Wolfsburger Gastronomen: „Zugesagte Mittel kommen nicht an“

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Die Teilnehmer der digitalen Krisensitzung.

Die Teilnehmer der digitalen Krisensitzung.

Foto: Stadt Wolfsburg

Wolfsburg.  Vertreter der Wolfsburger Wirtschaft tauschen sich in einer digitalen Krisensitzung aus.

Bund und Länder haben sich zum Schutz vor Covid-19 auf einen bundesweiten Lockdown bis mindestens zum 10. Januar verständigt. Auch für die lokale Wirtschaft in Wolfsburg hat diese Maßnahme teils gravierende Auswirkungen. Erster Stadtrat und Wirtschaftsdezernent Dennis Weilmann hat am Dienstag zu einer digitalen Krisensitzung mit Branchenvertretern aus der Wolfsburger Wirtschaft eingeladen, wie die Stadt mittelt.

Ziel des Austauschs sei eine gemeinsame Einschätzung der Lage gewesen, die befürchteten Auswirkungen für die einzelnen Branchen zu erörtern sowie Lösungsansätze zu diskutieren.

„Teilweise sind die Umsätze um mehr als die Hälfte zurückgegangen“

Erster Stadtrat und Wirtschaftsdezernent Dennis Weilmann: „Die lokale Wirtschaft leidet bereits seit Monaten unter den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Durch den bevorstehenden Lockdown wird sich diese Situation noch deutlich verschärfen. Es gilt jetzt, die lokale Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen. Das wird eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Der Einzelhandel und die Gastronomie haben in den letzten Monaten mit ihren Hygienekonzepten einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geleistet.“

Michael Wilkens, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg: „Vielen Betrieben geht es schlecht. Teilweise sind die Umsätze um mehr als die Hälfte zurückgegangen, was zu Liquiditätsengpässen führt. Die Unterstützungsprogramme sind gut und wichtig, leider gibt es Probleme in der Abwicklung. Es braucht schnelle und unbürokratische Hilfe.“

Florian Hary, erster Vorsitzender des Dehoga-Bezirksverbands Land Braunschweig-Harz: „Erschwerend kommt hinzu, dass nicht absehbar ist, wann die angekündigten Dezemberhilfen beantragt werden können. In der Gastronomie und der Hotellerie sind derzeit Liquiditätsengpässe das größte Problem. Viele Betriebe wissen nicht, wie sie ihre Mitarbeiter*innen bezahlen sollen.“

Melanie Perricone, erste Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Region Wolfsburg-Helmstedt: „Die zugesagten Mittel kommen bei vielen Unternehmen nicht an, teilweise nur mit Abschlagszahlungen. Das führt zu Existenzängsten, für viele Betriebe wird es sehr eng werden.“

„Wenn der Lockdown noch deutlich länger andauert, wird das im Frühjahr vermehrt zu Insolvenzen führen“

Claudius Nitschke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg: „Im Handwerk sind die Auftragsbücher teils noch gut gefüllt, beispielsweise dem Bauhauptgewerbe und den Baunebengewerken. Schlechter sieht es für Bäckereien mit Cafébetrieb, Fleischereien mit Schwerpunkt
Catering und vor allem im Friseurhandwerk aus. Wenn der Lockdown noch deutlich länger andauert, wird das im Frühjahr vermehrt zu Insolvenzen führen.“

Michael Ernst, stellvertretender Vorsitzender des Vereins City Marketing Tourismus Wolfsburg: „Im Einzelhandel sind die Frequenzen enorm zurückgegangen. Im Jahr 2020 sind zulasten des lokalen Handels überproportionale Umsatzzuwächse im Onlinehandel zu verzeichnen. Gerade die inhaber- und familiengeführten Unternehmen werden das nicht überstehen. Neben den wichtigen Soforthilfen braucht es hier auch Unterstützung auf anderen Ebenen – beispielsweise könnten zusätzliche verkaufsoffene Sonntage im nächsten Jahr helfen.“

WMG-Geschäftsführer Jens Hofschröer appelliert: „Unterstützen Sie in dieser schwierigen Zeit die heimische Wirtschaft, beispielsweise indem Liefer- oder Abholdienste der Wolfsburger Geschäfte und Gastronomie genutzt werden. Der Online-Marktplatz der WMG (https://marktplatz.wmg-wolfsburg.de) bietet hierzu eine gute Übersicht. Auch mit einem Kauf des neuen Wolfsburger Stadtgutscheins, der ,WeCard‘ (https://wecard-wolfsburg.de), unterstützen Sie direkt die Wolfsburger Wirtschaft und schenken eine attraktive Auswahl Wolfsburger Angebote. Jetzt gekaufte Gutscheine können zur Wiedereröffnung bei zahlreichen Wolfsburger Einzelhändlern, Dienstleistern, Gastronomen wie auch Freizeit- und Kultureinrichtungen eingesetzt werden.

Die Runde habe sich darauf verständigt, ein gemeinsames Positionspapier zu erarbeiten. Der Austausch der Branchenvertreter mit dem Wirtschaftsdezernenten soll im Januar fortgesetzt werden, um die Auswirkungen des Lockdowns sowie die aktuelle Pandemielage zu erörtern und den guten, konstruktiven Austausch fortzusetzen.

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