Zwei Könner des verbalen Gedankenspiels

Wolfsburg  Das Satire-Duo Wendler/Hoffmann trat im Galerietheater auf.

Evelyn Wendler und Jörg Peter Hoffmann sind „Kabbaratz“. Der Name erinnert phonetisch an Rabbatz, und den machte das Satire-Duo am Samstagabend in unterhaltsamer und gleichzeitig gedankenanregender Manier. Die Politkomödianten traten mit ihrem Programm „Worte im Orientexpress – Eine Reise nach Deutsch-Absurdistan“ im Galerietheater auf die Bühne.

„Guten Abend, meine Damen und Herren! — Pass auf, was du sagst.“
Jörg Peter Hoffmann und Evelyn Wender, beim Versuch, das Publikum politisch korrekt zu begrüßen.

50 Zuschauer wurden mitgenommen auf eine verbal paradoxe, imaginäre Zugreise. Die war zeitweise zum Brüllen komisch war und ließ dennoch ernste Hintergründe nicht außer Acht. Mehr noch, sie rückte jene in den Fokus. Nicht etwa in komödiantischer Holzhammer-Manier. Sondern in pointenreicher Weise und in unterschiedlicher Form. In kurzen Schauspielszenen ebenso wie in philosophierenden Dialogen oder in Einzelansprachen der beiden Kabarettisten ans Auditorium.

Das Programm startete mit Gedanken über die übliche Anrede eines Publikums mit der Floskel „Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren.“ Evelyn Wendler forderte von ihrem Partner: „Pass auf was du sagst!“ Der Begrüßungssatz wurde zum Ausgangspunkt eines kurios anmutenden Diskurses über die politische Korrektheit einer solchen Ansprache, sowie zum Anlass, die politische Korrektheit der deutschen Sprache im Allgemeinen ins Visier zu nehmen. Es entspann sich eine amüsante Auseinandersetzung der Künstler über jedwede Art von Formulierungen, gepaart mit verbalen Spitzen, die auf das Gegenüber gemünzt waren.

Evelyn Wendler und Jörg Peter Hoffmann präsentierten sich an diesem Satire-Abend nicht nur als Könner in puncto intellektueller, sprachlicher Gedankenspiele. Sie zeigten in den schauspielerischen Sequenzen, dass sie zudem über gute darstellerische Fähigkeiten verfügen. Bei einer der Szenen, „Verschwunden in einem Regionalzug“, gaben sie diversen Figuren – Schaffner, altes, streitendes Ehepaar, Hühnchen verzehrende Muslima sowie vorurteilsbehaftete Spießbürgerin – detaillierte Charaktermerkmale.

Die dramaturgischen Mittel wechselten häufig. Zum Einsatz kam unter anderem der Lesevortrag eines Essays von US-Schriftsteller Mark Twain, in dem sich dieser im Jahre 1905 humorvoll über die Schrecken der deutschen Sprache ausließ. Die abwechslungsreiche Präsentationsform hielt den Spannungsbogen ebenso aufrecht wie der Inhalt des Programms. Denn der erforderte: Genau Hinhören und permanent Mitdenken.

Fazit: Unterhaltsame Satire mit Tiefgang.

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