Pizzakartons & Co. werden auch in Wolfsburg oft wild entsorgt

Wolfsburg.  In der Corona-Krise verstopft Abfall von Wegwerf-Verpackungen verstärkt öffentliche Mülleimer. Ein Grund: Gaststätten dürfen nur außer Haus verkaufen.

Derzeit gängiges Bild nicht nur am Nordkopf: Mülleimer quellen über, Abfall liegt daneben.

Derzeit gängiges Bild nicht nur am Nordkopf: Mülleimer quellen über, Abfall liegt daneben.

Foto: Weber / rs24

Im ersten strikteren Corona-Lockdown im Frühjahr war das Problem noch nicht so virulent, doch spätestens seit Beginn des Teil-Lockdowns Anfang November ist es nicht mehr zu übersehen: In den Einkaufsstraßen, aber auch in Grünanlagen quellen die öffentlichen Mülleimer über vor lauter Pizzakartons, Burgerschachteln und Nudelboxen, hinzu kommen vermehrt Wegwerf-Kaffeebecher. Und wenn die Abfallkörbe voll sind, werden die Verpackungen auch schonmal einfach danebengelegt.

Unappetitliches Problem war Thema im Bauausschuss

Im Bauausschuss war das unappetitliche Problem kürzlich Thema: Eine Verwaltungsmitarbeiterin von zunehmender Vermüllung, die vermehrte Reinigungen und Mülleimer-Leerungen in öffentlichen Anlagen erforderlich mache. Bänke in Grünanlagen seien zurzeit sehr gefragt, um sich zu treffen.

Die Stadt und die Wolfsburger Abfallwirtschaft und Straßenreinigung (WAS) bemühten sich laut Grundstücks-Geschäftsbereichsleiterin Birgit Schulz um Ermittlungen. Als „Riesenproblem“ bezeichnete sie die Lage im Heinenkamp. Es werde versucht, die Abfall-Sünder zu ermitteln. Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide sagte, dass Grün-Mitarbeiter die Leute ansprechen würden, aber man könne nicht alles nachvollziehen.

Abfallmengen nehmen an diversen Stellen zu

Das Problem der Essensverpackungen resultiert aktuell vor allem daraus, dass Gaststätten wegen des Lockdowns geschlossen sind, aber Außer-Haus-Verkauf erlaubt ist. Das nutzen vor allem viele, die in der City arbeiten und sonst in den Lokalen essen. Und nun stattdessen ihren Müll draußen entsorgen.

Für die Stadt ist die ganze Problematik nicht neu: „Es ist auch grundsätzlich schon ein Problem, dass häufig Müll neben den Behältern landet und wieder eingesammelt werden muss“, berichtet Stadt-Sprecher Ralf Schmidt. Aufgrund der derzeitigen Situation nähmen die Mengen an diversen Stellen zu.

Müll wird einfach in Grünanlagen entsorgt

„Auffallend ist, dass Abfälle von Außer-Haus-Essen offensichtlich zugenommen haben. Genau beziffern lässt sich das allerdings nicht“, teilt Schmidt weiter mit. „Auffällig ist darüber hinaus, dass an vielen Stellen Müll einfach in den Grünanlagen entsorgt wird, weil der Weg zum nächsten Mülleimer anscheinend zu weit ist.“ Das Problem lasse sich mit mehr Müllbehältern nicht lösen, sondern nur mit einer Verhaltensänderung der Verursacher.

Der Stadt-Sprecher stellt klar: „Eine zeitnahe Beseitigung von Müll in Parks und Grünanlagen kann aktuell nur dann erfolgen, wenn der Geschäftsbereich Grün seine Kapazitäten, die eigentlich in der Grünpflege eingesetzt werden müssten, vermehrt auch mit Reinigungsaufgaben bindet. Weil die Kapazitäten an anderer Stelle dann fehlen würden, müsste das über vermehrte externe Vergaben ausgeglichen werden.“

To-Go-Verpackungen seit Jahren zunehmendes Problem in allen Kommunen

Laut WAS musste der Leerungszyklus der öffentlichen Abfallbehälter in der Wolfsburger, Fallersleber und Vorsfelder Innenstadt bisher nicht erhöht werden. Es falle zwar mehr volumiger Abfall an, zum Beispiel Wegwerf-Kaffeebecher, doch das könne noch normal mit abgearbeitet werden, berichtet Elke Wichmann von der Stadt-Pressestelle. Allerdings seien die Kosten für To-Go-Verpackungen seit Jahren ein zunehmendes Problem in allen Kommunen, „welches aber nichts mit der Corona-Pandemie zu tun hat, sondern jetzt vielleicht (endlich) mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerät“.

Das Müllaufkommen zeige von Januar bis Oktober bei den meisten Abfallarten keine signifikanten Abweichungen, auch nicht bei Müll aus öffentlichen Abfallbehältern. Starke Abweichungen seien nur bei der privaten Selbstanlieferung am Entsorgungszentrum festzustellen. Da gebe es bisher eine Steigerung von 50 Prozent und bei der Sperrmüllabfuhr um immerhin 25 Prozent. Betrachte man alle Abfallarten, gebe es bisher aber nur einen Anstieg um 10 Prozent.

Müllwerker-Schutz in Corona-Zeiten

Zusätzliche Hygienevorkehrungen bei der Schutzkleidung für Mitarbeiter der WAS extra wegen Corona sind laut Elke Wichmann von der Stadt-Pressestelle aktuell nicht erforderlich. „Bereits im normalen Betrieb sind diese Tätigkeiten mit höheren Hygieneanforderungen konfrontiert, so dass entsprechende Arbeitsschutzausrüstung getragen werden muss.“

Die Maßnahmen würden im Zuge des Arbeits- und Gesundheitsschutzes laufend überwacht und bei Bedarf angepasst. Zudem seien Müllabfuhr und Straßenreinigung „Outdoor-Veranstaltungen“ und Kontakte zu anderen unternehmensfremden Personen eher gering.

Stadt beteiligt sich an „Europäischer Woche der Abfallvermeidung“

Um das Umweltbewusstsein und Engagement für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, beteiligt sich die Stadt auch dieses Jahr an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWAV 2020), die bereits seit 21. November und noch bis 29. November läuft. Wie die Stadt erst am Montag mitteilte, erfolgen europaweit Maßnahmen, die sich der Reduzierung von Abfall widmen.

Die Stadt ruft in diesem Jahr zu einem Ideenwettbewerb über Facebook und Instagram auf: Wer ein Foto von einer Idee teilt, wie jeder in Wolfsburg im Alltag Abfall vermeiden kann, bekommt am Ende des Aktionszeitraumes ein kleines Dankeschön zugeschickt. Zugleich postet die Stadt selbst jeden Tag einen konkreten Tipp zur Abfallvermeidung: vom Büchertausch in den offenen Bücherschränken über verpackungsfreies Einkaufen auf dem Wochenmarkt bis hin zu Upcycling-Bastelideen, bei denen aus vermeintlichen Abfällen praktische neue Dinge werden.

Teilnahmebedingungen und weitere Informationen auf der Stadt-Homepage

Die Teilnahmebedingungen und weitere Informationen zum Thema Abfallvermeidung finden sich unter www.wolfsburg.de/abfallvermeidung. Die Beteiligung an der „EWAV 2020“ erfolgt auf Initiative des Referats Repräsentation, Internationale Beziehungen im Rahmen des Projekts „Koordination kommunaler Entwicklungspolitik“, gefördert durch Engagement Global gGmbH innerhalb des Programms „Koordination kommunaler Entwicklungspolitik“ der Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“ mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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