Fußschmerzen: Am Ende war es eine Thrombose

Wolfsburg.  Eine 28-Jährige hatte Beschwerden am Fuß, die lange Zeit ungeklärt waren. Am Klinikum Wolfsburg fand der Chefarzt der Radiologie die Ursache.

Chefarzt der Radiologie am Klinikum Wolfsburg, Dr. Jürgen Wiens, mit seiner Patientin Sabrina Kosub und einer Klinikumsmitarbeiterin.

Chefarzt der Radiologie am Klinikum Wolfsburg, Dr. Jürgen Wiens, mit seiner Patientin Sabrina Kosub und einer Klinikumsmitarbeiterin.

Foto: Helge Landmann / REgios

Die Schmerzen unterm Fuß kamen von heute auf morgen. Das erste Mal vor einigen Jahren, da verschwanden sie aber wieder. Und dann vor drei Monaten – und da blieben sie hartnäckig. Damit begann für die 28 Jahre alte Sabrina Kosub aus Hildesheim die langwierige Suche nach der Ursache für ihre Schmerzen, die letztlich im Klinikum Wolfsburg bei Dr. Jürgen Wiens, dem Chefarzt der Radiologie, endete – mit einer Diagnose, die unglaublich selten ist. Über das, was bis dahin alles geschah, erzählen Dr. Wiens und seine Patientin im Gespräch mit unserer Zeitung.

Szenenwechsel zum August 2017: Als die Fußschmerzen einfach nicht weniger werden wollten, führte der erste Weg der jungen Frau zum Hausarzt – von dort ging es gleich weiter zum Orthopäden.

Die Ärzte fanden zunächst nicht die Ursache für die Schmerzen

Sabrina Kosub erinnert sich: „Dort wurde ein Röntgenbild gemacht, ein Szintigramm und eine Kernspin-Tomographie. Doch ohne Erfolg. Der Arzt fand so richtig nichts, und die Schmerzen blieben.“

Die eine oder andere Verdachtsdiagnose habe es gegeben, irgendetwas Muskuläres oder Knöchernes, aber einfach nichts Konkretes. Nichts, das irgendeine Therapie in Aussicht stellte.

Vor diesem Hintergrund empfahl ihr der Facharzt aus Hildesheim, sich an Chefarzt Wiens am Klinikum Wolfsburg zu wenden. Und das nicht ohne Grund: Der hiesige Radiologie am Klinikum ist ausgewiesener Spezialist für die Diagnostik von seltenen, speziellen Knochen- und Muskelerkrankungen. Doch stand auch Wiens nebst Team zunächst vor einem Rätsel: „Wir haben Frau Kosub ausführlich untersucht und nochmal aufwändig im Kernspin untersucht -- ohne etwas zu finden.“ Er selbst habe zunächst an eine Fehlbildung von Blutgefäßen gedacht, eine Art Blutschwamm.

Ein Phlebo-CT führte schließlich zum Erfolg

Wiens lächelt seine Patientin an und sagt: „Frau Kosub musste schon eine ganze Menge Untersuchungen über sich ergehen lassen...“ Zum Beispiel musste sie die Füße immer wieder nach oben halten, damit die Mediziner sehen können, ob Blut aus einem etwaigen Blutschwamm abläuft. Tat es aber nicht. Anschließend wurde die Patientin erneut aufwändig im Kernspin unter die Lupe genommen, „doch auch da bekamen wir keine Diagnose heraus“, berichtet Wiens.

Man spürt, wie ihn der Fall damals nicht losgelassen hat und bis heute bewegt…und nicht nur ihn, sondern sein ganzes Team. „Wir haben dann ein sogenanntes Phlebo-CT gemacht, eine Computertomografie der Venen mit Kontrastmittel“, erklärt der Chefarzt weiter.

Eine in diesem Fall nicht ganz schmerzfreie Untersuchung, die die Ärzte aber auf die richtige Spur lenkte. Sie brachten das Kontrastmittel direkt in die Vene und erzeugten dann durch einen speziellen Schlauch, dass sich das Blut staute. Und da endlich fiel etwas Ungewöhnliches auf: Im CT wurde immer eine bestimmte Stelle an der Fußsohle nicht vom Kontrastmittel verfärbt – und zwar egal, in welcher Stellung der Füße die Untersuchung gemacht wurde. Wiens: „Bei uns im Team hatte niemand bisher so etwas gesehen. Aber nach ausführlichem Studium der Röntgenbilder waren wir uns sicher: Es konnte nichts anderes sein als eine Thrombose ausschließlich in den Blutleitern unterhalb des Fußes an der Fußsohle. Eine Thrombose, die sich auch weiter ausdehnen kann.

Chefarzt: Es konnte nichts anderes sein als eine Thrombose in den Blutleitern unterhalb des Fußes an der Fußsohle

Deshalb wurde die junge Frau sofort auf weitere mögliche Thrombosen untersucht – etwa in den Ober- und Unterschenkeln. Aber glücklicherweise ohne Befund. Bei der Patientin erfolgte dann eine umfangreiche weitere Abklärung, eine sogenannte „Gerinnungsdiagnostik“.

Sabrina Kosub erzählt: „Da wurden verschiedene spezielle Blutuntersuchungen gemacht, es ist aber alles in Ordnung.“ Auch eine genetische Neigung zu Gerinnungsstörungen wurde ausgeschlossen. Die Therapie sah dann so aus, dass die junge Frau über drei Monate Blutverdünner nehmen musste, damit sich das Gerinnsel auflöst.

Und siehe da: Anschließend zeigte die Röntgenuntersuchung mit dem Kontrastmittel wieder einen ganzen normalen Blutdurchfluss. Für Wiens und sein Team ein echter Erfolg. Und die Schmerzen? „Der Schmerz an dieser einen bestimmten Stelle an der Fußsohle, der ist weg“, erzählt die junge Frau. Nur jetzt sei leider noch ein Ganglion am Knöchelgelenk festgestellt worden, das macht ihr ebenfalls Probleme und muss noch operiert werden. Das ist aber eine andere, eine ganz alltägliche Geschichte.

Solche Thrombosen sind äußerst selten und bisher kaum erforscht

Für Chefarzt Wiens hat dieser Fall wegen seiner Seltenheit eine besondere Bedeutung – auch mit Blick auf die Forschung. Er betont: „Solche isolierten Fußvenenthrombosen sind äußert selten und bisher kaum erforscht. Weltweit sind nur zwischen 10 und 100 Fällen bekannt.“

Was bleibt, ist die Frage nach der Ursache. Und da weiß auch Wiens noch immer keine rechte Antwort: Manchmal seien solche Thrombosen die Folge von Gerinnungsstörungen, in 50 Prozent der bisher festgestellten Fälle sei die Ursache aber nie gefunden worden. So auch bei Sabrina Kosub.

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