Unwetter – Ab fünf Zentimeter Wasserstand Notruf wählen

Wolfsburg.  Die Berufsfeuerwehr Wolfsburg lud zur Unwetternachbetrachtung. Dabei erklärten sie Ablauf und technische Möglichkeiten bei Überflutungen von Häusern.

Am Mooranger in Nordsteimke kam es beim Unwetter vor drei Wochen zu heftigen Überschwemmungen.

Am Mooranger in Nordsteimke kam es beim Unwetter vor drei Wochen zu heftigen Überschwemmungen.

Foto: Privat

Die kleinste Pumpe schafft 400 Liter innerhalb einer Minute aus einem vollgelaufenen Keller zu pumpen. Die größte, auf die die Berufsfeuerwehr zurückgreifen kann, 1500 Liter pro Minute. Ab vier Fingern breit Wasser im Keller sollte der Notruf betätigt werden, vorher kann die kleinste Pumpe nichts ansaugen. Dies und vieles mehr stellten Manuel Stanke und sein Team für Brand- und Katastrophenschutz der Presse am Freitag vor. Hintergrund des Termines bei der Berufsfeuerwehr in der Dieselstraße war das Unwetter vom 13. Juni - und die, die da noch kommen. Denn die Feuerwehr stellt sich insgesamt auf heftigere Wetterereignisse ein ...

Zur Notrufnummer - Es gilt, dass immer die 112 gewählt werden muss. Anrufe in den Feuerwehrhäusern der Ortsteile sind der falsche Weg, darauf weist auch Volkmar Weichert von der Freiwilligen Feuerwehr Vorsfelde hin. Aus den Freiwilligen Feuerwehren war nach dem jüngsten Unwetter der ausdrückliche Wunsch gekommen, dass dieser Punkt noch einmal unterstrichen werde.

Zum Notrufanlass - Manuel Stanke unterstrich, dass es Sinn mache ab einer Wasserhöhe von etwa fünf Zentimetern die Feuerwehr zu rufen „Davor tun es auch der Industriesauger oder das gute alte Kehrblech, mit dem man gut Wasser schöpfen kann.“ Orientierungspunkt sind die eigenen Finger.

Zum Notruf-Ablauf - „Wenn unter 112 dauerbesetzt ist, auflegen und neu wählen“, sagt Stanke. „Und wenn man in der Warteschleife landet, unbedingt drin bleiben. Legt man auf, ist der Warteplatz weg und man wird neu hinten eingereiht.“ Selbst bei verständlicher Aufregung durch die Überschwemmung den Ort klar und deutlich formulieren, dies sei weiterhin entscheidend.

Zur Notruf-Aufhebung - „Wenn Sie merken, dass das Wasser wieder sinkt und Sie selbst klarkommen, dann unbedingt wieder die 112 anrufen. Sonst kommen wir auf jeden Fall vorbei und das ist wertvolle Zeit, die vielleicht für einen anderen Einsatz benötigt wird“, unterstreicht der Leiter des Katastrophen-Schutzes.

In den Abend- und Nachtstunden des 13. Junis mussten Berufs- und Freiwillige Feuerwehren 280 mal im ganzen Stadtgebiet ausrücken. In 70 Prozent der Fälle war der Wasserstand dann schon gesunken oder ohnehin nicht so hoch, dass die Feuerwehrpumpen zum Einsatz kommen konnten. An die 300 Einsatzkräfte, dazu zählte auch das THW, und 35 Fahrzeuge mit Pumpen waren unterwegs. Auch auf dem Werksgelände gab es etliche Einsätze, die Werksfeuerwehr war mit 90 Kräften unterwegs. Dabei ging es auch um die Tunnelzuwegung ins Werk, die geflutet war (wir berichteten).

An den Überschwemmungsorten musste die Feuerwehr so schnell wie möglich checken, ob das Wasser aus den Kellern ins öffentliche Entwässerungssystem gepumpt werden konnte, oder die Kanalisation auch schon voll war. Stanke: „Dann pumpt man im Kreis. Das nächste Rückhaltebecken oder dergleichen müssen daher schon auf dem Weg zum Einsatzort anhand von Lageplänen festgestellt werden.“

Sechs Kollegen sitzen im Normalfall in der Wolfsburger Leitstelle, die auch für Helmstedt zuständig ist. Die Plätze sind schnell auf 11 aufzustocken, so wie es auch am 13. Juni geschah, schildert Thomas Zhuber von Okròg, Abteilungsleiter Technik. Kräfte werden dazu im Haus umdisponiert. 400 Anrufe müssen normalerweise in 24 Stunden bearbeitet werden. Am 13. Juni waren es zwischen 17 Uhr und den frühen Morgenstunden etwa 560.

Auch wenn es hin und wieder den Fall gebe, dass die Einsatzkräfte am Ort des Geschehens nicht gerade freundlich begrüßt würden - so hatte es Stadtbrandmeister Helmut von Hausen kürzlich geschildert - sei die überwiegende Anzahl der Anrufer einfach nur froh, dass Hilfe käme. „Da gibt es auch schon mal eine Grillwurst oder Getränke“, schmunzeln Stanke und sein Team.

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