Der Fall B.– ein Italiener, der Deutschland retten will

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B., der Gründer der Neonazi-Gruppierung „Berserker Deutschland – Division Wolfsburg“, und seine Fahnen-Sammlung.

B., der Gründer der Neonazi-Gruppierung „Berserker Deutschland – Division Wolfsburg“, und seine Fahnen-Sammlung.

Wolfsburg  Der 38-jährige Wolfsburger ist der Drahtzieher der Neonazi-Gruppierung „Berserker“ und hetzt im Internet gegen Ausländer.

Hooligans wollen am 8. Oktober durch Dortmund marschieren. „Gemeinsam gegen den Terror“ lautet ihr Motto. 300 Teilnehmer, darunter rechte Rocker und Neonazis, werden erwartet. Ob – so wie von den Veranstaltern angekündigt – ein Demonstrationszug durch die Innenstadt stattfindet, oder es nur eine Standkundgebung geben wird, wie es der Dortmunder Polizeipräsident aus Sicherheitsgründen verfügt hat, werden Verwaltungsgerichte am Ende wohl entscheiden müssen. Ihre Unterstützung für den Aktionstag verkünden jedenfalls die „Berserker Deutschland – Division Wolfsburg“.

Der Verfassungsschutz beobachtet die Berserker

Die rechtsextreme Gruppierung steht unter Beobachtung des Niedersächsischen Verfassungsschutzes und wurde auch im Lagebericht 2015 erwähnt (WN berichteten exklusiv). Ableger der Berserker gibt es laut eigener Bekundung in Bayern, Brandenburg, Celle, Nordrhein-Westfalen und Wismar. Die Gründung einer „Frauenbewegung“ wurde kürzlich verkündet.

Durch ihre Teilnahme an der Demo in Dortmund suggerieren die Berserker eine Verbindung zur Hooligan-Szene. Tatsächlich sind sie im Umfeld im Umfeld von Fußballspielen in Wolfsburg nie in Erscheinung getreten, erklärte auf Nachfrage Polizeisprecher Sven-Marco Claus. Dies bestätigt auch der Sprecher des Verfassungsschutzes, Reinhard Leder. Er weist darauf hin, dass Hooligans nicht per se rechtsextremistisch sind, „Das schließt aber nicht aus, dass Hooligans auch rechtsextremistische Einstellungsmuster aufweisen können. Personelle Überschneidungen, auch gruppenübergreifend, kann es immer geben.“

Mitglieder der Berserker wurden in der Vergangenheit immer wieder auf Neonazi-Treffen in Norddeutschland und Sachsen-Anhalt gesehen. Zum anderen ist die Gruppe äußerst aktiv im Internet. Mit ihren Hass-Botschaften gegen Ausländer – insbesondere Muslime sowie generell Flüchtlinge – und der Verherrlichung des Dritten Reichs sorgten die Berserker bei Facebook für Furore. Wie unsere Zeitung berichtete, wurde im Juli ihre Seite vom Netz genommen. Seit August sind die Berserker in dem sozialen Netzwerk mit einer neuen Seite online und hetzen weiter wie gehabt. 870 Personen haben die Seite mit „gefällt mir“ markiert.

Einige Beispiele, was für Inhalte dort veröffentlicht werden: „Multikulti ist nur Codewort für den Völkermord an den Weißen“, heißt es etwa. Zu einem Foto, auf dem vier junge Frauen ein „Refugees Welcome“-Schild hochhalten, wird kommentiert: „Die hartnäckigste Krankheit auf unserem Planeten ist weder Krebs, noch Aids und auch nicht Ebola, sondern Dummheit.“ An anderer Stelle wird verkündet: „Der Nationalsozialismus ist die mächtigste Offenbarung der Seele einer Rasse.“ Oder: „Die Nationalsozialisten sind anständige Menschen gewesen, Wissenschaftler, Erfinder, Soldaten.“

Gründer und Drahtzieher der „Berserker“ ist B., ein „Nationalsozialist“, wie dieser schon mal öffentlich ganz freimütig bekennt. Der 38-Jährige wurde in Italien geboren und ist im Besitz der der italienischen Staatsbürgerschaft. Sein Lebensweg in die rechte Szene hängt nach WN-Informationen eng mit seinen schwierigen Familienverhältnissen zusammen.

Schon in jungen Jahren verkehrte er in der Skinhead-Szene

B. wuchs in Wolfsburg bei den Eltern auf. 1988, als er vier Jahre alt war, ließen sie sich scheiden. Gegen seinen Willen musste er mit dem Vater nach Italien zurückkehren. Dieser kümmerte sich allerdings nicht darum, dass der Sohn die Schule besuchte. B. verwahrloste in den folgenden Jahren zusehends und verkehrte in Skinhead-Kreisen. Bereits als 10-Jähriger konsumierte er übermäßig Alkohol und beging zahlreiche Straftaten.

Zeit seines Lebens war B. offenbar auf sich allein gestellt. 1985 kehrte er nach Wolfsburg zurück, besuchte Grundschule und Mittelschule bis 1992. Danach reiste er durch Europa, ohne irgendwo sesshaft zu werden.

Mehrmals wurde er straffällig. So wurde B. im Juli 2000 vom Landgericht Braunschweig wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Diebstahls, Computerbetrugs und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von 2 Jahren 9 Monaten verurteilt, die er in der JVA Vechta absaß. Im Gefängnis absolvierte er eine Ausbildung zum Hochbaufacharbeiter und erlangte den Hauptschulabschluss.

Von behördlicher Seite aus wurde schließlich seine Ausweisung aus Deutschland nach der Haftzeit verfügt. Die Behörde begründete dies, da der Italiener in Deutschland weder persönlich, noch wirtschaftlich oder sozial integriert sei und eine hohe Wahrscheinlichkeit bestünde, dass er wieder Straftaten gehen könnte.

Bis heute geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt

Wohl nach Ablauf der üblichen Befristung der Ausweisungsverfügung reiste B. wieder nach Deutschland ein. Bis heute wurde immer wieder in Strafverfahren gegen ihn ermittelt, unter anderem Betrugs- und Beleidigungsdelikte.

Aktuell wohnt er in einem Dorf im südlich von Wolfsburg. In seiner Freizeit spielt er Rechtsrock. Zwischen 2007 und 2016 arbeitete er bei knapp 10 verschiedenen Firmen in Wolfsburg, Gifhorn und Braunschweig, zuletzt als Berufskraftfahrer. Die Zeiten der Anstellung wurden immer wieder von längeren Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen. Wie die WN erfuhren, ist seine finanzielle Lage äußerst angespannt. Gleichwohl kümmert er sich mit viel Engagement um die Herstellung von „Berserker“-Fanutensilien wie Shirts, Fahnen und Kaffeetassen.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

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