Umweltprämie: BMW, VW und Renault schöpfen den Rahm ab

Wolfsburg.  Die Niedersachsen tun sich noch relativ schwer mit der E-Mobilität. In Nordrhein-Westfalen und Bayern sieht das anders aus. Aber es tut sich was.

Ein Id.3 an einer privaten Ladestation – nur so mache Elektromobilität Sinn, findet der Kfz-Handel.

Ein Id.3 an einer privaten Ladestation – nur so mache Elektromobilität Sinn, findet der Kfz-Handel.

Foto: Volkswagen AG

Volkswagen steht für die bedingungslose Hinwendung zur Elektromobilität mit allen energiewirtschaftlichen Konsequenzen. Niedersachsen, das Heimatland des Konzerns mit sechs Standorten, hinkt allerdings im Ländervergleich hinterher. Wenn es um den Verkauf von prämiengeförderten E-Autos und Hybriden geht, spielt die Musik in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Niedersachsen belegt Platz 4, knapp vor Hessen. Tendenziell geht es aber aufwärts zwischen Nordseeküste und Harz. Das geht aus den Zahlen hervor, die das für die Beantragung der Umweltprämie zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) für den Berichtszeitraum bis Ende September vorgelegt hat.

Dominanz sieht anders aus

Volkswagen steht im Herbst des Jahres 2020 erst am Anfang des Weges, der die Wolfsburger bis Mitte des Jahrzehnts zur Marktführerschaft in Sachen E-Autos und Hybride führen soll. Diese Dominanz ist das erklärte Ziel von Konzernchef Herbert Diess und angesichts der Stärke und Präsenz des Konzerns auch realistisch. Schon jetzt ist das Angebot von E-Modellen und Hybriden so schlecht nicht. Für eine Dominanz im sich rasch entwickelnden deutschen Markt für die umweltschonenderen Fahrzeuge reicht es aber noch nicht. Ein Trio liefert sich hier laut Bafa ein enges Rennen.

Ein Trio kämpft um Platz 1

BMW hat bislang 36.216 prämniengeförderte Modelle verkauft, Volkswagen 34.783 und Renault 33.981. Der Abstand zu Mercedes-Benz (22.597), dem Viertplatzierten, ist schon deutlicher. Erst nach Smart (21.942) kommt Tesla (19.312) vor Hyundai (17.473), Mitsubishi (16.509), Audi (15.376) und Kia 14.084.

Niedersachsen hat noch Luft nach oben

In der Rangliste der Bundesländer liegt Nordrhein-Westfalen ganz klar vorne mit 74.040 reinen Batteriefahrzeugen und Hybriden. Bayern (52.397) und Baden-Württemberg (45.483) sind weitere Hochburgen. Dann folgt Niedersachsen mit deutlichem Abstand (23.887). Allerdings gibt es Anzeichen für eine prämienbefeuerte Absatzdynamik. Das freut auch den Kfz-Landesverband und seinen Präsidenten Karl-Heinz Bley. Im September stieg die Zahl der Anträge aus Niedersachsen beim Bafa auf 2.479 (Vormonat: 1.932). Dies ist ein Plus von 28,3 Prozent. „Das Interesse am bis zu 9.000 Euro hohen Umweltbonus ist ungebrochen“, konstatiert Bley. In einer guten privaten Ladeinfrastruktur sieht der Verbandspräsident den Schlüssel zu einer noch positiveren Entwicklung.

Verbandschef fordert verstärkten Einbau privater Ladestationen

Im September seien 1.492 (Vormonat: 1.141) Prämien für rein batteriebetriebene Fahrzeuge (BEV) und 987 (Vormonat: 790) Fördergelder für Plug-in-Hybride (PHEV) in Niedersachsen beantragt worden, bilanzierte Bley. Insgesamt seien für Niedersachsen seit Beginn der Förderung 23.887 Umweltboni bewilligt worden. Dies entspreche einem Länderanteil von 8,4 Prozent.

Damit Niedersachsen Anschluss an die führenden Bundesländer gewinnt, müsste der Einbau privater Ladestationen (Wallbox) forciert werden. In diesem Zusammenhang wies Bley darauf hin, dass mit der verabschiedeten Reform des Wohnungseigentumsgesetzes sowohl Wohnungseigentümer als auch Mieter künftig einen Rechtsanspruch auf den Einbau einer Ladeeinrichtung erhielten. Wer auf seinem Stellplatz einen Ladepunkt schaffen wolle, müsse künftig nicht mehr alle Miteigentümer um Zustimmung bitten.

Für die private Ladeinfrastruktur sei dies ein wichtiger Schritt, um der Elektromobilität langfristig zum Durchbruch zu verhelfen. Bley wörtlich: „Eine gute private Ladeinfrastruktur ist von größter Bedeutung.“ Aktuellen Statistiken zufolge würden 89 Prozent der E-Fahrer den Akku Zuhause oder am Arbeitsplatz aufladen. Bundesverkehrsminister Scheuer hat am 6. Oktober in Berlin ein Förderprogramm für das private Laden vorgestellt. Das ist auch für Kunden des ID. Chargers von Volkswagen relevant. Mit dem neuen Programm fördert die Bundesregierung den Erwerb und die Installation von vernetzten Wallboxen mit 900 Euro.

Eigenanteil kann auf 600 Euro sinken

Volkswagen bietet dazu auf der Marken-Homepage ein Rechenbeispiel: Wer eine förderfähige Wallbox inklusive Installation für 1.500 Euro erwirbt, muss künftig nur noch einen Eigenanteil von 600 Euro tragen. Gefördert werden nur vernetzte, internetfähige Wallboxen.

Zudem muss die Installation durch einen zertifizierten Handwerker mit beauftragt werden, der reine Erwerb einer Wallbox reicht nicht aus. Und die Wallbox muss mit grünem Strom versorgt werden. Das Programm startet offiziell über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) am 24. November.

So schnitten die VW-Modelle ab

Der e-Golf (Modell 2017) ist derzeit das am meisten nachgefragte Elektroauto in Deutschland. Das belegen die Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) über die Förderung der Elektromobilität mittels der Umweltprämie. Demnach wurden 11.327 Einheiten des Fahrzeuges verkauft.

Auf Rang 2 folgt der smart EQ fortwo (Modell 2017) mit 10.178 Einheitn vor dem Renault Zoe.Life (mit Batteriemiete) mit 10.058 Auslieferungen.

Teslas bestverkauftes Modell ist das Model 3 Long-Range Dual Motor AWD, das 7.944-mal geordert wurde.

Zweitbesten Modell der Marke VW ist der e-up! (7.007) vor dem e-Golf jüngeren Datums (6.636). Vom Hybrid-Golf GTE des Modelljahres 2017 setzte Volkswagen 1.846 Einheiten ab, von denen der folgenden Modelljahre 1.285. Der Golf GTE eHybrid fand 16 Abnehmer.

Der in Zwickau gebaute vollelektrische ID.3 Pro Performance 150 kW fand bis Ende September 683 Käuferinnen und Käufer. Die Version ID.3 Pro S 150 kW verkaufte sich 15-mal.

Die Ingolstädter Konzerntochter Audi konnte im Zuge ihrer E-Offensive vom Modell A3 6.368 Einheiten verkaufen.

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