Die Schutzranzen App – VW erntet nun Kritik

Wolfsburg  Die App soll helfen, Kinder im Straßenverkehr rechtzeitig zu erkennen. Doch Datenschützer sehen Gefahren für Kinder.

Mit der Schutzranzen App sollen Autofahrer Kinder im Straßenverkehr frühzeitig erkennen.

Mit der Schutzranzen App sollen Autofahrer Kinder im Straßenverkehr frühzeitig erkennen.

Foto: Arne Dedert/dpa

Die Idee war gut. Doch in diesem speziellen Fall der Suche nach neuen Geschäftsfeldern muss Volkswagen mit einem vielstimmigen kritischen Echo leben. 2016 wurde die strategische Partnerschaft mit der Coodriver GmbH unterzeichnet. „Im Mittelpunkt der Kooperation steht die App Schutzranzen, die Autofahrern helfen soll, Kinder im Straßenverkehr rechtzeitig zu erkennen und so Gefahrensituationen zu vermeiden. Die neue Anwendung soll künftig in das Anzeige- und Bedienkonzept neuer Volkswagen-Modelle integriert werden“, hieß es damals auf der Unternehmenshomepage. Das Modellprojekt sollte diese Woche an zwei Schulen in Wolfsburg und einer in Ludwigsburg starten. Doch jetzt hagelt es Kritik. Laut einem Bericht des NDR steht auch die neue Landesbeauftragte für Datenschutz in Niedersachsen, Barbara Thiel, dem Projekt kritisch gegenüber.

Auf der Internet-Plattform Netzwerk.org heißt es gar reißerisch „VW überwacht mit Schutzranzen-App Grundschulkinder“. In dem Beitrag steht zudem, der „Verein Digitalcourage“ fordere in einem offenen Brief das Ende des Projekts.

VW schrieb vor zwei Jahren Folgendes zu dem Projekt: „Mittelfristig wollen die Volkswagen AG und die Coodriver GmbH gemeinsam eine Technologie entwickeln, die den ,Schutzranzen’ vollständig in das Anzeige- und Bedienkonzept des Fahrzeugs integriert. Sobald Kinder die App auf ihr Smartphone heruntergeladen haben, sendet sie deren aktuelle Position an die Coodriver Cloud. Kinder, die noch kein Smartphone besitzen, können das Signal über einen in den Schulranzen integrierten GPS-Sender an die Fahrzeuge senden. Dieser Tracker wird von der Coodriver GmbH kostenfrei verliehen. Die Position des Kindes und des Autofahrers wird vom System bestimmt und verschlüsselt an eine Cloud übertragen. Der Cloud-Server berechnet den notwendigen Sicherheitsabstand zwischen Kind und Fahrzeug. Wird er unterschritten, warnt die in das Auto integrierte App über ein optisches und akustisches Signal vor Kindern am Straßenrand. Und das, lange bevor der Fahrer ein herannahendes Schulkind überhaupt erkennen kann. Das verschafft ihm genügend Vorwarnzeit, um rechtzeitig zu bremsen.“

Niedersachsens oberste Datenschützerin Thiel sieht laut NDR „große datenrechtliche Probleme“. Die einzelnen IP-Adressen würden durch die App übermittelt und darüber könne man jedes einzelne Kind identifizieren. Da das Unternehmen, das die App entwickelt hat, in Niedersachsen ansässig sei, habe ihre Behörde die Möglichkeit, das Projekt zu prüfen. „Und das werden wir auch tun“, kündigte Thiel im NDR an.

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