Intensivtäter hält Wolfsburger Polizei in Atem

Wolfsburg.  Ein 27-jähriger Asylbewerber wird fast täglich straffällig. Ins Gefängnis musste er deshalb noch nicht.

Der 27-jährige Malier (links) ist der Polizei seit langer Zeit bekannt. Fast täglich müssen die Beamten neue Anzeigen aufnehmen. Zuletzt war der Asylbewerber nach einem Streit mit einem Algerier am Nordkopf mit einem Messer im Gesicht verletzt worden. In dem Fall laufen die Ermittlungen noch.

Der 27-jährige Malier (links) ist der Polizei seit langer Zeit bekannt. Fast täglich müssen die Beamten neue Anzeigen aufnehmen. Zuletzt war der Asylbewerber nach einem Streit mit einem Algerier am Nordkopf mit einem Messer im Gesicht verletzt worden. In dem Fall laufen die Ermittlungen noch.

Foto: Hendrik Rasehorn / Archiv

Er läuft schreiend oder fluchend durch die Porschestraße, klettert auf Autos und tanzt vorbeigehende Passanten an. Er klaut, nimmt Drogen und trinkt viel zu viel Alkohol. Er schlägt, beißt und tritt Polizisten und hat in zahlreichen Geschäften Hausverbot. Ein 27-jähriger Asylbewerber aus Mali beschäftigt seit mehr als eineinhalb Jahren die Wolfsburger Polizei.

Seine ohnehin schon dicke Strafakte füllt sich immer mehr. „Wir haben mit dem Mann mehrfach in der Woche zu tun, in Spitzenzeiten sogar mehrfach am Tag“, sagt Polizeisprecher Henrik von Wahl. „Diese Einsätze belasten die Kollegen. Wir hoffen, dass dieser Zustand nicht noch länger anhält.“

Der 27-Jährige ist mehrfach vorbestraft

Zuletzt negativ aufgefallen war der Malier, als er am 1. Mai den Demonstrationszug vom Gewerkschaftshaus der IG Metall am Nordkopf gestört hatte. Polizisten nahmen ihn wieder mit zur Wache in der Heßlinger Straße, wo er bereits die Nacht verbracht hatte. Am Gründonnerstag war er nach einem Streit auf dem Sara-Frenkel-Platz von einem 42-jährigen Algerier mit einem Klappmesser im Gesicht verletzt worden. Etliche Passanten bekamen den Polizei- und Notarzteinsatz mit.

Auch Staatsanwaltschaft und Gericht ist der 27-Jährige hinlänglich bekannt. „Der Mann ist mehrfach vorbestraft – unter anderem wegen Widerstands, Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, sexueller Belästigung, Diebstahls und Sachbeschädigung“, erklärt Christian Wolters, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die erste Tat wurde am 7. Oktober 2017 angezeigt. Erstmals verurteilt wurde der Mann am 16. März 2018, die jüngste Verurteilung stammt vom 28. Januar 2019. Seitdem steht er unter Bewährung (6 Monate).

Fünf Anklagen müssen noch verhandelt werden

Fünf weitere Anklagen gegen den 27-Jährigen sind laut Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Wolfsburg anhängig:

– Wegen dreifacher Sachbeschädigung, darunter in zwei Fällen Beschädigungen in Gewahrsamszellen der Polizei, neunfachen Ladendiebstahls (unter anderem wiederholt Alkoholika) und Hausfriedensbruchs. Tatzeiten: Zwischen dem 20. Oktober 2018 und 4. März 2019.

– Wegen räuberischen Diebstahls, Körperverletzung sowie zweifachen Ladendiebstahls. Der 27-Jährige versuchte, bei C&A eine Jacke und zwei Hosen zu stehlen. Als er vom Ladendetektiv dabei erwischt wurde, holte er mit einer Flasche zum Schlag aus. Der Detektiv konnte ausweichen. Die Polizei nahm den Malier fest. Tatzeiten: 28. Dezember 2018 bis 9. Januar 2019.

– Wegen Körperverletzung, zweifacher Sachbeschädigung (beide Male in einer Gewahrsamszelle der Polizei) sowie Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung (Anspucken eines Polizeibeamten in einer Gewahrsamszelle). Tatzeiten: 24. Januar bis 4. März.

– Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter Körperverletzung. Am 21. Februar versuchte der Mann, einen Polizisten anzuspucken und zu beißen.

– Wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Ladendiebstahl. Tatzeiten: 20. und 30. März.

„Wegen eines weiteren räuberischen Diebstahls sowie weiterer Ladendiebstähle im April wird zudem in Kürze Anklage erhoben werden“, sagt Staatsanwalt Wolters.

Beschuldigter hat festen Wohnsitz

Angesichts dieses Strafregisters stellt sich die Frage: Warum sitzt der 27-Jährige nicht in Untersuchungshaft? „Um jemanden in Haft zu nehmen, bedarf es neben eines dringenden Tatverdachts auch immer eines Haftgrundes“, erläutert Wolters. „Angesichts des festen Wohnsitzes des Beschuldigten kommt ausschließlich Wiederholungsgefahr in Betracht, für die es aber erforderlich ist, dass der Beschuldigte Taten aus einem bestimmten Straftatenkatalog (§ 112a StPO) begeht. Sachbeschädigung, einfacher Diebstahl, einfache Körperverletzung oder Widerstand fallen beispielsweise nicht darunter, räuberischer Diebstahl hingegen schon.“

KOMMENTAR

Von Markus Kutscher

Die Zahl der Anzeigen gegen einen 27-jährigen Malier steigt fast täglich. Mehr als 50 sollen mittlerweile gegen den in Wolfsburg lebenden Asylbewerber vorliegen, der in der Innenstadt seit Monaten Angst und Schrecken verbreitet. Wie frustrierend muss es für die Polizeibeamten sein, wenn sie diesen Mann jeden Tag wieder vor sich stehen haben? Ganz zu schweigen von der Gefahr, die von dem oft extrem aggressiv auftretenden Mann ausgeht, der auch vor körperlicher Gewalt gegenüber Polizisten nicht zurückschreckt. Auch wenn vielleicht manche seiner Taten nur Bagatelldelikte sind – warum ein solcher Intensivtäter bisher um eine Gefängnisstrafe herumgekommen ist, ist für einen juristischen Laien nur schwer nachvollziehbar.

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