Die Mieten sind im Schnitt moderat

Das gilt auch für Kaufpreise. In Braunschweig und Wolfsburg steigen die Preise allerdings schneller als im Umland.

Spatenstich für das Westend in den Steimker Gärten, Baufeld 1.2. vl: Jürgen Koch, Thomas Herzig, Kai-Uwe Hirschheide, Daniel Manthey, Ralf Sawalski, Hermann Norkauer und Detlef Conradt.

Spatenstich für das Westend in den Steimker Gärten, Baufeld 1.2. vl: Jürgen Koch, Thomas Herzig, Kai-Uwe Hirschheide, Daniel Manthey, Ralf Sawalski, Hermann Norkauer und Detlef Conradt.

Foto: Helge Landmann / regios24

Verhältnisse wie in den Metropolen München, Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart gibt es in der Region Braunschweig-Wolfsburg nicht. Für den Preis einer Münchner Eigentumswohnung erhalten Käufer in Braunschweig im Schnitt zweieinhalb Wohnungen. Im Landkreis Goslar sind es sogar fünfeinhalb Wohnungen. Der Preis pro Quadratmeter liegt in München im Schnitt bei knapp 7000 Euro, in Braunschweig hingegen sind es 2620 Euro, im Landkreis Goslar sogar nur 1234 Euro.

Das zeigt eine Studie der Marktforschungsgesellschaft F+B. Die Hamburger haben die Daten extra für diese Zeitung aufbereitet. Die Gesellschaft erstellt regelmäßig Mietspiegel für deutsche Städte und Gemeinden. Als Vergleichsbasis für Miet- und Kaufpreise zogen die Hamburger eine zehn Jahre alte und 75 Quadratmeter große Wohnung mittleren Standards heran.

Bei den Mietpreisen im Bestand steht die Region Braunschweig-Wolfsburg im Vergleich zu den hochpreisigen Metropolen und den Regionen in Süddeutschland ebenfalls relativ gut da. Auf einem etwas erhöhten Niveau bewegen sich Braunschweig und Wolfsburg mit 6,75 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 6,97 Euro. In den Metropolen liegen auch die Mietpreise im Bestand schon bei 10 Euro pro Quadratmeter und mehr.

In sämtlichen Landkreisen der Region und auch in der Stadt Salzgitter bewegen sich die Preise bei Bestandsmieten zwischen fünf und sechs Euro. Alles gut soweit. Das sagt auch F+B-Experte Manfred Neuhöfer: „Im Deutschlandvergleich ist das Mietniveau in der Region moderat. Ausnahmen nach oben sind Braunschweig und Wolfsburg – also die wirtschaftsstärksten Standorte.“

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Seine Einschätzung allgemein zur Region Braunschweig-Wolfsburg: „Sie ist stark von Volkswagen und seinen Zulieferbetrieben geprägt. Je nachdem, wie sich VW an den Wandel hin zur Elektromobilität anpassen kann, beeinflusst dies auch die Perspektive auf den regionalen Immobilienmärkten.“

Das Einkommensniveau bei VW sei hoch, sagte Neuhöfer. „Entsprechend sind auch die Immobilienpreise in Wolfsburg und Teilen der Umgebung. Kommt es hier zu einem Arbeitsplatzabbau, wird dies negative Auswirkungen auf Mieten und Preise haben.“

Der Experte gab auch eine Einschätzung zum Markt in Braunschweig ab. Er sagte: „Die Stadt ist und bleibt mit seiner Universität und seinen Forschungseinrichtungen sowie als Einkaufszentrum für sein Umland stabil.“

Und zur dritten Großstadt der Region, Salzgitter, erklärte Neuhöfer: „Salzgitter hat sich nach unserer Beobachtung auf niedrigem Niveau stabilisiert, auch durch die Zuzüge von Flüchtlingen, die geholfen haben, Wohnungsleerstände abzubauen.“

18.000 Wohnungen fehlen bis 2025

Wichtig ist es laut Neuhöfer, auch in den Landkreisen, nicht nur in Braunschweig und Wolfsburg, eine vernünftige Breitbandanbindung zu schaffen. „Das ist heutige wichtiger als ein Autobahnanschluss“, sagte er.

Neumieter müssen auch in der Region Braunschweig-Wolfsburg mehr auf den Tisch legen. In Braunschweig sind es laut F+B 7,58 Euro pro Quadratmeter, in Wolfsburg mit 8,15 Euro noch etwas mehr. Unter den Landkreisen liegt einzig Gifhorn über der 7-Euro-Schwelle. Doch auch hier gilt: Dieser Preis wird im Schnitt der deutschen Kommunen mit Mietspiegeln bereits bei Bestandsmieten gezahlt. Bei Neuvermietungen liegt er im Schnitt bei etwa 10 Euro. In Salzgitter oder im Landkreis Goslar zahlen Neumieter fast nur die Hälfte davon.

