Wie viele Millionen darf Wolfsburgs neue Feuerwache kosten?

Wolfsburg.  Günter Lach ruft zur Eile auf und warnt vor einer Neiddebatte. Die Freiwilligen Feuerwehren könnten leer ausgehen.

Die Wache der Berufsfeuerwehr in der Dieselstraße ist in die Jahre gekommen und bietet längst nicht mehr genug Platz.

Die Wache der Berufsfeuerwehr in der Dieselstraße ist in die Jahre gekommen und bietet längst nicht mehr genug Platz.

Foto: Helge Landmann / regios24

210 Mitarbeiter sind bei der Wolfsburger Berufsfeuerwehr beschäftigt. Sie warten sehnsüchtig auf eine neue, moderne Feuerwache. Der für den Brand- und Katastrophenschutz zuständige Dezernent Andreas Bauer hatte in der jüngsten Ratssitzung am Mittwoch den dringenden Handlungsbedarf noch einmal unterstrichen. Doch ist die Stadt angesichts der extrem angespannten Haushaltssituation überhaupt in der Lage und bereit, 70, 80 oder mehr Millionen Euro zu investieren?

Lach: Nicht diskutieren, sondern umsetzen

Seit knapp zehn Jahren beschäftigt sich die Stadt mit dem Thema neue Feuerwehrwache. „Die Situation duldet überhaupt keinen Aufschub mehr“, betonte Bauer in seiner Rede zum Nachtragshaushalts. Die Räume in der Dieselstraße sind zu klein, die Technik teilweise veraltet. Günter Lach (CDU), Vorsitzender des Feuerwehr-Ausschusses, hatte die Situation nach einer Besichtigung als „menschlich nicht mehr hinnehmbar“ bezeichnet. Zu dieser Aussage steht Lach weiterhin, auch wenn kleine Verbesserungen im Gebäudebestand vorgenommen wurden. „Die neue Feuerwache hat oberste Priorität. Wir müssen jetzt nicht mehr nur diskutieren, sondern das auch umsetzen“, fordert Lach.

Sobald das Planungsstadium für die neue Feuerwache abgeschlossen ist, will die Verwaltung die politischen Gremien unterrichten und die Objektvorlage zur Entscheidung vorlegen. Stadtrat Bauer hat eine entsprechende Planungsvorlage für die Ratssitzung am 16. Dezember angekündigt.

Vier Millionen Euro Planungskosten

Die Stadt hat mittlerweile mehr als vier Millionen Euro allein für die Planung ausgegeben und war vor Jahren schon deutlich weiter. 2014 gewann das Kölner Architekturbüro Gatermann + Schossig den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für einen Neubau auf dem benachbarten Grundstück der Berufsfeuerwehr, das einst von der Abfallwirtschaft genutzt worden war. Während seiner Sitzung am 3. Juli 2019 kippte der Rat die ursprünglich vorgesehene Ein-Wachen-Strategie mit dem Standort Dieselstraße und beschloss eine komplette Neuplanung mit zwei Standorten, einer großen Wache in der Dieselstraße und einer kleineren im Heinenkamp. Die Zwei-Wachen-Lösung sei zum einen notwendig, um die vorgeschriebenen Anfahrtszeiten im Notfall einhalten zu können. Zum anderen würde laut einer Studie der TU Braunschweig der Ursprungsentwurf heute 100 Millionen Euro kosten, die von der Verwaltung favorisierte Zwei-Wachen-Strategie mit optimierten Baukörpern sei hingegen für 80 Millionen Euro zu realisieren, hieß es vor einem Jahr.

Architekt bietet günstigere Lösung an

Sven Gaeßler, Architekt und Geschäftsführer von Gaterman + Schossig, die sich mittlerweile die Supergelb-Architekten nennen, hatte gegenüber unserer Zeitung erklärt, den Entwurf problemlos überarbeiten und so 15 Millionen Euro einsparen zu können. Sein Büro sei nach wie vor an einer Umsetzung des „Leuchtturm-Projekts Feuerwache Wolfsburg“ interessiert, betonte Gaeßler.

Sollte die Berufsfeuerwehr eine oder zwei neue Wachen bekommen, könnte sich die Hoffnung so mancher Freiwilligen Feuerwehr auf einen Neubau zerschlagen. In Hattorf oder Kästorf wird schon länger dringender Bedarf angemeldet. „Es darf nicht zu Neiddebatten kommen, das bringt uns nicht weiter“, sagt Günter Lach. Und Dezernent Bauer meint: „Es geht nicht um ein Ausspielen von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr untereinander. Es geht vielmehr darum, objektiv und sachlich abzuwägen, wie wir das wenige Geld verteilen beziehungsweise einsetzen.“

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