25 Schüler und Lehrer müssen zu Tuberkulose-Test

Wolfsburg  Ein Flüchtlingsmädchen soll erkrankt gewesen sein. Laut Stadt finden bei der Aufnahme Untersuchungen statt.

Anfang Februar machte die Stadtverwaltung den Tuberkulosefall bekannt.

Anfang Februar machte die Stadtverwaltung den Tuberkulosefall bekannt.

Foto: Claudia Caris

Eine Schülerin der Realschule Fallersleben nimmt nach einer Tuberkulose-Erkrankung wieder am Unterricht teil. Ab Montag werden Mitschüler und Lehrer, die vor der Behandlung mit dem Mädchen Kontakt hatten, auf Tuberkulose getestet.

„25 Personen werden sich dem Bluttest unterziehen müssen“, erklärt Stadtpressereferentin Elke Wichmann. Inzwischen seien alle schulischen Kontaktpersonen identifiziert, teilen sie und die Landesschulbehörde auf Anfrage mit. Zugleich dementieren die Behörden ein Gerücht, laut dem bereits ein Lehrer wegen Verdachts auf Tuberkulose Medikamente nehmen müsse.

„Weder der Schule noch uns liegen Erkenntnisse darüber vor, dass eine Lehrkraft der Schule an Tuberkulose erkrankt sein soll. Auch weitere Verdachtsfälle sind uns nicht bekannt“, schreibt Bianca Schöneich, Pressesprecherin der Landesschulbehörde. Nach Angaben der Stadt kann ein Zusammenhang mit dem bekannten Tuberkulosefall „definitiv ausgeschlossen werden“. Weder die Landesschulbehörde noch die Stadt machte bislang nähere Angaben zu der erkrankten Realschülerin. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um ein Flüchtlingsmädchen, was von Behörden weder bestätigt noch dementiert wird. Der Hintergrund ist insofern von Interesse, als das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits 2015 feststellte, dass sich der vormalige Abwärtstrend der Tuberkulose in Deutschland nicht fortsetze und dass sich der Anteil der im Ausland geborenen Tuberkulose-Patienten von 42 Prozent in 2001 auf 63 Prozent in 2014 erhöht habe.

2015 stiegen die Tuberkulosezahlen sprunghaft an. In Deutschland von 4533 auf 5852 gemeldete Fälle, in Niedersachsen von 343 auf 423 und in Wolfsburg von 6 auf 16 gemeldete Fälle. Der Anteil der nicht in Deutschland geborenen Tuberkulose-Neuerkrankten lag nun bei 72,1 Prozent. „Der Anstieg der TB-Inzidenz kann daher auch mit der hohen Anzahl an Menschen, die im Rahmen der Migrationsbewegungen in den Jahren 2014 und 2015 nach Deutschland gekommen sind, erklärt werden“, heißt es im Epidemiologischen Bulletin des RKI aus dem Oktober 2017. In vielen Ländern ist Tuberkulose wesentlich verbreiteter als in Deutschland. Von den 5915 Personen, bei denen 2016 in Deutschland Tuberkulose entdeckt wurde, wurden nur 1427 in Deutschland geboren. Die zweitgrößte Gruppe kam aus Somalia (455 Fälle), gefolgt von 405 Eritreern und 342 Afghanen. Auf 100 000 deutsche Staatsangehörige kamen 2016 2,2 Tuberkulose-Neuerkrankungen, auf 100 000 hier lebenden Menschen mit anderer Staatsangehörigkeit 42,6.

Nach Angaben der Stadt werden Flüchtlinge bei der Erstaufnahme auf Tuberkulose untersucht. „Bei einer akuten Infektion wird natürlich auch entsprechend behandelt“, versichert Elke Wichmann. Ob schon 2015 alle Asylbewerber untersucht wurden, oder ob bestimmte Personengruppen von der Untersuchung ausgenommen waren, bei wie vielen Personen eine Infektion festgestellt wurde und wie sie anschließend behandelt wurden, beantwortete die Stadt nicht. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Neuerkrankungen im Vergleich zu 2015 wieder gesunken, in Wolfsburg und auf Landesebene. Das RKI warf in seinem Bulletin aus dem Oktober 2017 dennoch die Frage auf, ob insbesondere für Menschen aus afrikanischen Staaten eine einmalige Röntgenuntersuchung ausreiche. Als Alternativen wurden turnusmäßige Untersuchungen und Tests zur Erkennung latenter Infektionen aufgeführt. Die Tuberkulose-Impfung wurde in Deutschland 1998 wegen ihrer eingeschränkten Wirksamkeit und des geringen Infektionsrisikos abgeschafft. „Grund zur Besorgnis besteht nicht, da die Tuberkulosefälle in der Bundesrepublik insgesamt immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau sind“, versichert Elke Wichmann. Auch sei die Krankheit gut behandelbar.

Dass sie über die Herkunft der Fallersleber TB-Patientin nicht informiert haben, begründen Stadt und Landesschulbehörde mit dem Datenschutz. „Erforderlich war in diesem Fall die Mitteilung, dass eine Schülerin an einer Schule an TBC erkrankt ist. Damit war die Presse hinreichend in der Lage, die Öffentlichkeit über Krankheit, Gefahren derselben und den Personenkreis, mithin zu allen wichtigen Fakten zu informieren. Der Umstand der Herkunft der Schülerin spielt hierfür keine Rolle“, schreibt Schöneich.

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