Lage im Kaufhof entspannt nach angedrohter Kneipenschließung

Wolfsburg.  60 bis 80 Menschen statt der befürchteten 800 tranken in entspannter Atmosphäre Bier zum Fußballspiel.

Am Samstag hielten sich die Besucher im Kaufhof an die Corona-Vorgaben.

Am Samstag hielten sich die Besucher im Kaufhof an die Corona-Vorgaben.

Foto: Helge Landmann / regios24

30 Grad Außentemperatur, stickig-feuchte Luft, die nur wenig in Bewegung ist. Es sind wahrlich keine optimalen Bedingungen, sich die Live-Schalte des letzten Bundesliga-Spiels des VfL Wolfsburg in dieser Saison gegen Bayern München auf der Kneipenmeile Kaufhof vor Großbildschirmen sitzend anzusehen. Nur in wenigen Gaststätten floss das Bier am Samstagnachmittag wie gewünscht, bei den meisten Gästen umso mehr der Schweiß.

60, vielleicht 80 zumeist in VfL-Trikots gehüllte Fans tummeln sich vor den Lokalen im Kaufhof – weit weniger Kneipengänger also, als es Polizei und Ordnungsamt der Stadt nach den schlechten Erfahrungen des vergangenen Wochenendes erwartet hatten. Bis zu 1000 Menschen hatten eng an eng stehend, trinkend und miteinander redend sämtliche geltenden Corona-Hygiene- und Abstandsregeln missachtet. Dass in sozialen Netzwerken von Kneipenbetreibern ein „Malle-Weekend“ beworben wurde, zudem Gästen „Mega-Angebote“ für gemeinsames Eimer- und Pitscher-Trinken gemacht wurden, brachte das Fass zum Überlaufen.

Polizei hatte mit Schließung der Kneipenmeile gedroht

Womöglich waren es auch die deshalb im Vorfeld durch Stadt und Polizei angekündigten, verschärften Kontrollen vor allem des Kaufhofs, die viele Fußballfans am Samstag abgeschreckt haben. Deftige Bußgelder drohten bei Verstößen gegen die Corona-Verordnungen. Gar die „Schließung der Kneipenmeile“, so Wolfsburgs Polizeisprecher Thomas Figge, hätten die Ordnungsbehörden in Betracht gezogen. So weit kam es indes nicht. Weder polizeiliche noch städtische Ordnungshüter setzten vor, während und nach dem VfL-Spiel einen Fuß in den Kaufhof.

Die Polizei beschränkte sich auf gelegentliche Streifenfahrten entlang der Schillerstraße. Auch Ordnungsamtsmitarbeiter ließen sich sehen, parkten ihr Fahrzeug vor dem Eingang zum Kaufhof, verließen es aber nicht. Die Beamten hatten ihre Augen jedoch durch den Torbogen auf die Partymeile gerichtet, wo sie aber nur Menschen wie Matthias Balke sahen. Der hatte es sich am Tisch vor einem Großbildschirm gemütlich gemacht – erste Reihe, beste Sicht. „Alles okay hier, die haben das mit den Abständen der Tische gut im Griff“, sagte der VfL-Fan, der seinem Verein seit 1971 die Treue hält. „Damals war ich fünf“, erzählt er und nippt an seinem Bier. Neben Balke saß Frank Meier. „Man musste hier reservieren, wenn man einen Platz haben wollte“, wusste Meier. Eigentlich wollten sie sich den letzten VfL-Bundesligaauftritt dieser Saison zu viert ansehen, doch, so Meier, „ein Kumpel hatte einen Krankheitsfall in der Familie, ein anderer ist wohl lieber ins Freibad gegangen“.

Gastronomen achteten auf Einhaltung der Vorgaben

Um die beiden herum herrschte Disziplin. Die Gäste tranken, sie unterhielten sich – allerdings auf Distanz. Auch bei den Gastrobetrieben waren die Warnungen von Polizei und Stadt offenbar angekommen. Hinweisplakate an den Eingängen erinnerten jeden: „Bitte Abstand halten! Mindestens 1,50 Meter“. Die Gastronomen legten jedem Gast Zettel auf den Tisch: „Bitte Name, Adresse, Telefonnummer und Verweilzeit eintragen“, sagte ein Kneipenchef. Die Menschen nickten kurz, sie kennen das inzwischen, nahmen es gelassen hin. Genau so gelassen wie später das 0:4 ihres VfL gegen Meister FC Bayern. Diese Niederlage blieb die einzige „kalte Dusche“ an diesem stickig-warmen Nachmittag im Kaufhof. Nicht einmal der angekündigte Gewitterregen ergoss sich über der Stadt.

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