Ein Jugendtraum auf 60 Seiten

Wolfsburg  Carlo Cusenza hat sich ein Jahr Auszeit genommen, um sein erstes Buch zu schreiben.

Carlo Cusenza aus Wolfsburg hat sein erstes Buch geschrieben.

Foto: Eva Hieber

Carlo Cusenza aus Wolfsburg hat sein erstes Buch geschrieben. Foto: Eva Hieber

Sich ein Jahr Auszeit zu nehmen, um sich langgehegte Träume zu erfüllen – wer wünscht sich nicht ab und zu diese Gelegenheit? Carlo Cusenza war das Träumen leid – er machte es einfach. Das Jahr 2017 will der Wolfsburger seiner kreativen Ader widmen.

„Meine Arbeit beansprucht viel Energie, da kann ich mich nicht nebenher noch aufs Schreiben konzentrieren“, erzählt der 34-Jährige, der bei Volkswagen arbeitet. Und schreiben war das, wovon er schon seit seiner Jugend geträumt hatte. Innerhalb weniger Monate hat Cusenza sein erstes Buch geschrieben: „Die Reise zum Ende des Universums“ ist ein Science-Fiction-Roman, der von „Books on Demand“ verlegt wird, einem Dienstleister für Selbstpublikationen.

Die Roman-Handlung basiert auf Vorhersagen berühmter Propheten – Casenza hat sich die Schriften von Nostradamus zum Vorbild genommen und sich außerdem an Überlieferungen von der bulgarischen Seherin Baba Wanga orientiert, die in ihrer Heimat in den 1950er und 1960er Jahren Berühmtheit erlangte. „Ich finde das Prinzip der Wahrsagerei faszinierend“, erklärt Cusenza seine Idee, „das heißt aber nicht, dass ich daran glaube.“

„Die Reise zum Ende des Universums“ spielt im 39. Jahrhundert – den Leser erwartet also ein veritables Raumfahrer-Epos. Die Protagonisten Minerva und Craig landen nach einer Reise zu einem schwarzen Loch unverhofft in einem neuen Jahrhundert – aufgebrochen waren sie im 23. Jahrhundert. Sie finden eine veränderte Galaxie vor, in der die Sonne erloschen ist und die Menschen die Erde verlassen haben, um erst auf dem Mars und dann auf der Venus zu siedeln – nur, um schließlich Krieg gegeneinander zu führen. Die Selbstzerstörungskraft des Menschen, das ist eines der Themen, das Casenza in seinem Roman behandelt.

Der Wolfsburger kritisiert nicht nur den Umgang der Menschen miteinander, sondern auch seinen unbedingten Willen zur Weiterentwicklung, ohne Rücksicht auf mögliche negative Folgen. Die Sonne ist in seinem Roman aufgrund menschlicher Technologien erloschen – dafür gibt es nun künstliche Sonnen, die wiederum durch ihre fehlerhafte Konstruktion weitere galaktische Probleme verursachen .... – kurzum, der Mensch bringt das Gleichgewicht der Natur durcheinander. Cusenza will darauf hinaus, dass der Mensch im Einklang mit der Natur leben sollte, statt seinen eigenen Lebensraum auszubeuten, wie er im Vorwort schreibt.

„Wir sind alle ein Teil von Gott“, sagt der Wolfsburger, „diese Überzeugung habe ich versucht, in den Roman einzuweben.“ Am liebsten würde er eine ganze Romanreihe aus seiner Geschichte schreiben. „Erst mal möchte ich aber beobachten, wie sich das Buch verkauft.“

Das Problem dabei – das Buch wird erst gedruckt, wenn jemand es kaufen will. Bestellt werden kann es für 8,95 Euro in Buchhandlungen und im Internet – in der Auslage eines Geschäfts wird es aber nicht landen. Der Dienstleister „Books on Demand“ verfährt nach dem Prinzip der Selbstpublikation: Cusenza behält das Urheberrecht, der Verlag übernimmt Aufmachung, Lektorat und Betreuung. Damit sich Cusenzas kreatives Experiment aber auch finanziell lohnt, müsste er theoretisch 1000 Exemplare verkaufen – viel für einen Nachwuchs-Autor, der im Selbstverlag veröffentlicht.

Aber egal wie der Verkauf des Romans sich entwickelt: Cusenza ist froh, diesen Schritt gegangen zu sein und seinen Traum zu verwirklichen. „Es hat so Spaß gemacht, zu schreiben. Es war, wie in eine andere Welt einzutauchen, gar nicht, als würde ich arbeiten.“ Im nächsten Jahr will er in jedem Fall seinen Hauptberuf wieder ausüben – um eine tolle Erfahrung reicher.

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