Volkswagen streicht Golf-Schicht im Stammwerk Wolfsburg

Wolfsburg.  Die Nachfrage nach dem einstigen VW-Star ist niedrig. Nun die Konsequenz: VW streicht eine komplette Schicht – unbefristet.

Die Golf-Montage im Volkswagen-Werk in Wolfsburg. Ab März wird eine Schicht gestrichen.

Die Golf-Montage im Volkswagen-Werk in Wolfsburg. Ab März wird eine Schicht gestrichen.

Foto: Volkswagen AG / Wolfsburger Nachrichten

Schlechte Nachrichten für die künftige Golf-Hochburg Wolfsburg. Wegen unbefriedigender Kundennachfrage nach der siebten Generation des Kompakt-Klassikers und des Derivates Sportsvan wird ab März die Schicht 2 der Montagelinie 2 auf unbegrenzte Zeit gestrichen. Der Nachfolger Golf 8 kommt erst im Herbst auf den Markt. Bis dahin wird sich an der ungenügenden Auslastung des Stammwerkes wohl nichts ändern.

240 VW-Mitarbeiter sind betroffen

Betroffen sind rund 240 Mitarbeiter, die jetzt auf andere Montagelinien verteilt werden. Der Betriebsrat sieht die Maßnahme des Managements kritisch und trug sie nur unter einer Bedingung mit. „Der Betriebsrat hat dafür gesorgt, dass sich keine Kollegin und kein Kollege beim Entgelt schlechter stellt“, betont der zuständige Betriebsratskoordinator Jürgen Hildebrandt. Die Zahl der Mitarbeiter und die Anzahl der derzeit produzierten Fahrzeuge bleibt trotz der Schichtstreichung zwar stabil. Aber Fakt bleibt, dass man in Wolfsburg von der normalen Auslastung (ohne Extraschichten und Wochenendschichten) von 3850 Autos täglich deutlich entfernt ist.

Werkleiter Stefan Loth erklärt, warum die Umstellung nur die Linie 2 betrifft: „Im vergangenen Jahr haben wir bereits die Montagelinie 3 erfolgreich neu getaktet. Die Arbeit hat sich gelohnt: Wir haben dort jetzt eine sehr effiziente und stabile Fahrweise. Das wollen wir auch für die Montagelinie 2 erreichen. Daher führen wir kontinuierlich Workshops durch, um unsere Prozesse und Arbeitsabläufe zu verbessern.“

Umsetzungen ein Einschnitt für Mitarbeiter

Die Umsetzung der Mitarbeiter spricht zwar für die allseits beschworene Flexibilität der Personalführung. Für die betroffenen Mitarbeiter bedeuten die Umsetzungen in andere Team hingegen einen bedeutsamen Einschnitt. Eingespielte Mannschaften und bewährte Fahrgemeinschaften werden auseinandergerissen und auch familiäre Abläufe müssen angepasst werden. „Wir wissen, dass die Umstellung der Fahrweise auf der ML2 für die Beschäftigten eine große Herausforderung ist“, gesteht Loth ein. Fest stehe aber: „Es gibt für niemanden finanzielle oder betriebliche Nachteile.“

Im Januar wurde in Wolfsburg bereits der Weihnachtsurlaub um zwei (Golffertigung) beziehungsweise eine Woche (Tiguan, Touran und Seat Tarraco) verlängert. Der Februar begann gestern ebenfalls mit einem produktionsfreien Tag. In der Fertigung 2 folgen in diesem Monat noch zwei weitere Schließtage (wir berichteten ).

Hoffnung liegt auf dem Golf 8

In Wolfsburg muss man jetzt darauf hoffen, dass sich die Situation mit Markteinführung des Golf 8 wieder grundlegend ändert. Anfang nächsten Jahres werden dann auch alle Golf-Kontingente inklusive des Golf Variant von Zwickau nach Wolfsburg verschoben. Die optimistischen Prognosen des Managements verhießen mittelfristig bereits eine Jahresproduktion von bis zu einer Million Einheiten für das Stammwerk.

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