Wolfsburger Oberschule hat ein nagendes Problem

Wolfsburg  Kammerjäger haben es bis jetzt nicht geschafft, die Nagetiere dauerhaft aus der Schule am Schulzentrum Westhagen fernzuhalten.

Die Wolfsburger Oberschule hat ein Problem mit Nagetieren. Wegen des Risikos, sich mit dem Hantavirus zu infizieren, wurde darum nach WN-Informationen schwangeren Lehrkräften geraten, sich krankzumelden oder lieber an einer anderen Schule zu unterrichten.

Der erste Hinweis erreichte die Redaktion in der vergangenen Woche per Facebook: Ein Leser wies darauf hin, dass es an der Oberschule eine „Rattenplage“ geben könnte. Nach seiner Information bestehe für schwangere Lehrer eine Gefahr durch das Hantavirus. Die Schule reagierte weder auf eine schriftliche noch auf eine telefonische Anfrage. Die Stadt Wolfsburg erklärte zunächst, ihr sei nichts bekannt. Auch die Landesschulbehörde gab an, keine Kenntnis von einer Rattenplage zu haben.

In dieser Woche erhielt die Redaktion aus Lehrerkreisen die Bestätigung, dass es an der Oberschule eine „Nagerplage“ gebe. Immer wieder werde Kot gefunden, Teppiche seien angeknabbert, es sei sogar eine Ratte durch einen Werkraum gehuscht. Im Mai sei eine Arbeitsschutzbeauftragte im Auftrag des Kultusministeriums an der Wolfsburger Oberschule gewesen und habe angesichts des Nagerproblems einer schwangeren Lehrerin geraten, sich beurlauben zu lassen. Auch von der Stadt Wolfsburg sei jemand da gewesen. Daraufhin sei ein Kammerjäger beauftragt worden – viel gebracht habe das aber nicht.

Das Kultusministerium ließ eine Anfrage am Mittwoch unbeantwortet. Die Stadt Wolfsburg dagegen bestätigte auf erneute Anfrage, der Schulleitung und der Stadt seien die Situation vor Ort und der Umstand, dass in der kalten Jahreszeit Nagetiere Zuflucht in dem Gebäude suchten, bekannt. „Hierbei ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es bisher keine Hinweise auf eingedrungene Ratten gibt“, schreibt Pressereferent Florian Reupke. Es handele sich um Marder und Mäuse.

Das Problem betreffe überwiegend den Musikbereich im Erdgeschoss. Bisher wurde laut Reupke regelmäßig der Kammerjäger beauftragt. Zudem seien mehrfach kleinere Verbesserungen an der Fassade vorgenommen worden, durch die sich die Nager wahrscheinlich Zugang zu der Schule verschafften: „Leider bisher ohne abschließenden Erfolg.“

Die Stadtverwaltung betrachtet den Sachverhalt nach Reupkes Angaben als „nicht gravierend, aber lästig“. „Ein Grund zur Sorge besteht ausdrücklich von Seiten des Gesundheitsamtes nicht.“

Der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Gerald Kulms, dem das Gerücht über das Nagerproblem auch schon zu Ohren gekommen war, drängt unterdessen auf Taten. „Wir fordern, dass umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um das Problem zu lösen“, sagt er. Die Situation sei weder für die Lehrkräfte noch für die Schüler schön, und nicht nur Schwangere könnten sich mit dem Hantavirus infizieren.

Hantaviren werden von Nagetieren auf Menschen übertragen und breiten sich in diesem Jahr in Niedersachsen aus. Infizierte Tiere scheiden die Viren aus, Menschen können sich zum Beispiel über eingeatmeten Staub infizieren. Die Stadt Wolfsburg weist jedoch darauf hin, dass von Nagetieren übertragene Erkrankungen beim Menschen nur äußerst selten und unter sehr ungünstigen Bedingungen aufträten. „Entscheidend ist es, die Ausscheidungen der Nagetiere zeitnah zu entfernen, was bisher geschah. Das Gesundheitsamt berät die Kollegen der Schulverwaltung bei der Durchführung der Vorbeugemaßnahmen“, so Florian Reupke.

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