„So leben wir in China“ – VW-Kinder berichten vom Reich der Mitte

Wolfsburg  In der Internationalen Schule Changchun lernen Kinder ihre neue Heimat auf Zeit gut kennen. Einiges ist faszinierend – und anderes bleibt fremd.

Wenn die Eltern beruflich nach China ziehen, ist das für Kinder der Start in ein ganz neues Leben. Die Schüler der Deutschen Internationalen Schule Changchun berichten in den Wolfsburger Nachrichten, wie dieses neue Leben aussieht:

Mittwochmorgen, 6 Uhr – der Wecker klingelt. Schnell die Schuluniform anziehen, die muss sitzen – in der Schule versteht man da keinen Spaß. Dann zum Frühstück ins Hotel. Das gefällt uns besonders an unserem Leben im South Lake Hotel in Changchun, China: Wir haben zwar eigene Häuser, aber trotzdem ist manches wie in einem Hotel: So gibt es jeden Morgen ein richtig gutes Frühstücksbuffet im sogenannten Apartmenthaus A.

Wir sind die 7. Klasse der Deutschen Internationalen Schule Changchun. In unserer Klasse sind sieben Teenager: Runa, Victoria, Chiara, Sara, Lara, Luca und Pierre. Wir haben Elternteile aus Deutschland, Mexiko, der Türkei, Slowenien, Kroatien und Russland. Drei von uns kommen aus Wolfsburg und Umgebung. „Mit sieben Schülern sind wir die zweitgrößte Klasse in der Sekundarstufe 1“, sagt die Klassensprecherin Victoria, „in der Fünften sind vier Schüler und eine Sechste gibt es in diesem Halbjahr gar nicht.“ In der Grundschule sind die Klassen viel größer, die erste Klasse beispielsweise besuchen derzeit 16 Schüler.

M orgens muss man sich beeilen : Der Bus fährt um 7.05 Uhr. Heute geht der Unterricht bis 13.45 Uhr, das ist jedoch ein kurzer Schultag. Normalerweise endet der Unterricht um 15.25 Uhr. Musik, Kunst und Sport haben wir auf Englisch mit den Schülern der Changchun American International School zusammen. „Für manche ist der Unterricht auf Englisch am Anfang gar nicht so einfach“, meint Victoria, „aber so lernt man es total gut.“

In der letzten Woche waren wir von der Siebten mit unserem Klassenlehrer Ansgar Baumert auf Klassenfahrt in Peking. „Wenn man auf dem Platz des Himmlischen Friedens steht und auf das Tor zur verbotenen Stadt guckt“, meint Pierre, der aus Wolfsburg kommt, „dann ist das schon ein cooles Gefühl.“ „Überhaupt kriegen wir einiges von China mit“, sagt Victoria. „Im September waren wir beispielsweise auf einer Schulfahrt in der Inneren Mongolei. Oder wir besuchen unsere chinesische Partnerschule in Yitong, einem Dorf hier in der Nähe.“

Schulschluss, um 13.45 Uhr. Der Bus fährt uns zurück ins Deutsche Dorf. Nach den Hausaufgaben treffen sich ungefähr 30 Mädchen zum Cheerleading-Training, für die Jungs gibt es ein Fußballteam. Heute Abend ist „Stammtisch“ im South Lake Hotel. Dort treffen sich viele Familien, um zu reden und zu essen.

D as Deutsche Dorf ist eine Wohnsiedlung mit von FAW-VW gemieteten Häusern für sogenannte Expats. Natürlich wohnen dort nicht nur Deutsche, aber trotzdem wird es von allen so genannt. FAW-VW ist ein Joint Venture von Volkswagen und Audi mit dem chinesischen Autohersteller FAW. Das Deutsche Dorf heißt eigentlich „Clear Moon Villa“ und ist ein Teil des South Lake Hotels. Da dort oft wichtige Staatsbesuche wohnen, werden die Eingänge bewacht und es patrouillieren die ganze Zeit Soldaten. Zurzeit leben hier ca. 80 Familien mit Kindern.

