Wolfsburger Firma Ruess beschäftigt zehn Flüchtlinge

Wolfsburg.   Erst war es ein Flüchtling, nun arbeiten zehn bei der Wolfsburger Firma Ruess. Das Familienunternehmen ist froh über Personal, das bleiben will.

Yussuf Mohamad (links) und Aziz Abdiaziz haben bei der Firma Ruess Arbeit gefunden. Die Caritas-Ehrenamtliche Anja Ludwig half ihnen, diese Jobs zu finden. Rechts: Firmeninhaber Henrik Rueß und Geschäftsfeldleiter Daniel Simon.

Yussuf Mohamad (links) und Aziz Abdiaziz haben bei der Firma Ruess Arbeit gefunden. Die Caritas-Ehrenamtliche Anja Ludwig half ihnen, diese Jobs zu finden. Rechts: Firmeninhaber Henrik Rueß und Geschäftsfeldleiter Daniel Simon.

Foto: Stephanie Giesecke

Viele Unternehmen finden keine Mitarbeiter. Auf der anderen Seite warten Flüchtlinge nur auf eine Chance, in Wolfsburg Fuß zu fassen. Dass da etwas zusammenpasst, hat auch die Firma Ruess für sich entdeckt. Von den 230 Mitarbeitern, die das Textilreinigungsunternehmen beschäftigt, sind zehn Männer, die als Asylbewerber nach Deutschland kamen.

„Das Engagement dieser Firma ist wirklich hervorstechend. Die Arbeit ist nicht irgendeine Arbeit, sie gibt wirklich eine Perspektive für die Zukunft“, lobt Anja Ludwig. Zwei Jahre ist es her, dass die Caritas-Ehrenamtliche erstmals einen jungen Mann aus dem Sudan zum Vorstellungsgespräch in das Gewerbegebiet Heinenkamp begleitete. 2018 konnte er bei Ruess anfangen.

Viele Flüchtlinge finden schwer Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt, weil sie keine Ausbildung vorweisen können. Bei Ruess ist das kein Problem. Wäsche vorsortieren, Maschinen bedienen, die Sauberkeit der gereinigten Wäsche kontrollieren: Das lässt sich schnell lernen. Dennoch bekommt nicht jeder Bewerber eine Zusage von Personalreferentin Malaika Lehner. Anfangen darf bei Ruess nur, wer lesen und schreiben kann und in der Lage ist, sich auf Deutsch mit den Arbeitskollegen zu verständigen. Geschäftsfeldleiter Daniel Simon berichtet, dass in Vorstellungsgesprächen auch thematisiert werde, ob die Bewerber Frauen als Vorgesetzte akzeptieren. Lehner – lange blonde Haare, figurbetontes Kleid, hohe Absätze – lacht: „Mit mir haben sie gleich die Konfrontationstherapie.“

Um die Abläufe im Arbeitsalltag zu erleichtern, hat die Firma Ruess gleich zu Anfang einen Sprachlehrer eingestellt. Zwei Kurse gibt er im Heinenkamp, jeden Samstag lernen die Teilnehmer Vokabeln, die sie im Job gebrauchen können. Erste Abschlussprüfungen gab es auch schon: In einem gestellten Telefongespräch, also ohne die Hilfe von Mimik und Gestik, waren die Abläufe in der Frühschicht zu erklären.

Ins Team sind die Flüchtlinge bestens integriert: Sie gehen mit zum Kegeln und überraschten beim letzten Sommerfest, das erstmals als Fest der Kulturen gefeiert wurde, mit exotischen Speisen und Getränken. Anja Ludwig lobt, dass sich die Männer in der Firma wohl und sicher fühlen. Sie hat in einem anderen Unternehmen erlebt, dass Flüchtlinge aufgrund ihrer Hautfarbe von Kollegen gemobbt wurden. „Wenn versteckter Rassismus herrscht, können sie sich nicht entfalten“, sagt sie.

Ruess hat früher auch Zeitarbeiter aus Osteuropa beschäftigt, aber die leidvolle Erfahrung gemacht, dass sie irgendwann alle zurück in die Heimat wollten. Firmeninhaber Henrik Rueß rechnet damit, dass die Arbeitsverträge der Flüchtlinge verlängert werden. Er betont, dass das nicht aus Altruismus geschieht: „Wir beschäftigen die Menschen nicht, weil wir helfen wollen, sondern weil sie einen guten Job machen. Sie verdienen sich ihren Arbeitsplatz.“

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