Auf Hetzjagd durch die Zeit mit Objektiv und Fotolabor

Wolfsburg  Klaus Römer hält Wahrheiten mit verschiedenen Kameras fest.

In der Ausstellung „Variationen“ zeigt der Wolfsburger Fotograf Klaus Römer seine Werke.

In der Ausstellung „Variationen“ zeigt der Wolfsburger Fotograf Klaus Römer seine Werke.

Foto: rs24/Helge Landmann

Beklemmend schön ist die weiße Rose, die Klaus Römer auf schwarzem Passepartout vorm Verblühen bewahrt. Sie steckt mitten in einem Maschendrahtzaun aus deutscher, industrieller Produktion. In Auschwitz, denn im leicht vernebelten Hintergrund zeichnen sich die schnurgeraden Linien der einst unerbittlich grell erleuchteten Wege innerhalb des Konzentrationslagers im von den Nazis besetzten Polen ab. Auch den Holocaust unvergessen zu machen, fühlt sich der Fotograf verpflichtet.

In 19, überwiegend schwarz-weißen Aufnahmen, zeigt Römer in der Galerie Zwischenraum des Kunstvereins Crearte, Reportagen im Sinne von Egon Erwin Kisch. „Nichts ist erregender als die Wahrheit“, lautete das Credo des rasenden Reporters aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Statt mit Notizblock und Stenostift aber lässt sich Römer auf die „Hetzjagd durch die Zeit“ mit Objektiv und Fotolabor ein. Sachlich, verblüffend, aufmerksam, exotisch, futuristisch, kommentierend, alarmierend. Römer ist engagiert. Jede Aufnahme ist eine Position. Die können variieren, weshalb diese Exposition den Titel „Variationen“ trägt.

Schönheit der Landschaft: Hoch oben im Norden hat Römer sie gefunden, in Norwegen, in den langen, langen Tagen um die Mittsommernacht. Der Himmel nimmt ein dunkles Blau an, die gebirgige Küste kontrastiert dazu, verloren wirken die Schiffe und doch sind sie Zeichen menschlichen Erfindergeistes. Fasziniert von der Schönheit der nordischen Tagnächte hat er gleich zwei Bilder ausgewählt.

Exotik der Natur: gefunden in einer Kartoffel auf dem Wochenmarkt. Es ist ein seltenes Produkt, dreiteilig gewachsen, daraus sprießen vom Fotografen rot gefärbte Sprossen. Sie gleichen erigierten Penissen. Modernes Leben: Aufmerksam streift Römer durch diese und andere Städte. Dabei sieht er besondere Ereignisse. Oben in den Lüften über der begehbaren Plattform der Autostadt schweben in waghalsigen Positionen spanische Akrobaten, Cirque Nouveau im Sommer.

Politik, Zeitgeschehen: Li Wei Wei in Berlin, im Exil anlässlich einer Ausstellung. Ein Fotograf porträtiert den chinesischen, politischen Künstler im Widerstand. Klaus Römer porträtiert beide. So wie er in einer Kirche eine sich zu ihm umdrehenden Jungen aufnahm. Mit diesem Foto zog er in die bundesweit beachtete Ausstellung „Deutsche sehen Deutsche“ 1995 in der Frankfurter Paulskirche ein.

Klaus Römer hat sich als Fotograf einen Namen gemacht. Zur Vernissage kamen viele Kollegen wie Gustav Schlesinger, Ivano Polastri, Sigurd Trogisch, Helge Landmann und Antonio Spinelli.

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