Das VW-Wahrzeichen hat jetzt 6 Schornsteine

Wolfsburg.  Der Denkmalschutz entschied, dass die beiden neuen Schlote weiß gestrichen werden. Die vier älteren werden aber weiter genutzt.

Das Kraftwerk Nord/Süd von VW in Wolfsburg wird von Kohle auf Gas umgerüstet. Dafür wurden die beiden neuen Schornsteine gebaut, die im Vergleich zu den alten fast zierlich wirken.

Das Kraftwerk Nord/Süd von VW in Wolfsburg wird von Kohle auf Gas umgerüstet. Dafür wurden die beiden neuen Schornsteine gebaut, die im Vergleich zu den alten fast zierlich wirken.

Foto: Volkswagen AG

Volkswagen rüstet das Wolfsburger Kraftwerk derzeit von Kohle auf Erdgas um. Zum Stand der der Bauarbeiten und den besonderen Herausforderungen äußerte sich jetzt der technische Geschäftsführer der VW Kraftwerk GmbH, Matthias Barkowski, im VW-Intranet.

Im Januar soll die Gasturbine gezündet werden

„Im Kraftwerk Nord/Süd fehlt eigentlich nur noch der Dampfturbinentransformator, den wir für Mitte November erwarten, alle anderen Großkomponenten wurden bereits angeliefert und montiert. Aktuell verlegen wir die Elektrik und letzte Rohrleitungen. Unser Ziel ist es, im Januar die Gasturbine testweise zu zünden“, berichtet Barkowski.

Räume sind vollgestellt mit Technik

Herausfordernd seien vor allem die beengten Platzverhältnisse in dem denkmalgeschützten Gebäude. „Vor einem Jahr waren die Maschinenhalle und das Pumpenhaus quasi leer, heute sind diese Räume vollgestellt mit Technik. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes, logistisches Konzept. Eine tonnenschwere Gasturbine können sie im Nachgang nicht mehr verrücken. Wenn die steht, dann steht sie“, erzählt der Geschäftsführer.

Die neuen Kamine sind nur 65 Meter hoch

Auch das Thema Denkmalschutz spielt bei dem Kraftwerksensemble, einem der Wolfsburger Wahrzeichen, eine wichtige Rolle. Dazu sagt Barkowski: „Wir haben uns eng mit den Behörden abgestimmt. Im Wesentlichen ist die Silhouette des Kraftwerks ja gleich geblieben. Die neuen Kamine sind nach hinten versetzt, die Höhe beträgt lediglich 65 Meter. Zum Vergleich: Die vier alten Schornsteine sind mit 125 Metern etwa doppelt so hoch. Es war übrigens eine bewusste Entscheidung, die neuen Kamine weiß zu streichen. Der Denkmalschutz wollte es so. Das Neue soll sich deutlich vom Alten abheben.“

Die alten Schornsteine sind für eine Gasturbinenanlage technisch nicht nutzbar, da die Strömungsgeschwindigkeiten zu hoch und die Abgastemperaturen zu niedrig sind. Nutzlos werden die Schlote deswegen aber nicht. Hier werden Heizwasser- und Dampfkessel angeschlossen, die vor allem an sehr kalten Tagen zusätzliche Fernwärme erzeugen – und als Reserve dienen, falls die Gas- und Dampfturbinenanlage mal ausfallen sollte.

Mit der Umstellung von Kohle auf Erdgas senkt VW die CO2-Emissionen in der Strom- und Wärmeerzeugung – und zwar dauerhaft um rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Dies entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von aktuell etwa 870.000 Fahrzeugen – ein Rückgang von fast 60 Prozent im Vergleich zu den bisherigen Emissionen der Kraftwerke am Standort Wolfsburg.

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