Wolfsburgs neuer Stadtbrandmeister will Probleme offen angehen

Wolfsburg.  Jörg Deuter hat das Amt von Helmut von Hausen übernommen. Sein Fokus: engagierte Ortsfeuerwehren und marode Feuerwehrhäuser.

Jörg Deuter ist der neue Stadtbrandmeister.

Jörg Deuter ist der neue Stadtbrandmeister.

Foto: LARS LANDMANN / regios24

Zwei Tage vor der verheerenden Waldbrandkatastrophe von Meinersen trat Jörg Deuter 1975 in die Jugendfeuerwehr ein. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben, die damals drei Aktive im Einsatz verlor. „Das war extrem einschneidend. Aber es hat mich nicht gehindert, weiterzumachen“, sagt er. Seit Ende September ist er Wolfsburgs neuer Stadtbrandmeister.

Das Ehrenamt von der Pike auf gelernt

„Ich bin der Neue, aber nicht so neu in der Feuerwehr“, sagte der 56-Jährige am Freitag bei seiner Vorstellung im Fallersleber Feuerwehrhaus zusammen mit Pressesprecher Daniel Lieske. Eine kleine Untertreibung – denn er hat das Ehrenamt quasi von der Pike auf gelernt.

Am einschneidendsten waren für Deuter Einsätze, „bei denen Menschen nicht mehr geholfen werden konnte“, beispielsweise beim Wohnungsbrand im Detmeroder Stufenhochhaus vor Jahren. Aber auch bei Verkehrsunfällen: „Der schwere Unfall in der Röntgenstraße mit mehreren Toten war extrem.“ Als 2009 vier junge Männer starben und einer sein Bein verlor, war er als Vize-Stadtbrandmeister am Unglücksort. Auch beim Badeland-Brand 1999 war Deuter im Einsatz.

Zusammenarbeit mit Ortsfeuerwehren soll intensiviert werden

Wie auch seinem Vorgänger Helmut von Hausen liegen Jörg Deuter die Ortswehren am Herzen. In seiner Antrittsrede habe er von 20 Säulen gesprochen, „die sind unsere Basis“, betonte er. „Mein Ziel ist, die Zusammenarbeit mit den Ortsfeuerwehren noch zu intensivieren.“ Was wegen Corona nicht ganz einfach sei. Dabei setzt er auf seine Mitstreiter: „Ich habe ein gutes Team im Stadtkommando“, mit denen könne man Dinge anpacken. „Probleme müssen offen angesprochen werden, konstruktiv. Dann findet man auch eine Lösung“, nannte Deuter seine grundsätzliche Devise.

Eines der Dinge, die der neue Stadtbrandmeister weiterverfolgen will, ist der Zustand der Feuerwehrhäuser. „Bei den Baumaßnahmen muss es weitergehen. Bei den Feuerwehrhäusern haben wir unsere größten Defizite“, da gebe es schon länger eine Hängepartie, bekräftigte er. Zeitliche Perspektiven mochte er angesichts laufender Haushaltsberatungen aber nicht nennen.

Corona bietet kleinen Vorteil wegen Homeoffice

„Corona beutelt uns schon seit Mitte März“, konstatierte der Stadtbrandmeister. „Das Wichtigste ist, dass wir die Feuerwehren einsatzbereit halten.“ Daher wird beispielsweise immer noch mit zusätzlichen Fahrzeugen ausgerückt, um nicht zu dicht zu sitzen.

In einem Punkt bietet Corona sogar einen kleinen Vorteil, bestätigte Jörg Deuter: „Dass viele im Homeoffice arbeiten, kommt uns ein bisschen entgegen.“ So sei die Einsatzstärke tagsüber dadurch tagsüber besser. Die ist nämlich normalerweise ein zunehmendes Problem bei allen Freiwilligen Feuerwehren.

Der Werdegang des neuen Stadtbrandmeisters

Nach der Verabschiedung seines Vorgängers wurde 1. Hauptbrandmeister Jörg Deuter (56) am 19. September zum neuen Stadtbrandmeister ernannt und ist seit 20. September im Amt. Schon seit 2008 hat er als erster stellvertretender Stadtbrandmeister gewirkt. Kurz vor der Waldbrandkatastrophe von Meinersen trat Jörg Deuter am 8. August 1975 in die Jugendfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben ein; 1980 wurde er aktiver Feuerwehrmann. Er war bis Ende 2003 knapp sechs Jahre Vize-Ortsbrandmeister und trat gemeinsam mit dem damaligen Ortsbrandmeister Friedrich Wandschneider ab.

Geboren in Fallersleben, lebt Jörg Deuter auch dort und ist bis heute in der dortigen Ortsfeuerwehr aktiv. Er ist ledig und arbeitet als Maschinenbau-Ingenieur in der Qualitätssicherung von VW. Seine Hobbys sind Motorradfahren und Sport.

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