Cleverness ist stärker als Geiz

Wolfsburg.  Das Neue Globe-Theater begeistert im Wolfsburger Scharoun-Theater mit Molières „Die Streiche des Scapin“.

Gespielt in der Kleidung des 17. Jahrhunderts: „Die Streiche des Scapin“.

Gespielt in der Kleidung des 17. Jahrhunderts: „Die Streiche des Scapin“.

Foto: LARS LANDMANN / Regios 24

Voilà, eine Komödie, eine europäische: „Die Streiche des Scapin“ in der Fassung von Peter Lotschak (Neues Globe-Theater, Potsdam). Darin verband Molière bereits 1671 französischen Feinsinn und Eleganz mit dem Witz und den Figuren der italienischen Commedia dell’arte.

Scapin (Scappino) ist ein so verschlagener Diener wie Arlecchino und Pulcinella, in dessen Heimatstadt Neapel die Komödie spielt. Lotschak fügt dem Verwirrspiel noch Elemente derben Humors aus dem zeitgleich von Shakespeare entwickelten, englischen Theater hinzu. So gut miteinander verwoben und aufeinander abgestimmt, dass das Publikum im Scharoun-Theater am Mittwochabend immer wieder lauthals lacht, einfach lachen muss.

Molière machte aus den Masken der „comédie italienne“ Charaktere: die Kaufleute Argante, genannt Brécourt (Andreas Erfurth), und Géronte, genannt La Grange (Kai Friedrich Schrickel), sind so geizig wie reich. Darin ähneln sie dem wohlhabenden Venezianer Pantalone. Aber sie haben auch sehr persönliche Züge. So ist Argante cleverer, gewitzter und einsichtiger als der eher tumbe Geldmann La Grange.

Gleichviel, beide legt der gewitzte Scapin herein. Denn beider Söhne, Oktave (Michel Baron) und Léandre (Dierk Prawdzik), haben sich unsterblich verliebt, im Falle Oktaves sogar ohne väterliches Wissen verheiratet. Und beide benötigen dringend viel Geld, um ihre Köpfe aus ihren Schlingen zu ziehen.

Scapin regelt alles. Mit Ideen, sicherem Auftreten, dreisten Lügen, vor allem der Kunst, die beiden Kaufleute und deren tumbe Söhne zu durchschauen. Sie werden zu Marionetten in seiner Regie, assistiert von Oktaves Diener (Alexander Jachik). Da blitzen die Augen, amüsiert Wortwitz, lacht der Schalk, lächelt der Triumph, blickt entsetzt der Stumpfsinn. Und belebt die Liebe, der weibliche Charme. Denn Giacinta, also Oktaves Frau (Rike Joeinig) und Zerbinetta, die Geliebte Léandres (Petra Wolf) entpuppen sich am Ende als durchaus adäquate Partien.

Gespielt in der Kleidung des 17. Jahrhunderts, weil die Potsdamer in der Rahmenhandlung die Geschichte Molières einbringen: ein Komödiendichter, der provoziert. Scapin desavouiert das aufkommende Bürgertum als geldgierig: der Geiz ist fast so stark wie die Vaterliebe. Starker, langer Beifall. k-k

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