VW-Vertrauensleute wittern Angriff auf die 35-Stunden-Woche

Wolfsburg.  Die nächsten Tarifverhandlungen könnten knallhart werden. Die Positionen liegen meilenweit auseinander.

Stefan Wolf, Vorsitzender des Verbandes Südwestmetall und designierter Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, sieht in der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie keinen Verteilungsspielraum. Das sehen die Gewerkschaften ganz anders.

Stefan Wolf, Vorsitzender des Verbandes Südwestmetall und designierter Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, sieht in der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie keinen Verteilungsspielraum. Das sehen die Gewerkschaften ganz anders.

Foto: Marijan Murat / dpa

Schon Monate vor Beginn der nächsten Tarifrunde zwischen IG Metall und Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie und Volkswagen wird die Stimmung gereizter. Dazu tragen nach Ansicht der Vertrauenskörperleitung der IG Metall bei Volkswagen (VKL) Aussagen des designierten Gesamtmetall-Chefs Stefan Wolf bei. Der Ex-Chef des Automobilzulieferers Elring-Klinger vertritt künftig die Interessen von 25.000 Mitgliedsbetrieben. Und die berufen sich darauf, dass in Coronazeiten keine großen Sprünge drin seien.

Zwei bis vier Stunden Mehrarbeit in der Woche – ohne Lohnausgleich

Laut Volkswagen-VKL fährt Wolf „schwere Geschütze auf“, indem er eine Erhöhung der Arbeitszeit als unausweichlich bezeichnet haben soll. „Er sieht eine Erhöhung von zwei bis vier Stunden pro Woche als einzige Alternative zur derzeitigen Lage an. Eine starre 35-Stunden-Woche passe nicht mehr in die Zeit. Die Wochenarbeitszeit muss je nach Auftragslage flexibel angepasst werden können. Gewerkschaften sollten weniger Mitsprache bei Abweichungen von Flächentarifverträgen erhalten. Lohnerhöhungen erteilte Herr Wolf in der jetzigen Zeit eine generelle Absage und fordert eine Nullrunde“, schreibt die VKL-Leitung in einem Infoblatt. Stand derzeit stehen die Zeichen auf Sturm. Denn die IG Metall fordert 4 Prozent mehr Entgelt in der Fläche und bei Volkswagen, Beschäftigungsgarantien und auch ein weiteres Entgegenkommen der Arbeitgeber bei der Umwandlung von Entgelt in freie Tage.

Osterloh: Das entbehrt jeder Grundlage – zumindest bei VW

In dem Infoblatt wird auch Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh zitiert. „Vier Stunden ohne Bezahlung. Das klingt ja fast so, als ob die Arbeitnehmer/innen noch Geld mitbringen müssen. Nun ist echt mal gut und das entbehrt jeder Grundlage, zumindest bei Volkswagen. Dazu noch der Verzicht auf das Weihnachtsgeld und die Schichtzuschläge. In Krisenzeiten benötigen wir Sicherheit, Stabilität und Wirtschaftlichkeit. Die letzte Entgelterhöhung war im Mai 2018, seitdem hat die Inflation um 3 Prozent zugelegt“, rechnet Osterloh vor.

Die Forderungen mit kreativen Ideen durchsetzen

Die Beschäftigten bei Volkswagen hätten in den letzten Monaten bewiesen, dass sie „auch unter schwierigen Bedingungen produktiv, innovativ und ausdauernd leistungsstark“ seien. Und deshalb, so Osterloh, „werden wir bei Volkswagen nicht auf eine spürbare Entgelterhöhung verzichten“. Auch die Sicherung der 1.400 Ausbildungsplätze stehe auf der Agenda. Um die Kampfbereitschaft von Gewerkschaften und Belegschaften steht es offenbar auch trotz der speziellen Coronalage gut. Osterloh kündigt jedenfalls schon mal an, dass man die eigenen Vorstellungen mit „kreativen Ideen“ durchsetzen wolle.

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