Zirkussommer – Fünf Männer staunen über die Welt

Wolfsburg  Die Artisten von Machine de Cirque spielen beim Autostadt-Sommer auf der Gartenbühne mit Hinterlassenschaften der Zivilisation.

Akrobaten? Musiker? Die Artisten von Machine de Cirque verknüpfen beides – und noch mehr.

Akrobaten? Musiker? Die Artisten von Machine de Cirque verknüpfen beides – und noch mehr.

Foto: regios24/Anja Weber

Ohne Worte, abgesehen von einigen französischen. Auch ohne Manege, Hochseile und Tiere bringt Machine de Cirque das Publikum auf der ausverkauften Gartenbühne am Mittwochnachmittag in der Autostadt zum Lachen, zum Staunen, zum Wundern. Die fünf Kanadier aus dem französischsprachigen Quebec sind Clowns, Akrobaten, Artisten und Musiker, immer alles, das eine oder andere Mal mehr, mal weniger. Das ist die Idee des Cirque Nouveau, der um 1970 in Frankreich aufkam.

Die Akrobaten vermitteln eine Geschichte: In ihren Gesichtern spiegelt sich das Staunen der Welt wider. Raphael Dubé, Yohann Trepanier, Fred Lebrasseur, Maxim Laurin und Ugo Dario sind bass erstaunt darüber, 15 Jahre nach der Apokalypse noch zu leben. Im Vollbesitz ihrer körperlichen Fähigkeiten, auch ihrer geistigen. So beginnen sie, mit dem Schrott der Zivilisation zu spielen, um andere Überlebende, vor allem Frauen, zu finden. Das ist gar nicht so einfach. Obwohl es immer so spielerisch wirkt, als ob Jungen etwas ausprobieren. Oder technikaffine Männer. Und verblüfft sind, dass und wie es klappt.

Zunächst bringen die Kanadier den Schrott zum Klingen. Flotte Rhythmen, dynamisch und schnell, spielt Fred Lebrasseur. Die Anderen setzen die Melodien in Jonglage um. Ebenso dynamisch und schnell, auch gewagt. Der Schlagzeuger fängt zwei Kegel auf und trommelt damit weiter. Die anderen beteiligen sich. Das Publikum ist fasziniert und amüsiert.

Doppelte Salti zeigen zwei Akrobaten auf einem alten, langen Brett, das alle in Balance halten. Auf dem Einrad schwingt sich ein Anderer in die Lüfte, hoch, höher, immer höher, atemberaubend gewagt. Da sind sie Artisten und Akrobaten, die mit Geschicklichkeit und Mut begeistern. Dazwischen sind sie auch Clowns, die ihre eigene Show konterkarieren, gekonnt daneben springen, um ebenso gewandt auf dem Boden abzurollen. Netz und doppelten Boden, gar weichen Sand, gibt es nicht im Cirque Nouveau.

Voller Komik und mit großer Theatralik zeigen sie eine Badeszene: nackt, nur von knappen Badetüchern bedeckt, die sie stets zu verlieren Gefahr laufen oder die sie sich gegenseitig streitig machen. Schallendes Gelächter. Und finden eine Frau. Im Publikum. Iris Hain widersteht nicht den charmanten Avancen. Geleitet von einem Gentleman nimmt sie Platz (die Künstler bilden die Sitze) zum Parlieren, fährt Motorrad (ebenfalls menschlich) und tanzt mit ihm in den Himmel der Liebe hinein. Voilà, c’est le cirque!

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