Facebook-Aufruf wirft Klinikum Wolfsburg Besuchsverbot vor

Wolfsburg.  Der Wahrheitsgehalt ist unklar. Das Klinikum verteidigt seine Regelungen. Und versichert, dass Patienten in kritischem Zustand besucht werden dürfen.

Die Fotomontage zeigt den Fake-Account des Klinikums und rechts den zweifelhaften Facebook-Post.

Die Fotomontage zeigt den Fake-Account des Klinikums und rechts den zweifelhaften Facebook-Post.

Foto: Jürgen Runo / Fotomontage

Ein Aufruf in den sozialen Medien hat in den vergangenen Tagen für einige Aufregung gesorgt. Demnach soll eine Frau im Wolfsburger Klinikum nicht zu ihrem auf der Intensivstation liegenden Vater gelassen worden sein. Der angeblich sogar im Sterben lag! Wie viel von dieser verstörenden Geschichte im Kern tatsächlich wahr ist und wer direkt und indirekt dahinter steckt – unklar. Allerdings reagieren Klinikum und Stadt mit deutlichen Worten.

Auch die WN-Redaktion bekam den Facebook-Post am Montag weitergeleitet. Nach Informationen unserer Zeitung wurde er in Wolfsburg fleißig geteilt, auch in der Politik soll der Appell kursieren. Und: Es gibt einen falschen Klinikums-Account auf Instagram, wo der alarmierende Post ebenfalls auftauchte. Teile der dortigen Diskussion darüber sind allerdings zwischenzeitlich gelöscht worden.

Klinikum bestätigt Beschwerde zum Thema „Besuchsregelung“

Unsere Zeitung fragte beim Klinikum nach, was an dem angeblichen Vorfall dran ist. „Korrekt ist, dass zum Thema ,Besuchsregelung’ zu Wochenbeginn eine Beschwerde im Klinikum einging“, teilte Klinikumssprecher Thorsten Eckert dazu am Mittwoch mit. „Diese wurde mit den Betreffenden in einem persönlichen Gespräch geklärt.“ Zu Details könne man sich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern.

„Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Patienten trotz der Pandemie soziale Kontakte pflegen und vor allem auch Besuch von Angehörigen empfangen können. Für den Genesungsprozess, aber auch für das allgemeine Wohlbefinden ist es wichtig und richtig, Begegnungen zu ermöglichen“, äußert sich Klinikumsdezernentin Monika Müller grundsätzlich zu den Besuchsregelungen. „Zugleich müssen wir aber dafür sorgen, die Gesundheit aller zu schützen, gerade auch während der Corona-Pandemie. Deshalb gilt im Klinikum ein Hygienekonzept, auch für Besucher.“

Dezernentin verweist auf Regelung gerade bei Patienten in kritischem Zustand

Die Dezernentin stellt klar: „Entgegen mancher Darstellungen, die auf Social Media derzeit verbreitet werden, wird gerade bei Patienten, die sich in einem kritischen Zustand befinden oder bei denen es darum geht, Angehörige Abschied nehmen zu lassen, Besuch selbstverständlich zugelassen – nach vorheriger Absprache auch unabhängig von den üblichen Besuchszeiten.“

Vor allem auf Instagram habe es zudem Posts und Nachfragen zum Thema „Besuche von Patienten“ gegeben. „Auf diese haben wir ebenfalls zu Beginn der Woche reagiert: Auf dem Instagram-Kanal der Stadt wurde eine Story mit Informationen zu den aktuell geltenden Besuchsregeln im Klinikum Wolfsburg veröffentlicht“, heißt es dazu aus dem Klinikum. Und: Da die Einrichtung selbst keinen offiziellen Instagram-Account eingerichtet habe und die Stadt als Trägerin des Klinikums an einer Richtigstellung ebenso interessiert sei, sei die Kommunikation in den sozialen Medien über die Stadt gelaufen.

Stadt und Klinikum schlagen sich mit Fake-Seite auf Instagram herum

Zusätzlich schlagen sich die Stadt und ihr Klinikum allerdings auch noch mit einer Fake-Seite des Krankenhauses auf Instagram herum, auf dem der Aufruf ebenfalls gepostet und kommentiert wurde. Teile der Diskussion sind inzwischen gelöscht.

„Ein Account, der sich bei Instagram unter dem Namen des Klinikums befindet, wird nicht von Seiten des Klinikums betreut“, versichert der Klinikumssprecher. „Der Inhaber ist nicht bekannt. Das Klinikum versucht, diesen Account schnellstmöglich löschen zu lassen und ruft hiermit zudem den oder die Inhaber dazu auf, diesen zu löschen.“

Die aktuell geltenden Besucherregelungen hat das Klinikum unter anderem auf folgender Internetseite zusammengefasst: www.klinikum.wolfsburg.de/patienten-und-besucher/besucherregelung

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