Bettina Hackbarth zeigt zwei Seiten weiblicher Kraft

Wolfsburg  Die Wolfsburger Künstlerin beschäftigt sich in ihrer neuen Ausstellung „re“ auf Burg Neuhaus mit dem Reh und der Sonne.

Sanfte Rehe und die mächtige Sonne sind Themen in Bettina Hackbarths Ausstellung.

Sanfte Rehe und die mächtige Sonne sind Themen in Bettina Hackbarths Ausstellung.

Foto: Helge Landmann / regios24

. Die Sonne und der Mond bilden im Deutschen eine Ausnahme. Die meisten anderen Sprachen kennen den weiblichen Mond und die männliche Sonne, passend zur Vorstellung der alles überstrahlenden, mächtigen Männlichkeit und der sanften, geduldigen Weiblichkeit. „Ich finde es großartig, dass dies im Deutschen anders ist“, sagt die Wolfsburger Künstlerin Bettina Hackbarth, „und dass im Deutschen diese große Kraft eine weibliche ist.“

Der Sonne und dem Reh widmet Bettina Hackbarth ihre neue Ausstellung „re“, die am Sonntag auf Burg Neuhaus eröffnet wird. Beides sind für Hackbart Symbole der Weiblichkeit. „Nachdem ich im Sommer eine Auswahl meiner Werke, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind, in Polen ausgestellt habe, fühlte ich mich sehr frei für neues“, erzählt die Künstlerin, die seit Frühjahr 2017 auf Burg Neuhaus wirkt. Sich mit dem Thema der Weiblichkeit zu beschäftigen, sei ihr zuvor noch nicht in den Sinn gekommen. „Das ist mir einfach so zugeflogen“, sagt sie.

Es ist also keine gesellschaftspolitische Position, die in der Ausstellung zu erleben ist. Vielmehr ist es eine Gegenüberstellung zweier Versionen von Weiblichkeit, die sich gegenüberstehen. Da sind die zarten Rehe mit den sanften Augen, die treu zum Betrachter oder zum Kitz schauen. Und auf der anderen Seite die Sonne, mächtig und kraftvoll, auch gefährlich und aggressiv.

Die Künstlerin betont diesen Kontrast ihrer Motive mit einem Kontrast in den Werken selbst: Die naturalistisch gemalten Rehe stehen auf abstraktem Hintergrund, die Sonnenstudien sind vorwiegend kleine Formate, die durch ihren Rahmen noch eingeengter wirken. Vielleicht der Versuch, eine unbändige Macht doch zu bändigen?

Für ihre Werke hat sich Bettina Hackbarth intensiv mit ihren Motiven beschäftigt. „Ich habe einen Tag in einem Tiergehege verbracht und geschaut, wie sich die Tiere verhalten“, erzählt sie. „Die weiblichen Rehe hatten eine ganz andere Ausstrahlung als ihre männlichen Artgenossen: Sie hatten eine ganz andere Authentizität, waren scheuer und wirkten insgesamt natürlicher.“ Dieses individuelle Wesen habe sie auf Leinwand zu bannen versucht.

Die Sonne wiederum sei schon immer interessant für sie gewesen. „Sie spielt für die Kunst eine so große Rolle – ohne Sonne kein Licht, keine Farben. Sie erzeugt Fröhlichkeit und ist für den Menschen und seine Entwicklung immer wichtig gewesen.“ Für sie manifestiere sich in der Sonne eben auch eine weibliche Kraft. „Sie zeigt, dass Frauen das Männliche nicht nachzuahmen brauchen. Sie haben eine eigene, genauso große Stärke.“

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