Fahrer ist ein Polizist! Gegen ihn wurden zunächst strafrechtliche Ermittlungen wegen der mutmaßlichen Teilnahme an einem illegalen Straßenrennen eingeleitet. Sollte er überführt werden, wird das für ihn harte disziplinarrechtliche Folgen haben: Das Dienstverhältnis dürfte wohl enden.

Für seinen Noch-Arbeitgeber dürfte dieser Vorfall extrem unangenehm sein. Die Polizei Wolfsburg hat die Szene seit 2016 ins Visier genommen. Damals wurde eine „Verkehrsprojektgruppe Tuning“ installiert mit immerhin zehn Mitgliedern. Um es klarzustellen: Nicht jeder, der an seinem Auto schraubt, um es individueller zu gestalten, tut damit etwas Illegales, und nicht jedes getunte Auto wird für illegale Rennen getrimmt.

Es fehlte nicht viel: 2020 erwischte es beinahe sechs junge Leute

Aber die Grenze – und da verrät man nun kann Geheimnis – scheint dabei sehr fließend zu sein, wenn man sich anschaut, was abends auf den VW-Parkplätzen oder an der Arena los ist. Aber nicht nur getunte Autos sind dort unterwegs, sondern alles, was vier oder zwei Räder hat. Das Motorengeheul ist vor allem an den Wochenenden die ganze Nacht durch in der Stadt zu hören.

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Es wirkt dabei wie ein Wunder, dass noch keiner dieser Fahrer und auch noch kein Unbeteiligter gestorben ist. Aber knapp war es schon einmal: 2020 driftete ein Führerscheinanfänger (18) mit fünf Begleitern in seinem Golf auf dem Oberdeck des Parkhauses VW Wache Ost. Er verlor die Kontrolle über das Auto, der Wagen durchbrach die Absperrung. Die Front ragte in 15 Metern Höhe über dem Abgrund, das rechte Hinterrad hing in der Luft. Das Auto war Schrott. Sein Strafverfahren wurde eingestellt – Driften sei eben kein Rasen.

Die Fans filmen – die Polizei sucht Zeugen

Auch der Kästorf-Crash war ein Drift-Unfall, wie man auf einen Video erkennt, das fleißig in Wolfsburg geteilt wurde. Als es knallt, johlen die Zuschauer, und der Kameramann freut sich: „Ich hab es gefilmt!“ Auch vom Unfall an der VW-Arena gibt es ein Video, unterlegt mit elektronischen Beats. Der junge Polizist kam nach dem Unfall kurzfristig ins Klinikum. Die Polizei sucht Zeugen (05361) 46460.

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