Sorgenkind Golf – selbst beim Modell 8 gibt es Probleme

Wolfsburg.  Der Golf 7 kommt nicht aus dem Absatztief. Und bei seinem mit Elektronik vollgestopften Nachfolger soll die Anlaufkurve flacher ausfallen.

Ein Mitarbeiter schraubt im Karosseriebau an einem Volkswagen. Die Modell aus Wolfsburg verkaufen sich derzeit extrem unterschiedlich. Vor allem der Golf-Absatz ist unbefriedigend.

Ein Mitarbeiter schraubt im Karosseriebau an einem Volkswagen. Die Modell aus Wolfsburg verkaufen sich derzeit extrem unterschiedlich. Vor allem der Golf-Absatz ist unbefriedigend.

Foto: Christophe Gateau/picture alliance/dpa

Seit 45 Jahren ist der Golf die Basis des Erfolges der Kernmarke Volkswagen. Der Käfer-Nachfolger, der 1974 zum Namensgeber einer völlig neuen Fahrzeugklasse wurde, sicherte vor allem die Jobs in Wolfsburg, das nicht von ungefähr einst zu Werbezwecken in Golfsburg umbenannt wurde. Jetzt aber zieht die Golfdämmerung herauf. Und dafür gibt es einige Gründe.

Die siebte Golf-Generation ist inzwischen ein Auslaufmodell. Im Herbst folgt der achte Sprössling der erfolgsverwöhnten Auto-Familie. Der Golf 8 wird vor allem im Bereich der Assistenzsysteme und Bedienfunktionen in eine neue Dimension vorstoßen. Das ist eine mögliche Erklärung für die Kaufzurückhaltung der Kunden. Eine andere ist wesentlich schwerwiegender. Der Trend in Deutschland und weltweit geht zu jenen Fahrzeugen mit erhöhtem Einstieg, die vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in die Fahrzeugsegmente Geländewagen und SUV eingruppiert werden. Volkswagen-Chef Herbert Diess setzt voll und ganz auf einen anhaltenden Boom dieser Fahrzeuge. In Genf wurde in dieser Woche mit dem T-Cross ein weiteres SUV vorgestellt.

Dem Golf setzt all dies derzeit mächtig zu. In den ersten beiden Monaten des Jahres summierte sich der Absatzrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 17,3 Prozent (Quelle: KBA Flensburg). Im Februar betrug das Minus 11,6 Prozent. Die Kompaktklasse insgesamt verlor 7,9 Prozent im Januar und Februar. Der Anteil der Kompaktklasse am Gesamtmarkt liegt bei 21,1 Prozent. In die Zange genommen wird das Kompakt-Segment von den Geländewagen und den SUV. Beide Fahrzeugklassen verzeichnen konstant Zuwächse. Der Tiguan und der Touareg von VW wurden vom KBA der Geländewagen-Klasse zugeschlagen, bei den SUV geht der in Portugal gefertigte T-Roc für VW ins Rennen. Seit diesem Jahr kommt der kleinere T-Cross hinzu. Beide Klassen verzeichnen kontinuierlich Zuwächse.

Bei den Geländewagen waren es in diesem Jahr bislang 7,2 Prozent. Der Tiguan steht trotz eines starken Februar-Ergebnisses (plus 12,1 Prozent) bislang mit 2 Prozent im Minus. Der Trend ist aber anhaltend positiv. Bei den SUV ist der Gesamtabsatz in den ersten zwei Monaten sogar um 16,6 Prozent gestiegen. Der T-Roc verkauft sich anderthalb Jahre nach Markteinführung sehr gut. Über 9500 Einheiten wurden allein seit Jahresbeginn verkauft. Der Golf kann dieser Dynamik derzeit nichts entgegensetzen. Auch das Sondermodell IQ kann den Absatztrend derzeit nicht stoppen. Und: Bei den Anlaufvorbereitungen für den mit vielen digitalen Funktionen aufgewerteten Hoffnungsträger Golf 8 läuft es ebenfalls nicht rund. Schon seit geraumer Zeit ist zu hören, dass die Anlaufkurve nach den Sommerferien flacher als geplant ausfallen wird. Eine Anfrage unserer Zeitung blieb bislang unbeantwortet. Das spricht derzeit nicht dafür, dass mehr Autos als im Vorjahr (704.000) gebaut werden können. Für Wolfsburg sind das keine guten Nachrichten.

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