Zur vollen Wahrheit gehört auch im Raum zwischen Harz und Heide, dass trotz der zuweilen moderaten Preise ein großer Bedarf an neuen Wohnungen besteht.

Fast flächendeckend werden in der Region Braunschweig-Wolfsburg Wohnungen benötigt. Das war das Ergebnis des Wohnungsmarktberichts, den Niedersachsens Bauminister Olaf Lies (SPD) im Juli vorstellte. Demnach fehlen zwischen Harz und Heide bis 2025 laut Prognose knapp 18.000 Wohnungen. Alleine für die Stadt Braunschweig rechnet die Landesregierung mit einem Baubedarf von 7200 Wohnungen. Gifhorn ist mit der Hälfte des Braunschweiger Wertes der am stärksten betroffene Landkreis.

6000 Wohnungen in Braunschweig

In Wolfsburg sind es immerhin 1750 Wohnungen, in Salzgitter 1320. Der Kreis Peine muss ebenso tätig werden: Hier fehlen 1430 Wohnungen, in den Kreisen Wolfenbüttel und Helmstedt sind es 500 bis 600 Wohnungen. Lediglich der Kreis Goslar fällt ab: Hier droht ein Leerstand von 1150 Wohnungen.

Diese Zahlen untermauern die Diskussion um bezahlbares Wohnen. „Die größte Herausforderung in Niedersachsen bleibt für die nächsten Jahre die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“, sagte Minister Lies.

Denn trotz der meistens moderaten Preise sind die Mieten und Kaufpreise in Niedersachsen zum Teil drastisch angezogen. Wer 2018 eine Eigentumswohnung in Niedersachsen kaufen wollte, musste dem Bericht zufolge 68 Prozent mehr bezahlen als 2010 – in Braunschweig waren es sogar 78 Prozent. Kaufpreise für ein gebrauchtes Ein- oder Zweifamilienhaus lagen im Mittel bei 190.000 Euro und damit um durchschnittlich 54 Prozent über denen von 2010. Das Plus bei den Mieten wurde mit 32 Prozent angegeben.

Auch in Wolfsburg tut sich einiges

In Braunschweig ist das Problem längst bekannt. Schon vor zwei Jahren hatte der Rat der Stadt ein „Handlungskonzept für bezahlbaren Wohnraum“ beschlossen. Zur Orientierung: Von 2014 bis Ende 2018 wurden in Braunschweig insgesamt rund 3000 neue Wohnungen gebaut, davon fast 2200 im Geschosswohnungsbau. Bis Ende 2020 könnten nach Schätzungen der Stadt weitere 2000 Wohneinheiten in Ein- und Mehrfamilienhäusern hinzukommen. Außerdem will die Verwaltung bis 2025 den Bau von insgesamt 6000 Wohneinheiten auf den Weg bringen.

Auch in Wolfsburg tut sich etwas. Sieben Jahre nach dem Start der Wolfsburger Wohnungsbauoffensive steigt die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sprunghaft an. 800 bis 900 Einheiten sollen in diesem Jahr, 2020 und 2021 jeweils auf den Markt kommen, 2022 sogar mehr als 1500.

Der Wohnungsmarkt in Wolfsburg ist sowieso speziell. In Wolfsburg gibt es die besondere Situation, dass die drei Wohnungsgesellschaften Neuland, Volkswagen Immobilien und Allertal Immobilien zirka 60 Prozent und damit den größten Teil der Mietwohnungen in Wolfsburg besitzen.

Lies mahnte, den ländlichen Raum nicht zu vernachlässigen.„Die Kernaufgabe ist nicht, die Stadt so attraktiv zu machen, dass wir das Land entvölkern“, sagte der SPD-Politiker. Mit Blick auf die Region Braunschweig-Wolfsburg kann angesichts der Zahlen von einer Entvölkerung der Landkreise keine Rede sein. Familien zögen wegen hoher Kosten in den Städten vermehrt aufs Land, sagte auch Lies. Daher müssten etwa der öffentliche Nahverkehr und schnelle Internetverbindungen ausgebaut werden.

Der Wohnungsmarktbericht des Landes Niedersachsen wird alle zwei Jahre veröffentlicht und gilt in der Wirtschaft, in der Politik und in Kommunen als Entscheidungsgrundlage. Es gebe immer mehr kleine Einkommen, aber immer weniger Sozialwohnungen, warnte Michael Kiesewetter, Vorstand der NBank, die den Bericht erstellt hat. Das Land will mit einer Summe von 400 Millionen Euro Anreize liefern, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Bis 2023 würden mit Hilfen des Bundes 1,7 Milliarden Euro für den geförderten Wohnungsbau bereitgestellt.

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