CDU: Badeland-Rabatte für Metaller müssen bleiben

Wolfsburg.  Sie argumentieren: Es gibt nicht nur Mitglieder, die gutes Geld bei Volkswagen verdienen. Die Entscheidung sei nicht sozialverträglich.

Das Wellenbecken – eine der Attraktionen im Badeland Wolfsburg.

Das Wellenbecken – eine der Attraktionen im Badeland Wolfsburg.

Foto: Klaus Helmke / Stadt Wolfsburg

Wenn sich die Stadt Wolfsburg mit der mitgliederstärksten Organisation vor Ort anlegt, dann ist Ärger vorprogrammiert. Und so ließ die Reaktion der IG Metall auf die Rücknahme liebgewonnener Vergünstigungen auch nicht lange auf sich warten. Die Gewerkschaft übte deutliche Kritik, als im Vorjahr die kostenlose Nutzung städtischer Busse zur Anreise zum Sommerfest der Gewerkschaft gestrichen wurde. Und aktuell wird darüber diskutiert, dass Badeland-Rabatte für IG Metall-Mitglieder dem allgemeinen Sparprogramm der Stadt zum Opfer gefallen sind (wir berichteten). Nun hat sich die Wolfsburger Vertretung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), das ist der Sozialflügel der CDU, als erste politische Vertretung zu Wort gemeldet.

In einer Pressemitteilung kritisiert die Wolfsburger CDA die Entscheidung der Stadt. Die CDA weist darin auf die defizitäre operative Bilanz der Einrichtung hin. Der Kostendeckungsgrad liegt seinen Angaben zu Folge bei rund 45 Prozent. Wegen der Coronapandemie drohten höhere Verluste und die Betreiber müssten eigentlich über moderate Erhöhungen der Eintrittspreise nachdenken. „Nun jedoch die Mitgliedervergünstigungen zu streichen und somit auch Menschen mit geringeren Einkommen noch mehr einzuschränken, ist aus Sicht der CDA nicht der richtige Weg. Nicht alle Menschen, die durch die größte IG-Metall-Geschäftsstelle im Bundesgebiet betreut werden, arbeiten bei Volkswagen und verdienen gutes Geld. Hier sollte man auch die nicht so gut verdienenden und sozial schwächeren im Blick haben“, heißt es in der CDA-Mitteilung.

Die Verwaltung wird aufgefordert,. die Kündigung zu überdenken. Über „die vorhandenen politischen Kontakte“ wolle man eine Rücknahme der Kündigung des Kooperationsvertrages erwirken. Das wiederum hatte die Verwaltung auf Anfrage unserer Zeitung bereits ausgeschlossen. Niemand werde dadurch sozial benachteiligt, hatte die zuständige Dezernentin Monika Müller betont.

Die CDA sieht das anders. .„Den Kooperationsvertrag zu kündigen und ab Oktober wieder den regulären Eintrittspreis in der städtischen Einrichtung zahlen müssen ist für uns das falsche Signal aus der Verwaltung und spiegelt nicht die sozial geprägte Struktur der Kommune wider“, schreibt André-Georg Schlichting, der stellvertretende Vorsitzende der Wolfsburger CDA. Der Vorsitzende Stefan Klinke wird in der Mitteilung so zitiert: „Sicherlich sind wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, jedoch dieses auf dem Rücken der Menschen auszutragen, die sowieso schon durch die vielen Einschränkungen stark gebeutelt sind, ist nicht der richtige Weg.“

Die Service-Gesellschaft der IG Metall hat auch in Wolfsburg und der Region eine Vielzahl von Partnern, die den Mitgliedern Vergünstigungen gewähren. Rabatte gibt es beispielsweise für Eintrittskarten des Scharoun-Theaters (10 Prozent auf maximal 2 Karten), Fanartikel des VfL Wolfsburg (10 Prozent), Dauerkarten der „Wölfe“ (Ermäßigung nicht ausgewiesen), Eintrittskarten von Eintracht Braunschweig (10 Prozent), die Autostadt, Hotels, Geschäfte, Fitnessstudios und vieles mehr. Vergünstigungen gibt es auch bei Autovermietungen, bei Stromverträgen und „Öko-Events“.

Die finanzielle Basis der IG Metall legen die Mitgliedsbeiträge. Dazu heißt es auf der Homepage: „Voll- und Teilzeitbeschäftigte, Auszubildende, dual Studierende und Werkstudenten mit Beschäftigungsverhältnis sowie Solo-Selbstständige zahlen ein Prozent vom monatlichen Bruttoeinkommen. Erwerbslose, Rentnerinnen und Rentner sowie Studierende zahlen einen reduzierten Beitrag. Alle unsere Leistungen finanzieren sich durch die Beiträge unserer Mitglieder. Die Einzelbeiträge von über 2,2 Millionen Menschen machen uns stark und vor allem durchsetzungsfähig.“

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