Corona-Tote in Wolfsburg: Staatsanwaltschaft sichtet Akten

Wolfsburg.  Die Polizeiermittlungen zum Tod von 45 Wolfsburger Heimbewohnern sind erstmal abgeschlossen. Nun ist die Staatsanwaltschaft am Zug.

Nach dem verheerenden Corona-Ausbruch im Hanns-Lilje-Heim: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wird sich nun durch die Akten zu dem Wolfsburger Pflegeheim arbeiten.

Nach dem verheerenden Corona-Ausbruch im Hanns-Lilje-Heim: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wird sich nun durch die Akten zu dem Wolfsburger Pflegeheim arbeiten.

Foto: Lars Landmann / regios24

Vor vier Monaten hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen wegen der zahlreichen Corona-Sterbefälle im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim eingeleitet. Nun geht es ans Aktenstudium.

„Die polizeilichen Ermittlungen sind vorläufig abgeschlossen“, berichtet die Erste Staatsanwältin Julia Meyer. „Die zuständige Staatsanwältin muss sich nun in die umfassenden Aktenteile einarbeiten.“ Dauern werde dies wegen des Umfangs und der Urlaubszeit voraussichtlich einige Wochen, so Meyer.

111 der rund 140 Wolfsburger Heimbewohner steckten sich mit Corona an

In dem Pflegeheim der Diakonie Wolfsburg verstarben im Frühjahr 45 Bewohner, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten. 111 der rund 140 zu Beginn der Pandemie im Hanns-Lilje-Heim lebenden Senioren sowie 43 Mitarbeiter wurden positiv getestet.

Gleich nach den ersten Todesfällen erstattete ein Wolfsburger Anwalt Anzeige. Er warf der Diakonie Ende März fahrlässige Tötung vor – unter Verweis auf angeblich schwerste hygienische und pflegerische Mängel im Hanns-Lilje-Heim. Der Jurist bezog sich auf Hinweise, die er von Beschäftigten erhalten habe. Die Anzeige erstattete er aber in seinem Namen. Das Diakonische Werk, das die meisten Wolfsburger Pflegeheime betreibt, wies die Vorwürfe von sich.

Auch die irritierte Tochter eines Verstorbenen erstattete Anzeige

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nahm Ermittlungen gegen Unbekannt auf. Später erstattete nach eigenen Angaben auch die Tochter eines Verstorbenen Anzeige bei der Polizei. Bei der Staatsanwaltschaft gingen darüber hinaus weitere Schreiben ein, die in das Ermittlungsverfahren einbezogen werden sollten.

Die Anzeigeerstellerin wunderte sich unter anderem darüber, dass ihr Vater zwar aus dem Hanns-Lilje-Heim ins Klinikum gebracht wurde, aber schon nach einem Tag die Entlassung folgte. Der demenzkranke Mann starb nach knapp zweiwöchiger Krankheit im Alter von 74 Jahren. Die Tochter hatte sich nach eigenen Angaben bereits vor dem Corona-Ausbruch zweimal bei der Wolfsburger Heimaufsicht über mangelnde Hygiene und Körperpflege beschwert.

Im Mai wartete die Polizei auf einen richterlichen Beschluss zu den Krankenakten

Die Polizei Wolfsburg berichtete schon im Mai, das Ermittlungsverfahren bald an die Staatsanwaltschaft abgeben zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt wartete sie auf die Freigabe von Krankenakten und den dafür erforderlichen richterlichen Beschluss.

Corona in Wolfsburg- Die Fakten auf einen Blick

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Coronavirus in Niedersachsen- Alle Fakten auf einen Blick

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder