Eichenprozessionsspinner darf in Wolfsburg weiterknabbern

Wolfsburg.  Der Landkreis Gifhorn hat dem Eichenprozessionsspinner den Kampf angesagt. In Wolfsburg werden 2019 dagegen keine Helikopter starten.

2013 wurde im Wolfsburger Stadtwald der Frostspanner mit Gift bekämpft.

2013 wurde im Wolfsburger Stadtwald der Frostspanner mit Gift bekämpft.

Foto: Anja Weber / Regios24 (Archiv)

Sechs Jahre nach dem großflächigen Einsatz des Insektengiftes Dipel ES im Wolfsburger Stadtwald warnt Dirk Schäfer erneut vor einem Kahlfraß der Eichen. Die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners bereitet dem Stadtförster Sorge. Der Landkreis Gifhorn versucht seit Montag, des Problems mit einem Biopestizid Herr zu werden. Die Stadt Wolfsburg plant erst einmal nichts dergleichen.

Dabei kann sich der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses Ralf Mühlisch (SPD) gut vorstellen, der Naherholung zuliebe Giftflieger loszuschicken. „Wenn der Wald voller Eichenprozessionsspinner ist, kann man nicht mehr spazieren gehen oder Fahrrad fahren“, sagt er. Eine Bedingung allerdings würde Mühlisch erfüllt sehen wollen: Dass die Anwohner kein Gift abbekommen. „Das müsste sichergestellt werden, dann bin ich dafür. Das Zeug ist ja eine endlose Plage.“

Ganz klar für eine gezielte Bekämpfung der laubfressenden Raupen ist Bastian Zimmermann (Die Linke). Er hat sich schon bei Schäfers Besuch im Ortsrat Stadtmitte erkundigt, was gegen den Schädling getan wird. Nicht nur dem Menschen, sondern auch dem Wald könne durch den Prozessionsspinner erheblicher Schaden zugefügt werden, warnt Zimmermann.

Die Grüne Katrin Weidmann lehnt einen Gifteinsatz ab. „Mir gefällt diese Variante nicht, weil es unweigerlich zur Vergiftung anderer Naturteile beitrüge“, erläutert sie. „Ein anderes Verfahren wäre mir deutlich sympathischer.“ Aus Sicht der PUG gibt es genügend Alternativen zum Einsatz von Gift. Man könne nichts tun und darauf hoffen, dass sich das biologische Gleichgewicht wieder einstellt, fängt Umweltausschuss-Mitglied Andreas Klaffehn mit seiner Aufzählung an. Man könne die Öffentlichkeit warnen, befallene Waldstücke absperren, biologische Mittel einsetzen, die Raupen von den Bäumen absaugen. „Die chemische Keule sollte das allerallerallerletzte Mittel sein.“

Für den Umweltausschuss-Vorsitzenden Günter Lach (CDU) war ein erneuter Gifteinsatz im Wolfsburger Wald bislang kein Thema. Jetzt, da nur wenige Kilometer von seinem Wohnort Vorsfelde entfernt die Gifhorner Helikoptereinsätze starten und enden, beschäftigt ihn der Eichenprozessionsspinner doch. Lach will bei den Forstverwaltungen und der Naturschutzbehörde Informationen über das Ausmaß des Befalls einholen.

Aus dem Rathaus heißt es auf Anfrage, aktuell sei ein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unzulässig. Voraussetzung dafür wäre nach Auskunft von Pressereferentin Sabrina Dünschede eine sorgfältige, über Jahre geführte Dokumentation des Raupenbefalls. Eine solche gibt es noch nicht. Die Stadtforst wird die weitere Entwicklung nun beobachten und dokumentieren. In den vergangenen Jahren habe sie eine Zunahme des Eichenprozessionsspinners beobachtet, schreibt Dünschedes Kollege Ralf Schmidt. Eine weitere Zunahme sei zu befürchten. „Sollten sich die Zustände ändern (verschlechtern) muss die Vorgehensweise laut Stadtforst grundsätzlich überdacht werden“, so Schmidt. „Aus Gründen der Gefahrenabwehr/Gesundheitsvorsorge und des Arbeitsschutzes und zum Schutz der alten Eichenwälder.“

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