J edes Jahr gehen Mitschüler zurück in ihre Heimat – und es kommen neue dazu. Normalerweise bleibt man drei Jahre, manche verlängern aber auf vier oder fünf Jahre. Die meisten Leute sind von VW oder Audi in China aber manche auch von anderen Firmen. Es gibt auch zwei Apartment-Gebäude mit insgesamt ca. 60 Wohnungen. In dem einen ist die Lobby und es gibt ein westliches Frühstücksbuffet und jeden Mittwochabend einen Stammtisch. Draußen haben wir ein Fußballfeld, einen Spielplatz und einen ziemlich großen Außenpool, wo wir uns im Sommer fast täglich treffen. Im Apartmenthaus kann man jeden Tag um 16 Uhr im Hotel gebackene Brötchen kaufen und im kleinen Laden direkt im Dorf gibt es viele andere westliche Dinge.

D ie Deutsche Internationale Schule Changchun (DISC) wurde schon vor 20 Jahren gegründet. 2007 wurde sie von der Bundesregierung als Deutsche Auslandsschule anerkannt. 2014 wurde ein Kooperationsvertrag mit der CAIS (Changchun American International School), einer internationalen IB-Schule, unterzeichnet und die DISC zog in das tolle Gebäude der CAIS ein. Seitdem haben wir Kunst, Sport und Musik mit den Klassen der CAIS (shared lessons). Zum Schuljahr 2017/18 geht die ganze Sekundarstufe I der DISC in die CAIS über. Dann wird es nur noch eine deutsche Grundschule und einen deutschen Kindergarten geben.

Die Vorteile unserer Schule? Auf diese Frage sagt unser Schulleiter Hermann Diehm: „Ein Aufenthalt in China ist für unsere Schülerinnen/Schüler ein unvergessliches Erlebnis. Sie erleben die chinesische Kultur hautnah. Die Deutsche Schule ist mit ihren kleinen Klassen und zusätzlichen Fächern wie Englisch-Konversation und Bibliotheksstunde eine besondere Herausforderung. Durch den gemeinsamen Unterricht mit den CAIS-Schülern lernen die Kinder sehr gut Englisch. Der Aufenthalt in Changchun ist für jedes Kind ein persönlicher Gewinn.“

Autofahren in China ist etwas ganz anderes als in Deutschland. In China wird oft unkonzentriert und nicht wirklich geordnet gefahren. Jeden Tag gibt es Stau. Unsere Eltern müssen, wenn sie in China Auto fahren möchten, einen chinesischen Führerschein machen.

Einkaufen: In vielen Läden in der Stadt gibt es westliche Produkte, auch im deutschen Dorf im sogenannten „Kleinen Laden“. Auf den chinesischen Märkten herrscht ein buntes Treiben und manchmal erschrickt man, wenn es zum Beispiel lebendige Frösche, Schildkröten oder Schlangen zu kaufen gibt.

Chinesisches Essen – die meisten aus unserer Klasse lieben es einfach. Zum Beispiel Hot Pot, bei dem vor jeder Person auf dem Tisch eine Suppe auf einer Flamme steht. Dazu gibt es beispielsweise Pilze, Nudeln und Fleisch. Diese Zutaten gibt man dann zum Kochen selbst in den Topf . In die Restaurants, wo man Hundefleisch essen kann, gehen wir allerdings nicht.

Das Wetter: Im Nordosten Chinas ist es im Sommer viel wärmer und im Winter viel kälter und trockener als in Deutschland. Der Winter dauert fast sechs Monate und es ist oft kälter als Minus 20 Grad. Im Frühling gibt es manchmal Sandstürme. Im Sommer kann man dann aber die ganze Zeit in den Pool gehen.

Umweltverschmutzung ist in China ein großes Thema . In Changchun ist die Luft im Winter immer mal wieder schmutzig. Deswegen haben wir zu Hause und in der Schule Luftreiniger. Wenn die Feinstaubwerte höher als 150 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen, dürfen wir in der Pause nicht raus. Das passiert aber zum Glück nicht allzu oft.

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