Kontaktstelle Wolfsburg: Sicherer Hafen für psychisch Kranke

Wolfsburg.  Seit zehn Jahren bietet die Kontaktstelle in der Kleiststraße psychisch kranken Wolfsburgern Unterhaltung, Struktur, Austausch und Beratung.

Von links: Die Sozialarbeiterin Merle Multerer ist das Gesicht der Kontaktstelle.  Sabrina, deren Nachname nicht in der Zeitung stehen soll, besucht die Einrichtung seit 2014. Silvia Kösters leitet die Tagesstätte La Vie, Kooperationspartnerin der Kontaktstelle.

Von links: Die Sozialarbeiterin Merle Multerer ist das Gesicht der Kontaktstelle. Sabrina, deren Nachname nicht in der Zeitung stehen soll, besucht die Einrichtung seit 2014. Silvia Kösters leitet die Tagesstätte La Vie, Kooperationspartnerin der Kontaktstelle.

Foto: Giesecke

Merle Multerer, Christiane Wolter, Silvia Kösters und Sabrina, deren Nachname nicht in der Zeitung stehen soll, planen ein Fest. Am Donnerstag, 12. September, soll das zehnjährige Bestehen der Kontaktstelle für psychisch kranke Menschen ordentlich gefeiert werden – mit Kaffee und Kuchen, Reden und Musik, einer Ausstellung der Malgruppe und einer Präsentation der Einrichtung selbst.

Sie befindet sich zentral gelegen in der Kleiststraße, gleich neben der Wolfsburger Tafel. Das ehemalige Ladengeschäft ist freundlich eingerichtet: gelbe Wände, Sitzgruppen. Auf der Theke steht eine Warmhaltekanne neben Bechern, in den Regalen stapeln sich Gesellschaftsspiele. Hierher verbringen Berufstätige und Frührentner ihre Zeit, junge Menschen und Wolfsburger im Alter zwischen 40 und 60. Was sie gemeinsam haben: Sie leiden unter Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten. Manche haben einen Aufenthalt im Awo-Psychiatriezentrum hinter sich oder wurden gerade aus der Tagesklinik entlassen. Manche leben im ambulant betreuten Einzelwohnen. Sabrina kommt in die Kontaktstelle, seit sie 2014 nach Wolfsburg gezogen ist. Sie ist in der Trommel- und der Malgruppe, hilft bei der Gestaltung der Schaufenster, bei der Vorbereitung von Festen, ist da, wenn Hochbeete angelegt werden. Zusammen, sagt sie, schaffe man ganz viel, was man zu Hause während der Krankheit nicht schaffe. Die Kontaktstelle ist für sie so etwas wie ein sicherer Hafen: Hier ist immer jemand, mit dem sie sprechen kann, hier hat sie Freundschaften geschlossen.

Das ist Konzept. Die Besucher kommen miteinander in Kontakt, tauschen sich über Schwierigkeiten aus, erhalten Anstöße und Informationen. Die Mitarbeiter beraten niedrigschwellig, neben der Tür liegen Flyer und Broschüren aus. Die Räume stellt die Stadt Wolfsburg. Sie finanziert auch eine Stelle. Betrieben wird die Kontaktstelle von der Diakonischen Jugend- und Familienhilfe Kästorf in Kooperation mit der Tagesstätte Lavie. „Wir sind die einzige Anlaufstelle, wo Leute mit psychischen Krankheiten hinkommen können“, sagt Christiane Wolter, die sowohl die Kontaktstelle als auch das Ambulant Betreute Wohnen leitet. „Es ist wichtig, überhaupt erstmal aus der Isolation herauszukommen“, verdeutlicht Lavie-Leiterin Silvia Kösters.

Montags trifft sich in der Kontaktstelle die Malgruppe, mittwochs die Trommelgruppe, dienstags wird gekocht, und donnerstags ist Gedächtnistraining. Besucher, Angehörige und Experten tauschen sich in einer Selbsthilfegruppe namens „Trau Dich“ aus. Die Idee, ein integratives Café zu betreiben, scheitert bislang an Platzmangel. Die Beratungsstelle ist täglich geöffnet, auch samstags, sonntags und an vielen Feiertagen. Wer sie kennenlernen möchte, kann am 12. September zwischen 13 und 17 Uhr in der Kleiststraße 37 vorbeischauen.

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