Vom Alltagsobjekt in Krisenzeiten zum musealen Exponat

Wolfsburg.  Das Stadtmuseum sucht Gegenstände, die für die Coronakrise stehen. Sie sollen in die Sammlung übergehen.

Das Stadtmuseum sucht Corona-Objekte für seine stadtgeschichtliche Sammlung.

Das Stadtmuseum sucht Corona-Objekte für seine stadtgeschichtliche Sammlung.

Foto: Meike Felizitas Netzbandt / Stadtmuseum Wolfsburg

Die Coronakrise wird unsere Zeit prägen – wie wir aber in 15, 20 Jahren oder noch später auf diese Zeit zurückblicken werden, wissen wir noch nicht. „Unsere Aufgabe ist es, die stadtgeschichtlichen Entwicklungen zu dokumentieren und für künftige Generationen zu bewahren“, sagt Monika Kiekenap-Wilhelm von der Stadtmuseen im M2K. Deshalb hat sie einen Aufruf gestartet: Das Museum sammelt „Corona-Objekte“, die in dieser Zeit eine besondere Bedeutung haben.

Doch warum ist die Coronakrise für die Stadtgeschichte überhaupt so interessant? „Sie hat unser Leben in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt“, sagt Kiekenap-Wilhelm. Als dreidimensionales Gedächtnis der Stadt sei es für das Museum wichtig, relevante Gegenstände aus dieser Zeit zu sammeln.

Was sich dahinter verbergen kann, ist ganz unterschiedlich. Von Interesse sei sowohl das ganz alltägliche als auch das besondere, sagt die Museumsleiterin. „Es ist natürlich schwer, aus dem Fundus herauszugreifen, was möglicherweise in Zukunft interessant sein wird. Wir sind alle bloß Kinder unserer Zeit: Wir können nicht wissen, was einen Museumskurator in 20 Jahren interessieren wird.“

Verallgemeinert könnte man sagen: Museal kann sein, was exemplarisch für die Zeit ist. Zum Beispiel der Einkaufszettel der kranken Nachbarin, die in der Coronakrise nicht mehr vor die Tür geht, und deren Einkäufe man erledigt. Oder das Gesellschaftsspiel, dass jeden Abend am Familientisch gespielt wird, als Anker in unruhigen Zeiten, und als Konstant für die Kinder, die gerade so fern von ihrem normalen Alltag, ihren Freunden, Erziehern und Lehrern leben. „Oder das Kochbuch, das schon seit Jahren im Schrank steht, das man nun endlich herauskramt, weil man Zeit zum Kochen hat“, sagt Kiekenap-Wilhelm.

Bei dieser Art von Objekten sei die Geschichte dahinter das Ausschlaggebende. Der Gegenstand allein sei noch kein Exponat, noch kein Sammlungsobjekt. „Die Geschichte lässt die Menschen ins Blickfeld rücken“, so Kiekenap-Wilhelm. Etwas anders gelagert ist die Frage der Relevanz bei Gegenständen wie dem Mundschutz oder dem Regenbogenbild des Kindes: Sie erzählen auch von sich aus von der Coronakrise. Dennoch seien die Menschen hinter den Objekten nie wegzudenken, betont Kiekenap-Wilhelm.

Wer sein Objekt einreichen will, sollte zuerst ein Foto machen und es an stadtmuseum@stadt.wolfsburg.de schicken. „Schon allein dieser Foto-Fundus wird für künftige Generationen unheimlich spannend sein“, so Kiekenap-Wilhelm. Sie und ihr Team entscheiden im Folgenden, welche Gegenstände in die Sammlung übernommen werden: Und womöglich in ein, zwei Jahrzehnten für diese Epoche sprechen werden.

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