Im Kunstverein zu sehen: Dadaismus im 20. Jahrhundert

Wolfsburg  „Jaagobbigery wolt“ ist der dadaistische Begriff für ein Werk über neue Technologie. Mitra Wakil und Fabian Hesse setzen sich damit auseinander.

Fabian Hesse (von links) und Mitra Wakil stellen ihre Ausstellung „Jaagobbigery wolt“ vor; hier sind sie mit Jennifer Bork vom Kunstverein zu sehen.

Fabian Hesse (von links) und Mitra Wakil stellen ihre Ausstellung „Jaagobbigery wolt“ vor; hier sind sie mit Jennifer Bork vom Kunstverein zu sehen.

Foto: regios24/Anja Weber

In ein französisches Lexikon tippten Mitra Wakil und Fabian Hesse nicht mehr, um einen Namen für ihre Ausstellung im Kunstverein, Raum für Freunde, zu finden. Den Titel fand ein kreativer Algorithmus eines 3D-Programms. Es ist Dadaismus im 21. Jahrhundert. Und Fluxus in neuem Gewand. Denn die beiden Künstler laden für Donnerstag, 26. April, 19 Uhr, zu einer „FluXXus 3D-Scan Party“ auf Schloss Wolfsburg ein. Die Handlungsanweisungen gibt der Fluxus.

Die mit dem englischen Begriff Score bezeichneten PC-Vorgaben stehen auf einem Monitor, lauten unter anderem: „Normal. Coffee to go. Handy checken“. Dann passiert etwas. Unvorhergesehenes selbstverständlich. Dada, ein französisches Wort für Holzpferdchen, ist zum Begriff einer satirischen, parodistischen Kunstrichtung mitten im Ersten Weltkrieg, 1916 im Zürcher Café Voltaire geworden. Die Künstler karikierten den Kunstbetrieb, die Normen und Regeln und vor allem den Kunstmarkt. 1962 erneuerten die Fluxus-Künstler die Revolte mit Happening, Aktion und Musik. Sie begriffen Kunst als Konzert.

66 Jahre danach halten Mitra Wakil und Fabian Hesse die Zeit für gekommen, kritisch auf die neuen Technologien einzugehen: den damit verbundenen Wegfall industrieller Arbeitsplätze, die Veränderung der Bilder durch virtuelle Wirklichkeiten, die Steuerung durch Algorithmen. Aus einem 3D-Drucker stammt eine lebensgroße Figur aus Plastik. Sie entspricht nicht den üblichen körperlichen Proportionen, weil Körperteile verschoben sind, sich überlagern, verdoppelt oder abgeschnitten sind. „Es ist Dorothy, verhext vom Zauberer von Oz“, sagt Wakil.

Daneben, auf einem überdimensionalen Wandbildschirm formt sich und zerfällt eine weitere Figur, menschlich zunächst, dann ausgehöhlt, ohne Rücken, zerbröckeln. Immer wieder, immer neu. Flackerndes Streiflicht bewirkt im Raum für Freunde Veränderungen, die vom Rechner reproduziert werden. Neue Technologien, so Hesse, führen zu neuen Themen wie der Bewältigung ihrer Auswirkungen. Er sieht im Rückgang industrieller Arbeit die Gründe dafür, dass sich Linke wie Silicon Valley für ein Grundeinkommen einsetzten: eine Revolution verhindern. So bliebe es bei der künstlerischen Revolte im Kunstverein.

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