Krawalle in Wolfsburg – Deeskalation ist die einzigen Option

Wolfsburg.  Die Silvester-Übergriffe in Westhagen verdeutlichen, wie schwierig die Arbeit der Feuerwehrleute geworden ist.

Ein Blick aus einem Klassenraum im Schulzentrum Westhagen. Durch die zerstörte Scheibe warfen Täter an Silvester Böller ins die Räume.

Ein Blick aus einem Klassenraum im Schulzentrum Westhagen. Durch die zerstörte Scheibe warfen Täter an Silvester Böller ins die Räume.

Foto: Anja Weber / regios24

Was tun, wenn es brennt und die Feuerwehr daran gehindert wird, das Feuer zu löschen? Mit dieser paradoxen Situation müssen sich wohl auch Wolfsburgs Feuerwehrleute vertraut machen, nachdem es in der Silvesternacht in Westhagen zu Brandstiftung,
Krawall und Übergriffen auf Polizei und Feuerwehr gekommen ist.

Seine Kollegen seien „überrascht und schockiert“ gewesen, als sie auf dem Marktplatz angegriffen wurden, berichtet Sebastian Conrad von der Berufsfeuerwehr. Er koordinierte den Einsatz mit den Polizeikräften. Brandbekämpfer und Ordnungshüter waren massiv mit Feuerwerksraketen und Leuchtmunition beschossen worden. „In solchen Situationen ist es für die Feuerwehr wichtig, deeskalierend auf die Randalierer einzuwirken, sich zurückzuziehen und die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen“, sagt Conrad. Im Einsatz waren
19 Mitglieder der Berufsfeuerwehr und 13 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte. Wichtig sei, dass keine Einsatzkraft verletzt worden sei. Grundsätzlich, so Conrad, würden Einsätze hinterher mit den Kollegen aufgearbeitet. Die Übergriffe in Westhagen hätten die Mitarbeiter aber zweifellos in eine extreme Situation gebracht.

Solche Situationen sind für die Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet noch die absolute Ausnahme, berichtet Stadtbrandmeister Helmut von Hausen. „Es ist ein großes Ärgernis und ein gesellschaftliches Problem, dass niemand mehr Rücksicht nehmen will“, weiß Wolfsburgs oberster Feuerwehrmann. Auf den Dörfern und in den kleineren Stadtteilen sei das kein Thema, weil man sich dort noch gut kenne. Für den Landesfeuerwehrverband Niedersachsen seien Angriffe während der Einsätze aber schon länger ein Thema. Für Aufsehen hatte ein Vorfall in Wolfenbüttel gesorgt. Dort waren zwei freiwillige Feuerwehrleute während der Brandbekämpfung angegriffen worden. Ein Autofahrer fuhr einem der beiden über den Fuß. Laut Innenministerium wurden 2017 insgesamt 215 Angriffe auf Angehörige von Rettungsdiensten in Niedersachsen bekannt. Vorbeugung ist kaum zu leisten. „Wir können mit den Menschen reden. Aber an die eigentlichen Täter heranzukommen, bleibt natürlich schwierig“, resümiert von Hausen und spricht von einer „trostlosen Entwicklung“.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (1)