Neuer Schub für Wolfsburger Mobilitätszentrum

Wolfsburg.  Auf einem Mobilitätsgipfel in der Autostadt war viel von Hubs die Rede – auch im Zusammenhang mit Wolfsburg.

Ein Umstiegsknoten für öffentliche Verkehrsmittel und den Individualverkehr kann auch stylish sein: So wie die Haltestelle Münchner Freiheit in Schwabing.   

Ein Umstiegsknoten für öffentliche Verkehrsmittel und den Individualverkehr kann auch stylish sein: So wie die Haltestelle Münchner Freiheit in Schwabing.   

Foto: Jörg Hempel / Projekt: OX2architekten

Wenn die Planungen für ein hippes Stadtviertel am Nordkopf und der Heinrich-Nordhoff-Straße wahrwerden, wird es vielleicht auch ein älteres Vorhaben: ein Mobilitätszentrum am Hauptbahnhof. Beziehungsweise ein Hub, wenn man den Begriff wählt, der auf dem zweitägigen, am Freitag zu Ende gegangenen Mobilitätsgipfel in der Autostadt immer wieder fiel, auch im Zusammenhang mit Wolfsburg.

In Zeiten von bis zum Kollaps mit Autos verstopften Innenstädten gewinnen andere Verkehrsmittel in den Überlegungen von Planern und Unternehmen an Bedeutung, und damit auch der bequeme Umstieg von einem Verkehrsmittel auf das andere. Vom Auto in den Bus, in herkömmlich oder autonom fahrende Shuttle-Fahrzeuge, von der Bahn aufs E-Bike, von der U-Bahn auf den Roller oder alles auf einmal, es soll möglichst schnell und unkompliziert gehen, an – oder auch mit Hubs. Denn Einigkeit besteht nicht einmal darüber, ob es sich um ein Gebäude handeln muss, oder ob ein Hub auch eine App sein kann, mit der man ein einziges Ticket für die gesamte Fahrtstrecke kauft, ganz gleich welche Verkehrsmittel auf dem Weg kombiniert werden.

Höchst unterschiedliche Bilder pflanzten die Dozenten in die Köpfe der rund 100 zum Kongress in der Autostadt versammelten Stadtplaner, Wissenschaftler, Unternehmensvertreter und Berater. Die Architektin und Stadtplanerin Ina-Marie Orawiec zeigte Bilder des multimodalen Verkehrszentrums, das ihr Büro OX2architekten für Schwabing entworfen hat. In einer futuristischen Säulenhalle an der „Münchner Freiheit“ kreuzen Fußgänger, fahren Busse und Bahnen vor, in der Nähe halten Taxen, Treppe abwärts geht es in die U-Bahn-Station. Alles spielt sich auf engem Raum ab, laut Orawiec seit Jahren unfallfrei.

Ganz anders stellt sich Maximilian Stark Hubs vor: Der Vorstand der Firma e.2Go findet, die Hubs der Zukunft gehören vor die Stadt, damit die Autos draußen bleiben. Seine Visualisierung zeigte ein gigantisches Parkhaus auf der grünen Wiese, aus dem fahrerlose Kleinbusse rollen. Weil ein Kleinbus weniger Platz verbraucht als viele Autos und vielleicht auch, weil er nach eigenem Bekenntnis großer Autofan ist, sagt Stark: „Wir müssen nicht Autobesitz verringern, sondern die Anzahl der Autos in der Innenstadt.“ Im Prinzip also klassisches Park and Ride, nur mit autonomen Kleinbussen. Eine Zukunftsvision, die den Autobauern gefallen dürfte.

In Wolfsburg gibt es derzeit Pläne für beide Varianten des Hub: Die Alternative Grüne Route soll eines Tages an einer Park-and-Ride-Anlage bei Hehlingen beginnen. Und die ehemalige Stadtbaurätin Monika Thomas trieb die Idee eines Mobilitätszentrums voran, das neben dem ZOB auch E-Bikes und andere Verkehrsmittel am Wolfsburger Hauptbahnhof vereinigen soll. Die Verwirklichung steht noch aus, aber das muss nicht so bleiben: Das Wort Hub tauchte auf dem Kongress auch in den Präsentation des Signa-Projektmanagers Peter Kern für Wolfsburg auf. Kern erklärte zudem nicht nur, dass sein Arbeitgeber den Hauptbahnhof „einbeziehen und weiterdenken“ wolle. Er zeigte auch, wie Signa bei Entwicklungsvorhaben in Berlin Fahrradparkhäuser und Werkstattservices sowie verschiedenste Verkehrsmittel einplant – so dass die Immobilien, wenn man es genau bedenkt, fast schon selbst zum Hub werden.

Wesentlich geringere Dimensionen werden die sieben Hubs haben, die bis 2021 in Städten rund um Karlsruhe entstehen: Würfeldächer sollen über Haltestellen und Fahrradständern darauf hinweisen, dass man dort zwischen Stadtbahn, Bus, Leihrad und Leihauto wechseln kann. Regiomove heißt das Projekt, mit dem der öffentliche Nahverkehr in Karlsruhe besser an die Region angeschlossen werden soll. Die Hubs heißen in Karlsruhe Ports.

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