32-Jähriger für Sextat im Badeland Wolfsburg verurteilt

Wolfsburg.  Ende 2018 wurde ein 13-jähriges Mädchen im Wolfsburger Badeland von mehreren Männern sexuell genötigt. Einen hat das Amtsgericht nun verurteilt.

Massiv bedrängt wurde eine 13-Jährige Ende 2018 im Wolfsburger Badeland.

Massiv bedrängt wurde eine 13-Jährige Ende 2018 im Wolfsburger Badeland.

Foto: Sahnefoto / Badeland Wolfsburg (Archiv)

Der Fall Badeland ging vor Gericht: Das Amtsgericht Wolfsburg hat einen Mann aus Salzgitter wegen sexueller Nötigung verurteilt. Das Jugendschöffengericht sah es nach einem Geständnis ohne Anhörung von Zeugen als erwiesen an, dass er vor knapp zwei Jahren eine 13-Jährige im Wolfsburger Badeland zu einer intimen Berührung zwang.

Das Mädchen aus dem Landkreis Helmstedt wollte am 28. Dezember 2018 eine schöne Zeit mit Freunden in dem Erlebnisbad im Allerpark verbringen. Doch es kam ganz anders. Die Schülerin erlebte dort etwas, das ihr noch heute zusetzen soll: In einem der Becken wurde die 13-Jährige von einer Gruppe junger Afghanen sexuell belästigt, bis sie auf ihre Lage aufmerksam machen konnte. Eine Schwimmmeisterin nahm sich ihrer an, Badeland-Mitarbeiter alarmierten die Polizei. Das Mädchen erlitt einen Schwächeanfall.

Badeland-Fall: Ermittlungen gegen sechs Männer verliefen im Sande

Danach ermittelte die Polizei gegen acht Männer. Die Ermittlungen gegen sechs von ihnen wurden eingestellt, weil das Mädchen nicht wusste, wer was getan hatte. An den heute 32-Jährigen aber erinnerte sie sich, weil er ihr seinen Namen und seinen Beruf gesagt hatte. Und sie wusste auch noch, dass er sie an beiden Händen festgehalten und eine Hand gegen sein Geschlecht gedrückt hatte.

Eigentlich sollte das Ganze gar nicht vor Gericht gehen. Das Amtsgericht hatte auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl erlassen: ein Jahr mit Bewährung und Geldauflage. Doch dagegen legte er Einspruch ein. Auch vor Gericht bestritt der 32-Jährige die Tat zunächst. Viele Zeugen hätten nun gehört werden können, auch das Mädchen, doch dazu kam es nicht.

Langes Ringen um Geständnis

Die Staatsanwältin drohte gleich zu Beginn der Jugendschutzsache, dass sie ohne Geständnis eine wesentlich höhere Strafe fordern würde. Dem Angeklagten, der nach fünf Jahren in Deutschland zwar einen Ausbildungsplatz, aber keinen gesicherten Asylstatus hat, war hingegen sehr an einem Urteil gelegen, das dem Staat keinen Ausweisungsgrund bieten würde.

Es folgten lange Rechtsgespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Anschließend erklärte der Verteidiger, sein Mandant habe 2018 die Gepflogenheiten in Deutschland mentalitätsmäßig noch nicht vollständig erfasst, räume den Vorwurf jedoch unter Annahme eines minderschweren Falles ein. Der 32-Jährige selbst äußerte sich anders: „Ich habe es nicht gemacht, aber ich bin gezwungen, es zuzugeben. Mein einziger Fehler war, dass ich mit ihr gesprochen habe.“ Auf erneute Nachfrage, ob es so gewesen sei, wie vorgeworfen, sagte er dann schlicht „Ja“.

Wolfsburger Jugendschöffengericht verhängt eine Bewährungsstrafe

Dies ließ das Gericht als Geständnis gelten. Das Mädchen konnte das Gericht ohne Aussage verlassen, genauso wie die schon anwesenden Zeugen. Die Staatsanwältin belehrte den Angeklagten ausführlichst über sexuelle Selbstbestimmung und den besonderen Schutz von Kindern, stufte die Tat aber als minderschweren Fall der sexuellen Nötigung ein und forderte zehn Monate Haft mit Bewährung. Das Jugendschöffengericht blieb mit einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe noch darunter.

Die Vorsitzende Richterin erwähnte in der Urteilsbegründung, dass das Mädchen dreimal vernommen wurde und in seinen Aussagen sehr glaubwürdig gewesen sei. Dem Angeklagten hielt das Schöffengericht zugute, dass er der heute 14-Jährigen ersparte, vor Gericht aussagen zu müssen, dass es keine Vorstrafen gab und er von den Frauen in seinem Ausbildungsbetrieb in schriftlichen Erklärungen als vorbildlicher Kollege beschrieben wurde.

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