Nichts aufs Spiel setzen...

„Die Nörgler sind leider oft lauter.“ Diese Worte von Helmut Peipe wirken nach. Der 82-Jährige bezieht sich darin auf seine persönlichen Erfahrungen mit dem Corona-Lockdown, der ihm für Wochen sein tägliches, ganz wichtiges Ritual – den Besuch seiner Frau im Altenheim – genommen hat. „Nörgler“ sind für ihn all die, die das strikte Besuchsverbot in den Heimen kritisiert haben. Er selbst dagegen hatte nicht nur Verständnis für die Notwendigkeit dieser Maßnahmen, sondern auch großes Vertrauen in die Pflegekräfte. Mittlerweile darf er seine Frau wieder jeden Tag besuchen.

In die Freude über all die Lockerungen, die wir jetzt erleben – und die den einen oder anderen auch hin und wieder ein wenig übermütig und damit leider auch unvorsichtig machen, mischt sich bei mir manchmal die Sorge um das, was noch auf uns zukommt. Und wie unsere Politik dann damit umgeht… Nehmen wir ganz aktuell das Thema Kaufhof: Am vergangenen Wochenende schien dort wohl Corona völlig vergessen – ein Grund für Polizei und Stadt mit Blick auf dieses auch fußballmäßig heiße Wochenende nicht nur die Kontrollen zu verstärken, sondern auch mit einer Schließung zu drohen. Klar erregt das die Gemüter einzelner Wirte in der Kneipenmeile, doch man muss sich auch mal in die Lage der für die Stadt Verantwortlichen hineinversetzen: Die letzten Wochen und Tage haben leider eindrücklich klargemacht, wie schnell sich ein „Corona-Hotspot“ entwickeln und welche Auswirkungen das dann für jeden einzelnen Bürger haben kann…denken wir nur mal an die gar nicht weit entfernten Städte Göttingen oder Salzgitter.

So etwas braucht Wolfsburg nicht – schon gar nicht kurz vor den Schul- und Werksferien. Insofern sollten sich all die, denen jetzt nach besagtem „Nörgeln“ zu Mute ist, ein Beispiel an dem alten Herrn nehmen und Verständnis für „Grenzen“ aufbringen, um das Stück Normalität, das in unserer Freizeit wieder möglich ist, nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder